Manege frei für viele Träume
23.08.2009 | 19:06 Uhr 2009-08-23T19:06:00+0200
Aufgeregtes Treiben herrschte hinter dem Zelt. Artisten und Clowns sprachen – wie bei einem professionellen Zirkus – ein letztes Mal den Ablauf der Show durch. Nur mit dem Unterschied, dass im Zelt auf dem Gelände der Lebenshilfe keine Profis in der Manege waren.
Die Hauptdarsteller waren Angestellte der Firma Draco und Bewohner und Arbeiter der Lebenshilfe Witten. Das Ergebnis des integrativen Projekts „Zirkus Fantasia – Träume leben” zwischen Menschen mit und ohne Behinderung haben sie eine Woche vorbereitet. „Es war ein sehr schönes Arbeiten. Alle waren intensiv und konzentriert bei der Sache”, sagt Edgar Hedergott (52) von der Freien Päda- gogischen Initiative Unna. Als Verantwortlicher hatte er mit seinem Team die Fäden in der Hand und ein Auge auf die Proben. Zusammen stellten die Beteiligten das 90-minütige Programm auf die Beine.
Der Inhalt ist schnell erzählt: Zwei Clowns kommen in eine neue Stadt und bewerben sich beim örtlichen Zirkus. Dort zeigt ihnen der Direktor, gespielt von Marc (21) von der Lebenshilfe, welche Kunststücke es alle gibt. „Das war echt cool. Mal 'was anderes”, freut sich Marc. Er hatte viel Text auswendig zu lernen, trotz Lampenfiebers gab es beim Auftritt jedoch keine Aussetzer.
Hedergott und sein Team ließen die ca. 100 Beteiligten selbst entscheiden, was sie spielen wollten. Die Vorstellung der möglichen Rollen fand Dr. Dieter König, Geschäftsführer der Lebenshilfe, super. „Das sind schon grandiose Leute von der Freien Initiative. Sie haben uns nicht alles theoretisch erklärt, sondern jede Nummer vorgespielt.”
Für die Freie Pädagogische Initiative Unna war die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe und einer Firma Neuland, doch in Witten ist das Team um Edgar Hedergott bekannt. Oft ist die Initiative mit einem Zirkusprojekt in Schulen zu Gast. Nächstes Jahr gibt es ein Wiedersehen zum 50. Geburtstag der Lebenshilfe.
König war selbst Teil der Show. Mit neonfarbenen Ringen, Tüchern und Bällen begeisterte er im Schwarzlichttheater die Zuschauer. Bei jeder Nummer vollführten Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam Kunststücke. Von Draco waren sprichwörtlich vom Chef bis zum Lagerarbeiter alle mit an Bord. Olaf Athorsen (52) zum Beispiel arbeitet sonst im Kundenservice und führte am Samstag Zaubertricks vor: „Die Reaktionen während der Proben waren schon super. Alle sind richtig mitgegangen.”
Im zweiten Teil sahen die rund 300 Zuschauer dann sogar Menschen, die trotz ihres Handicaps am Trapez turnten. Auch Gefährliches war mit dabei. Das Liegen und Gehen auf oder über Glasscherben oder die Entspannung auf dem Nagelbett – das war nichts für schwache Gemüter. Eines steht fest: Alle werden dieses einzigartige Projekt lange in Erinnerung behalten. Dafür sorgen auch die eigens produzierten T-Shirts.
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