Masern-Impfung in Witten wird ernst genommen

Ein Kinderarzt verabreicht eine Masernimpfung.  Im Ennepe-Ruhr-Kreis sind über 88 Prozent der Erstklässler 2014/15 gegen Masern geimpft
Ein Kinderarzt verabreicht eine Masernimpfung. Im Ennepe-Ruhr-Kreis sind über 88 Prozent der Erstklässler 2014/15 gegen Masern geimpft
Foto: picture-alliance/ dpa
Kinderärzte: Seit über 15 Jahren gab es keinen Masernfall mehr im Ennepe-Ruhr-Kreis. Eine Epidemie wie in Berlin sei „ziemlich unwahrscheinlich“

Witten..  In Berlin gibt es eine Masern-Epidemie. Seit Oktober haben sich dort mindestens 574 Menschen mit der Krankheit infiziert. In der vergangenen Woche starb ein Anderthalbjähriger. Der Junge war nicht gegen Masern geimpft. Wie wahrscheinlich ist es, dass sich die Masern auch in Witten verbreiten?

„Das ist ziemlich unwahrscheinlich“, glaubt Dr. Günter Wemhöner. Seine Einschätzung stützt der Wittener Kinder- und Jugendarzt auf Zweierlei: Erstens habe es seit mindestens 15 Jahren im Ennepe-Ruhr-Kreis keinen Fall von Masern mehr gegeben. Zweitens liege die „Durchimpfungsrate im Kreis momentan bei über 80 Prozent“.

Nicht alle werden zweimal geimpft

Das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen führt in seiner Statistik zur Schuleingangsuntersuchung sogar eine deutlich höhere Impfquote an: Für Witten hatte das Zentrum Einsicht in die Impfhefte von 674 Kindern, die im Schuljahr 2014/2015 eingeschult wurden. Diese zeigen: 634 Kinder wurden einmalig gegen Masern geimpft. Dies entspricht 94,1 Prozent. Zweimal geimpft wurden 534 Jungen und Mädchen, sprich 80,6 Prozent. Die Zahlen aus 2013/14 sind ähnlich: Von 651 Kindern wurden 608 (93,4 Prozent) einmalig gegen Masern geimpft, 532 Kinder (81,7 Prozent) auch ein weiteres Mal. Die ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut in Berlin empfiehlt, Kinder im 2. Lebensjahr zweimal gegen Masern impfen zu lassen, einmal zwischen dem elften und 14. Monat, ein weiteres Mal zwischen dem 15. und 23. Monat.

Auch in Wemhöners Kinderarztpraxis werden Kinder „fast immer geimpft. Da gibt es wirklich nur so zwei, drei Eltern, die das strikt ablehnen“, erklärt der Mediziner. Was er aber kritisiert ist, dass „das Nachimpfen von der Impfkommission nicht empfohlen wird“. Denn, so erklärt Wemhöner: Der Impfschutz halte zwölf bis 15 Jahre, danach müsse dieser aufgefrischt werden.

Die Kinder- und Jugendärztin Dr. Theodora Polichronidou glaubt auch, dass die Wittener „gut geimpft“ sind. Auch sie empfiehlt, Kinder zweimal gegen Masern impfen zu lassen. So rate es die Impfkommission, die die Impfempfehlungen ja daraus erstelle, „dass wir Ärzte meldepflichtige Krankheiten an das Gesundheitsamt weitergeben“. Günter Wemhöner würde es begrüßen, wenn man „Impfungen als differenziertes Problem betrachtet, das nicht mit Schema F zu erledigen ist“. Auch im Erwachsenenalter müsse man sich über die Notwendigkeit einer Auffrischung von Impfungen informieren.