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Mehr Menschen in Witten wegen Alkohol-Missbrauchs behandelt

25.01.2012 | 18:21 Uhr
Mehr Menschen in Witten wegen Alkohol-Missbrauchs behandelt
Foto: Franz Luthe

Witten.   Die Zahl der stationären Behandlungen im Ennepe-Ruhr-Kreis ist gestiegen. Halluzinationen, Verwirrtheitszustände und Aggressivität können Folge des Missbrauchs sein.

Immer mehr Menschen im Ennepe-Ruhr-Kreis müssen wegen Missbrauchs von Alkohol, Drogen und anderen bewusstseinsverändernden Substanzen stationär im Krankenhaus behandelt werden. Das hat eine Studie des statistischen Landesamtes ergeben. Von 2005 bis 2010 hat die Zahl dieser Patienten aller Altersklassen um 323 auf 1833 zugenommen.

Mehr als zwei Drittel der Betroffenen hatten ein Alkoholproblem. Das ist auch in den Wittener Krankenhäusern aufgefallen. „Alkohol ist häufiger die Ursache für eine stationäre Behandlung als Drogen“, sagt der Chefarzt der Inneren Abteilung und der Intensivstation des evangelischen Krankenhauses, Mario Iasevoli (47). Ulrich Wilke (51), leitender Oberarzt der medizinischen Klinik am Marien-Hospital, stimmt dem zu: „Patienten mit Vergiftungen aufgrund von Drogenmissbrauch sind seltener.“

Mehr Minderjährige mit Alkoholproblem

Besonders zugenommen hat die Zahl der unter 18-Jährigen, die wegen zu viel Alkoholkonsums im EN-Kreis 2010 behandelt werden mussten. Diese Entwicklung zeigt sich auch in der Kinderklinik des Marien-Hospitals. „2010 behandelten wir 28 Jugendliche mit akutem Rausch. Ein Jahr zuvor waren es 17“, sagt die Oberärztin der Kinderklinik Dilek Aydin (40). Ein Anstieg um rund 60 Prozent. Dilek Aydin rechnet aber mit einer weitaus größeren Dunkelziffer, da nicht alle Fälle im Krankenhaus landen würden. Zum Vergleich: Im EN-Kreis waren 2010 insgesamt 96 Minderjährige betroffen. Fast ein Drittel waren also Wittener.

Auch in der Psychiatrie der Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel in Hattingen ist das Problem bekannt. Sie ist für einen Großteil Wittens und des EN-Kreises verantwortlich und behandelt Patienten, deren psychische Auffälligkeiten häufiger auf Alkohol zurück zu führen sind als auf Drogen. Heinz Stens, Oberarzt der Psychiatrie, sieht das Problem in der gesellschaftlichen Akzeptanz: „Niemand guckt komisch, wenn einer sagt, er trinkt heute Abend ein Glas Wein. Sagt er aber, er dreht sich einen Joint, reagieren die Menschen anders.“

Beratung sehr wichtig

Dabei sind die Folgen von Alkoholmissbrauch keineswegs zu unterschätzen. So kann übermäßiger Konsum nicht nur Erbrechen hervorrufen, sondern auch zu Halluzinationen, Verwirrtheitszuständen und Aggressivität führen. Ist schließlich eine Entgiftung nötig, kommt es in der Regel zum Entzugssyndrom mit epileptischen Anfällen, Bluthochdruck, Zittern, Schlafstörungen und weiteren Halluzinationen, so Stens.

Neben der Behandlung der Symptome mit Medikamenten sei eine „umfassende Beratung ein ganz wichtiger Teil“ der Versorgung in der Psychiatrie. „Wir klären die Leute über die Risiken ihres Verhaltens auf und zeigen ihnen, was für Möglichkeiten sie nach der Entlassung haben“, sagt Oberarzt Stens. Doch sie könnten den Patienten nur die Anlaufstellen nennen, hingehen müssten sie selber. Stens: „Die Chancen auf Heilung stehen nach der Entgiftung gut. Aber ein Rückfall gehört meistens dazu. Er ist leider eher die Regel als die Ausnahme.“

Anna Hückelheim

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