Das aktuelle Wetter Witten 22°C
Serie: Was macht...?

Martin Geck beschert Musikfans Aha-Erlebnisse

13.03.2016 | 14:40 Uhr
Martin Geck beschert Musikfans Aha-Erlebnisse
Der Flügel bedeckt mit seinen Büchern. den Kopf voll neuer Ideen: Professor Martin Geck, der am 19. März 80 Jahre wird, kennt keinen Ruhestand.. Foto: Barbara Zabka

Witten.   Martin Gecks Komponisten-Biografien sind Bestseller. In seine Schulbücher nahm er Beatles-Songs auf. Der Professor spielt auch begeistert Tischtennis.

Eine Handvoll Hühner pickt sich über den Rasen des großen Gartens im Stockumer Tiefendorf, ein farbenprächtiger Hahn wacht eitel gockelnd über die Schar. Kaum weniger stolz schaut Richard Wagners Büste im Arbeitszimmer von Musikprofessor Martin Geck wachend herab.

Auf Flügel und Tisch des Nachbarraums liegen locker verteilt Bücher und Partituren, eine Korrespondenz zwischen dem Schüler Martin und seiner Mutter aus der Evakuierungszeit in Weltkriegstagen wartet gerade auf die Buchveröffentlichung. Und im Hintergrund wird eine Couch für die große Familienfeier zum 80. Geburtstag des international bekannten Musikwissenschaftlers die Treppe hinaufgewuchtet.

Alles im Hause Geck wirkt überaus lebendig, keine Spur von grauer (Musik-)Theorie. Diese Lebendigkeit, natürlich gepaart mit großem Fachwissen, ist es wohl auch, die Professor Gecks Bücher zu internationalen Bestsellern macht. 25 Werke hat er geschrieben, dazu ein gutes Dutzend Schulbücher verfasst. Geck ist in 15 Sprachen übersetzt, die Auflagen gehen in die Hunderttausende. Mehrfach bekam er Literaturpreise, seine Mozart-Biografie erklomm die „Spiegel“-Bestsellerliste.

„Ich möchte die Leser nicht einschüchtern, will sie auch nicht romanhaft unterhalten, sondern auf die Musik neugierig machen“, sagt er. Als Versuch, Musik, Gesellschaft und Hörerfahrung in ein „empfindliches Gleichgewicht“ zu bringen, beschreibt er sein Konzept. „Ich freue mich, bei Lesern ein Aha-Erlebnis hervorzurufen.“

Martin Geck um 1979 unterwegs im Langendreer Holz. Mit seiner Blaskapelle „Querstand“ kämpte er gegen das Abholzen des Waldstücks an Wittens Grenze..Repro: Barbara Zabka

Kein Wunder, dass der im Diakonissen-Hospital geborene Wittener sturen Akademismus ablehnt. Nach dem Studium der Musik, evangelischen Theologie und Philosophie in Münster, Kiel und Berlin wurde er schließlich in München erster Redakteur der Wagner-Gesamtausgabe. „700 000 Notenköpfe, unter anderem der Ersthandschrift, der Reinschrift und dem Erstdruck von Partituren zu vergleichen, war zwar erst interessant, aber dann fand ich’s öde“, gesteht Martin Geck ein.

„Ich will diese gesellschaftlich überflüssige Sache nicht mehr machen“, habe er sich damals gesagt und wechselte dann zum Klett-Verlag. Seine Musikschulbücher wurden auch deshalb so erfolgreich, „weil ich mich nicht scheute, Songs der Beatles darin aufzunehmen, was damals ein Tabu war, oder des kritischen Liedermachers Hannes Wader.“ Mit dem war der Wittener auch befreundet, war mit ihm im Studio, um die CDs seiner preisgekrönten Kinderschallplattenreihe „Professor Jeck“ aufzunehmen. Franz Degenhardt dagegen war zu kommunistisch. „Die Gutachter hätten nie erlaubt, seine Lieder im Unterricht singen zu lassen“, meint Martin Geck amüsiert im Rückblick. Immerhin war er selbst in jener Zeit sehr engagiert.

