Manni geht seinen Weg
14.10.2011 | 18:36 Uhr 2011-10-14T18:36:00+0200
Witten.Manni geht seinen Weg. Er macht’s auf seine Weise.
Dazu passt der Song, der Frank Sinatra weltberühmt gemacht hat und den Manfred Schulz (48) gerade mit tiefer Stimme im „Treff“ vor lauter Jugendlichen singt. „I did it my way!“ Ein Casting mit Halbwüchsigen, Manni ist sich dafür nicht zu schade. DJ, Entertainer, arbeitslos - die Geschichte von Manni klingt für manche vielleicht traurig, aber er selbst sagt von sich: „Ich bin ein Kämpfer.“
Groß ist er, der Ur-Wittener , dem man oft auf der Bahnhofstraße begegnet. An diesem Freitagmorgen trägt er eine dunkle Wolljacke, rosa Hemd und sein blaues Käppi. Manni riecht nach Tabak, er ist ein starker Raucher. „Nicht gut für die Stimme“, sagt er. Aber ohne die Selbstgedrehten kann er schlecht. Sonst gönnt er sich nicht viel. Spaghetti, mal ‘ne Dose, manchmal isst er auch bei seiner Mutter. Sie kocht dann was Frisches.
Manni versucht, seinem Tag eine Struktur zu geben, geht in die Stadt, wo er immer einen Bekannten trifft, und liest am Aushang auf der unteren Bahnhofstraße die Zeitung, die er sich selbst nicht leisten kann. „Große Sprünge sind nicht drin“, sagt Manni, der seit 2005 von Hartz IV lebt und auch in den Jahren davor immer mal wieder arbeitslos war. Aber er brauche nicht viel, sagt Manfred Schulz. Er möchte nur geschätzt werden - als Mensch und Sänger.
Manni kommt aus bescheidenen Verhältnissen. Fünf Kinder waren sie zu Hause, der Vater Arbeiter bei Thyssen Rheinstahl in Annen. Manni machte Realschule und lernte beim Kolpingwerk in Volmarstein Holzmechaniker. Doch weil er die komplizierten Zeichnungen nicht lesen konnte und ihm das räumliche Vorstellungsvermögen fehlte, brach er die Lehre ab. „Seitdem habe ich mich als Hilfsarbeiter durchgeschlagen.“
Manni schleppte Steine auf dem Bau, machte Sportplätze sauber, hatte Ein-Euro-Jobs und früher noch die so genannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM). Manchmal hoffte er auf eine Übernahme, etwa bei der Werkstadt, und dann wurde trotz „lauter Einsplus“ im Zeugnis am Ende doch nichts draus.
Manni würde gerne in einem Kulturzentrum arbeiten, wo er sich nicht zu schade wäre, die Halle zu fegen, aber auch gern sein künstlerisches Können unter Beweis stellen würde. „Ich glaube, ich habe zu wenig aus meinem Talent gemacht und zu spät damit angefangen.“ Manni singt zwar schon seit seinem zwölften Lebensjahr. Doch aus dem Schulchor an der Otto-Schott-Realschule flog er raus, weil seine Stimme zu tief war.
Heute hat er sie alle drauf, ob es die Welterfolge eines Frank Sinatras sind, oder die Kulthits der Siebziger oder die Seemannslieder eines Hans Albers oder Freddy Quinn. Als er 2003 vor 300 Leuten im Kulturbahnhof Langendreer „My Way“ und „New, New York“ zum Besten gab, bekam er eine Goldene Schallplatte - „weil ich eine so gute Stimme hatte“. In der Werkstadt legte er als DJ in der Oldie-Disco auf und begründete die „Hartz-IV-Disco“ mit Getränken und Eintritt für jeweils 1,50 Euro.
Heute träumt Manfred Schulz davon, einmal im Saalbau vor großem Publikum und der Bürgermeisterin aufzutreten. „Ich brauch ‘ne Chance“, sagt Manni, der alleine lebt. „Ich träum von der Liebe“, das singt er nur in „17 Jahr, blondes Haar.“
Dann nimmt Manfred Schulz seine Bewerbungsmappe - „DJ, Sänger und Entertainer Manni“ - und macht sich wieder auf seinen Weg. „Wer was kann“, sagt er, „setzt sich irgendwann auch durch.“
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