Mann rast mit Vollgas auf Nachbarn zu
10.11.2011 | 11:32 Uhr 2011-11-10T11:32:00+0100
Die Bewohner des Kälberwegs leben in Angst vor einem Nachbarn: Erst raste er mit seinem Benz auf einen 62-Jährigen zu, dann mit Vollgas auf dessen Enkel.
Die Bewohner des Kälberwegs leben in Angst vor einem Nachbarn: Erst raste er mit seinem Benz auf einen 62-Jährigen zu, dann mit Vollgas auf dessen Enkel. Nun beschäftigte sich das Wittener Amtsgericht dem 56-Jährigen. Es verurteilte ihn zu 18 Monaten auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft wollte den rasenden Rowdy ganz ausbremsen und hatte eine Haftstrafe gefordert.
Der 56-jährige Elektriker war schon lange dafür bekannt, dass er oft unter Strom steht. Vor den Raser-Attacken fühlten sich Anwohner durch laute Pöbeleien gestört. „Er dreht immer dann die Musik laut, wenn wir schlafen wollen“, sagt ein leidgeprüfter Nachbar vor Gericht. Der Angeklagte soll sogar mit einem Beil durch das Mehrfamilienhaus stolziert sein und mit einer Taschenlampe in die Wohnungen geleuchtet haben. Wenn es nur bei diesen üblen „Scherzen“ geblieben wäre.
Ein Elfjähriger erinnert sich genau an den Moment, als das Spielen vor der Haustür beinahe tödlich endete. „Plötzlich quietschten die Reifen“, das Auto des Angeklagten sei die Straße heruntergeschossen gekommen. „Er hielt direkt mit Vollgas auf mich zu“, erinnert sich der Schüler. „Ich konnte gerade noch zur Seite springen.“ Ein Nachbar, der den Vorfall beobachtet hatte, sagt: „Er hätte den Jungen fast totgefahren.“ Kein Einzelfall.
Auch dem Opa des Elfjährigen sitzt der Schock noch in den Gliedern – auch er wurde beinahe von dem rasenden Nachbarn überfahren. Im Kälberweg, in dem die Autos eigentlich Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen, habe der Angeklagte „alles rausgeholt, was der Motor hergab“, so der 62-jährige Rohrnetzbauer. Erst im letzten Augenblick habe dieser das Lenkrad herumgerissen, sei dadurch in einem angrenzenden Grundstück gelandet. „Hätte da jemand gestanden – keine Chance.“
Dass er offensichtlich immer dann rasend reagiert, wenn seine Nachbarn vor seiner Motorhaube auftauchen, erklärte der 56-Jährige medizinisch. „Ich hatte einen Krampf im Bein. Da muss ich wohl zu sehr aufs Gaspedal getreten haben.“ Und überhaupt: „Als ehemaliger Sicherheitsmann habe ich täglich mein Leben für andere aufs Spiel gesetzt.“ Da würde er doch jetzt nicht das anderer aufs Spiel setzen.
Dass er mit seinen Nachbarn nicht so ganz zurecht komme, räumte er dann doch ein. „Ich habe das Gefühl, die wollen mich hier rausekeln.“ Einer der Anwohner habe ihm sogar Schläge angedroht. Nun sei der Kälberweg für ihn Geschichte, seine Eigentumswohnung wolle er verkaufen. Ein Umzug, der seine Nachbarn freuen dürfte.
INFO
Der 56-Jährige fuhr nicht nur schnell, sondern auch „angeheitert“: Die Polizei erwischte ihn mit zwei Pomille am Steuer – Führerschein weg. Nicht nur das: Nachdem Nachbarn die Polizei riefen, weil sie sich in ihrer Nachtruhe gestört fühlten, pöbelte der Raser die Beamten an, beleidigte sie als „Stinkbullen“. Auf der Wache demolierte er eine Zellentür. Zu viel für das Gericht: Neben der Bewährungsstrafe verhängte es als Auflagen Sozialstunden und eine Alkoholtherapie.
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