Interview
Martin Geck ist ein Wanderer in der Welt der Musik

Professor Martin Geck ist Musikwissenschaftler, Universalgelehrter alter Schule – und jetzt feiert er seinen 80. Geburtstag. Ein Gespräch über das...

Nach dem Start seiner Professoren-Karriere für Musikwissenschaft und -erziehung an der TU Dortmund 1976 gründete er in Witten zwei Jahre später die Blaskapelle „Querstand“, mit der er auf Friedens-Demos und Anti-Atomkraft-Protestzügen unterwegs war.

Fast jeden Abend spielt er „Der Mond ist aufgegangen“

„Wir haben damals auch gegen das Abholzen des Langendreer Waldes an der Stadtgrenze zu Witten protestiert. Und um den sturen Abgeordneten der Stadt Bochum, der dort die Oberaufsicht hatte, zu provozieren, haben wir ,Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm gespielt’“, erinnert er sich schmunzelnd. Heute spielt er fast jeden Abend „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius, über den er ebenfalls ein Buch geschrieben hat. „Es ist viel Fleiß dahinter“, sagt Martin Geck über sein Lebenswerk und bis heute beachtliches Arbeitspensum. Und fügt, auch im Hinblick auf seine mit 80 Jahren noch erfreuliche Gesundheit, nachdenklich hinzu: „Es ist aber auch eine Gnade.“

Seit 1979 wohnt er mit seiner Familie und Mietern, „die aber eher Freunde sind“, in einem gemütlich umgebauten großen Haus, das früher Dorf-Kneipe war, im Stockumer Bruch. Neben dem Claudius-„Mond“ spielt Geck noch etwas regelmäßig: „Tischtennis. Seit vielen Jahren, jeden Donnerstag im Evangelischen Jugendclub Huckarde. Wir sind noch vier Senioren.“ Daraus müsste Martin Geck eigentlich einen seiner trefflichen Liedtext-Reime machen, mit denen ganze Generationen von jungen Musikschülern aufwuchsen.

Konzerthaus Dortmund ehrt Prof. Martin Geck mit einer Veranstaltung

Zum 80. Geburtstag von Prof. Martin Geck am 19. März wird im Dortmunder Konzerthaus am 4. April um 11 Uhr eine Ehren-Veranstaltung stattfinden, die natürlich auch für Wittener Musikfreunde zugänglich ist. An einem Text von Martin Geck über Beethovens Sinfonien diskutierten Experten darüber, wie und warum man über Musik redet und was man sich davon verspricht. „Die Skala reicht ja von der knochentrockenen Fachanalyse bis zum romanhaften Schwätzen“, so der Wittener.

Sein Impuls-Text wird gelesen von seinem Schwager Daniel Werner, bekannt als Sprecher von Kochsendungen wie „Das perfekte Dinner“ und „Promi-Dinner“. Die Diskutierenden sind u. a. die FAZ-Musikjournalistin Eleonore Büning, der Philosoph Josef Früchtl aus Amsterdam und Peter Gülke, viele Jahre Orchesterchef in Wuppertal. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist kostenlos. Anmeldungen unter Tel. 0231/22696200.

Michael Vaupel

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Rotary-Oldtimer-Ralley
Bildgalerie
Witten
Attila & Co erobern Witten
Bildgalerie
Fotostrecke
Wittener Täuflinge
Bildgalerie
Kirche
Schwerer Unfall auf  A 44
Bildgalerie
Fotostrecke
article
11646886
Martin Geck beschert Musikfans Aha-Erlebnisse
Martin Geck beschert Musikfans Aha-Erlebnisse
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/witten/martin-geck-beschert-musikfans-aha-erlebnisse-id11646886.html
2016-03-13 14:40
Witten