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Medizinwirtschaft

Medizinpreisträger starten im Wittener ZBZ durch

10.02.2016 | 10:00 Uhr
Medizinpreisträger starten im Wittener ZBZ durch
Dariusz Kosak (vorn links) und Roland Streuf (vorn rechts) ziehen mit der Ossfitec GmbH ins Wittener ZBZ ein. Dahinter, von links: Heiko Kubski, Aufsichtsratsvorsitzender des ZBZ, Ulrich Heinemann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Witten und ZBZ-Geschäftsführer Klaus Völkel.Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Ossfitek entwickelt Implantat für die Wirbelsäule, das sich im Körper auflöst. Patent ist angemeldet. Marktreif soll das Produkt in fünf Jahren sein.

Mit der Ossfitec GmH ist jetzt der Preisträger des „Wittener Gründerpreises Medizin“ des Jahres 2015 in das Zahnmedizinisch-Biowissenschaftliche Forschungs- und Entwicklungszentrum (ZBZ) eingezogen. Das Start-up als Medizinprodukthersteller will sich mit bioresorbierbaren Implantaten für die Hals- und Lendenwirbelsäule, die sich nach für bis sechs Jahren vollständig im Körper auflösen, im stark wachsenden Markt der Wirbelsäulen-Chirurgie platzieren.

Das dreiköpfige Gründerteam bilden Dariusz Kosak (47), der sich um Strategie und Vertrieb kümmern wird, der Arzt und Wirtschaftswissenschaftler Roland Streuf (45) und der Maschinenbauingenieur Martin Papst (48). Ihre „Erfindung“ – und ihre Geschäftsidee – dreht sich um die Fusion, also Versteifung von Teilen der Wirbelsäule. Wenn eine Bandscheibe verschlissen ist, kann sie durch einen etwa fingerkuppengroßen „Platzhalter“ ersetzt werden. Die beiden Wirbel wachsen dann durch natürliches Knochenwachstum zusammen.

Alternative zu Kunststoff und Titan

Solche „Platzhalter“ gibt es aus Kunststoff – dieser wächst aber angeblich nicht so gut ein. Oder aus Titan – das aber später bei bildgebenden Verfahren stört. Außerdem verbleibt jeweils ein Fremdkörper. Das von den Ossfitec-Gründern in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut entwickelte Material soll zugleich hohem Druck standhalten, nicht verrutschen und sich später vollständig auflösen.

„Es klingelt dann auch nicht, wenn man am Flughafen durch die Kontrolle geht“, sagt Roland Streuf. Der „synthetische Kochenersatzmaterial“ enthalte „alles, was der menschliche Körper auch hat – aber in der richtigen Mischung“.

Fünf Jahre bis zur Markreife

Das Patent auf den Werkstoff hat Ossfitec in diesen Tagen gerade angemeldet. Die Entwicklung ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Das Patenverfahren selbst könnte zwei Jahre dauern. Aber mit vier bis fünf Jahren rechnen Streuf und seine Partner bis zur Marktreife in Deutschland. Diese Zeit brauche man wohl für die weitere Erforschung des Materials, die Entwicklung eines Prototyps, für Tests (auch in Tierversuchen) und die Erlangung der Zulassung.

„Das verschlingt viel Geld“, weiß Streuf. Rund fünf Millionen Risikokapital will Ossfitec über ein Konsortium, Fonds oder andere Investoren einwerben. „Für ein Start-up ist die Frage enorm wichtig: Wie kommen Geld und Ideen zusammen?“ Auch in dieser Hinsicht setzten die drei Gründer ganz bewusst auf den Standort Witten und NRW.

Hohe Klinikdichte

Die hohe Klinikdichte in NRW, die Nähe zu großen medizintechnischen Unternehmen, zu Einrichtungen von Wissenschaft und Forschung und das Netzwerk an Kontakten, das das ZBZ bietet, waren für sie handfeste Argumente, sich gezielt für den „Wittener Gründerpreis Medizin“ zu bewerben.

ZBZ-Geschäftsführer Klaus Völkel versprach dem Gründerteam zu seinem Einzug, es nach Kräften bei der Unternehmensentwicklung zu unterstützen. Der Preisträger des Jahres 2014, der ein Diagnostiksystem für Biomarker aus dem Atem entwickeln wollten, war wegen fehlender Investoren gar nicht erst ins ZBZ eingezogen. Aber es gibt auch andere Beispiele: Der erste Gründerpreisträger – Elischa, 2009 – hat sich mittlerweile im Bereich der Mundhygieneprodukte für Bettlägerige auf dem Markt etabliert.

Wittener Gründerpreis Medizinwirtschaft

Der Gründerpreis Medizin ist ein Sonderpreis im Zuge des Businessplan-Wettbewerbes Medizinwirtschaft der Startbahn Ruhr GmbH und des Vereins Pro Ruhrgebiet. Er wird von Sparkasse Witten und ZBZ gestiftet, beinhaltet 3000 Euro Preisgeld, sechs Monate mietfreie Raumnutzung im ZBZ, kostenfreie Beratungsleistungen und Netzwerkzugänge.

Eine „Bedingung“ für den Preis ist die Bereitschaft des Siegers, ins ZBZ einzuziehen. Sparkassenvorstand Ulrich Heinemann: „Für Wittens Standortpolitik ist es wichtig, solche hochinnovativen Firmen nach Witten zu holen.“ Das ZBZ ist aktuell zu 72 % belegt, 49 % nimmt die Zahnklinik der Uni ein. Es gibt 15 Mieter mit rund 100 Beschäftigten.

Johannes Kopps

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Medizinpreisträger starten im Wittener ZBZ durch
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2016-02-10 10:00
Witten