Mehr als zwei Jahre Gefängnis nach Überfall auf Pfarrer

Um einen Einbruch in ein Wittener Pfarrbüro ging es vor dem Amtsgericht.
Um einen Einbruch in ein Wittener Pfarrbüro ging es vor dem Amtsgericht.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
  • Im vergangenen Oktober war Wittener Pfarrer überfallen worden
  • Maskierte Männer drangen in Haus ein und erbeuteten Schmuck und Bares
  • Ein Täter wurde nun verurteilt – Raub konnte nicht nachgewiesen werden

Witten.. Maskierte Männer waren im vergangenen Oktober in ein Haus am Wittener Pfarrbüro der Rüdinghauser Piusgemeinde eingedrungen, fesselten den damals dort lebenden Pfarrer und hatten es auf zwei Tresore abgesehen, von denen sie offenbar Kenntnis hatten. Das Wittener Amtsgericht verurteilte nun einen der Täter zu einer Gefängnisstrafe.

Der mehrfach vorbestrafte Wittener (31) muss wegen besonders schwerem gemeinschaftlichem Diebstahl und Kreditkartenbetruges für zwei Jahre und drei Monate in Haft. Im Gegensatz zu den drei anderen Tätern konnte er gefasst werden, weil Ermittler DNA-Spuren auf einer Krawatte sicherstellen konnten, mit der der 81-jährige Geistliche gefesselt worden war.

Angeklagter bekam von Opfern angeblich nichts mit

Trotzdem konnte ihm das Gericht den angeklagten Raubvorwurf nicht nachweisen. Er sei am Abend von den Männern angesprochen worden, ob er „etwas Geld verdienen“ wolle. In seiner Aussage behauptete er, zunächst nur Schmiere gestanden zu haben. Um das Haus zu plündern, habe er es auf Bitten seiner Kollegen kurzzeitig betreten, dann aber wieder verlassen, weil ihm schlecht geworden sei. Ihm sei gesagt worden, dass in dem Haus keine Leute sein würden, er habe auch „niemanden zu Gesicht bekommen“. Von Tresoren sei keine Rede gewesen, nur von Schmuck. Vom Fesseln des Pfarrers und einer Frau (81), die ebenfalls in dem Haus lebte, habe er nichts gewusst.

Den vermeintlichen DNA-Beweis bügelte der erfahrene Dieb gekonnt ab: „Mir waren meine Handschuhe zu groß, ich musste sie tauschen.“ Hinterließ er also Spuren an den Handschuhen, die dann ein Mittäter auf der Krawatte hinterließ? Nicht sehr glaubwürdig aus Sicht von Amtsrichterin Dr. Barbara Monstadt – das Gegenteil war dem Mann aber nicht zu beweisen.

„Lassen Sie uns leben!“

Für die Opfer war es eine Nacht des Grauens. Gegen zwei Uhr hatten mindestens drei maskierte Männer eine Kellertür aufgehebelt. „Ich wurde wach. Vor mir bewegten sich mehrere Taschenlampen“, so der Pfarrer. Er habe niemanden erkannt. „Ich musste mich auf den Bauch legen, man hat mich gefesselt.“

Ein Kissen habe man ihm auf den Kopf gelegt, wohl damit er nichts sehen könne, vermutete der Ruheständler. Ein Mann habe sich auf seine Oberschenkel gesetzt, um ihn zu fixieren, mindestens ein anderer hätte das Haus durchwühlt. Vor Gericht schilderte der 81-Jährige seine Todesangst: „Lassen Sie uns leben! Wir sind alte und kranke Leute, habe ich gesagt.“

Opfer haben Tat noch nicht verarbeitet

Wie die Mitbewohnerin schilderte, hätten die Täter konkret von zwei Tresoren gesprochen, zu denen sie Zugang forderten. Ein Schlüssel soll auch offen herum gelegen haben. Insgesamt erbeuteten die Männer Bargeld und Schmuck im Gesamtwert von rund 20 000 Euro. Ihre Opfer ließen sie gefesselt zurück. Nachdem sie sich selbst befreien konnten, riefen sie die Polizei. Verarbeitet haben beide das Erlebte noch nicht. „Ich dachte, ich muss sterben“, sagte die 81-Jährige.