„Manche fahren wie die Geisteskranken“

Viele Wanderwege im Muttental sind derzeit kaum begehbar sind -  Schuld sind wohl unter anderem Mountainbiker
Viele Wanderwege im Muttental sind derzeit kaum begehbar sind - Schuld sind wohl unter anderem Mountainbiker
Foto: FUNKE Foto Service
Bei Mountainbikern wird Witten immer beliebter. Unter der häufigen Nutzung leiden die Waldwege. Diese werden nicht nur durch Radfahrer aufgewühlt.

Witten..  Das bundesweit erscheinende „Mountainbike-Magazin“ empfiehlt – samt GPS-Daten – das Wittener Muttental als Top-Tour. Die Folge: Immer mehr Sportler pflügen auf Stollenreifen durch die Wittener Wälder und hinterlassen hoffnungslos zermatschte Pfade.

Als Beispiel mag hier der Wanderweg von Schloss Steinhausen hinunter zum Bethaus der Bergleute gelten: Die Reifenabdrücke haben sich so sehr in die Erde gegraben, dass man dort kaum gehen kann. „Das ist ein immer größeres Problem“, sagt Uwe Kühn, der für das Stadtmarketing Outdoor-Aktionen anbietet, etwa das Geocaching. Deutlicher äußert sich Karl Ackermann, der als Ehrenamtlicher viel Zeit im „Zechenhaus Herberholz“ verbringt: „Manche fahren hier wie die Geisteskranken. Die nehmen sogar die gemauerten Stollenmundlöcher als Sprungschanze.“ Wenn Biker querfeldein fahren, würden Tiere aufgeschreckt und der Bewuchs zerstört.

Einig ist man sich aber, dass es mit der Mountainbikeschule „Bikeride“, angesiedelt auf Schloss Steinhausen, sowie vielen heimischen Fahrern keine Probleme gebe. Ackermann: „Das sind die, die grüßen.“

Philip Lehmann, Unternehmer und Kopf des Vereins „Happy Trail Friends“, beschreibt die Situation in einem früheren Interview: „Es kommen vermehrt Gruppen von Mountainbikern von auswärts. Einerseits spricht das für Witten und sein Freizeitpotenzial, andererseits haben wir ein Problem damit, weil die über Privatgelände fahren und sich nicht an Regeln und mit uns getroffene Vereinbarungen halten.“

Wittens bekanntester Mountainbike-Trail zwischen dem Restaurant „Zur Alten Tür“ in Bommern und der Burgruine Hardenstein ist seit über einem Jahr zerstört – seit der Bergbaukonzern RAG dort alte Bergbauschächte auffüllen musste und ein Teil der Strecke noch immer wegen Bergbauschäden gesperrt ist.

Weichen seitdem mehr Biker ins Muttental aus? „Nein“, findet Mountainbiker Dennis (30). „Das Muttental war schon immer total beliebt. Und es ist auch schon immer schlammig und sumpfig.“ Timo (37), der die Strecke gerne fährt, sagt: „Mountainbiker werden halt schnell verantwortlich gemacht. Aber bei dem Regen ist es nun mal matschig. Wir fahren doch nicht mit dem Motorrad da lang.“ Auch viele Reiter würden mit ihren Pferden die Wege nutzen. „Wir Mountainbiker machen wenigstens nicht überall hin.“