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Serie: Kultkneipen

Man kennt sich im Klimbim

06.02.2012 | 16:16 Uhr
Man kennt sich im Klimbim
Das „Klimbim“ an der Wiesenstraße wird von vielen Gästen schon seit Jahrzehnten aufgesucht. Foto: Stefan Arend / WAZ Fotopool

Witten.Seit 32 Jahren hat sich kaum etwas verändert in der Kneipe an der Wiesenstraße. Was für viele Bars das Todesurteil bedeuten würde, zeichnet das „Klimbim“ erst aus. Dass die meisten Gäste sich hier duzen, gehört einfach dazu. Schließlich kennt man sich schon seit Jahren.

Bronzene Kronleuchter an der Decke, die im Gotikstil von dunkelgrünen Bögen geprägt ist und an den Wänden hängen Bilder, die man aufgrund ihrer gebrauchten Optik heutzutage in keiner anderen Kneipe finden würde. Vieles im „Klimbim“ erinnert an die 80er Jahre, was nicht weiter verwundert, denn schließlich hat sich seitdem an der Einrichtung nichts geändert.

Vor zehn Jahren führte man eine Speisekarte mit italienischer Küche ein, zwei Flachbildschirme übertragen an jedem Wochenende Bundesligaspiele und die Kneipe musste sich wegen dem Rauchverbot in zwei Teile splitten. „Ansonsten hat sich nichts geändert. Das macht den Laden aber einfach aus“, meint Besitzer Dominik Sapia (41).

Markus Wehner (39), der die Kneipe seit 25 Jahren aufsucht, lebt seit einigen Jahren auf Sylt. Sein erster Weg, wenn er einmal im Monat in Witten ist, führt ihn in sein Stammlokal. „Ich fahre von der Autobahn und als nächstes biege ich hier ein, um einen Kaffee zu trinken.“ Demnächst zieht er zurück in seine alte Heimat. Dann möchte er wieder öfters in seine Stammkneipe kommen. Vor allem das Wiedertreffen mit alten Bekannten freut den 39-Jährigen regelmäßig. „Am Morgen des Heiligabend ist das Klimbim immer gerappelt voll. Dann kommen alle Leute, die aus Witten einmal weggezogen sind und ihre Eltern besuchen, zum Frühschoppen in die Kneipe und man kann mal wieder richtig lange quatschen.“

Der Vater von Dominik Sapia übernahm vor drei Jahrzehnten die Kneipe. Dadurch ist der 41-Jährige in der Bar groß geworden. Nach seinem Zivildienst stieg er mit 22 Jahren in die Kneipe mit ein. Obwohl er viel Spaß an seiner Arbeit hinter der Theke hat, bleibt es für den leidenschaftlichen Musiker mit eigener Band genau das: ein Job. „Diesen möchte ich allerdings nicht mehr hergeben.“ Seine Gäste möchte er ebenfalls nicht missen. Zu den meisten hegt er mittlerweile eine innige Freundschaft.

Simone Glittenberg (41) sitzt oft gemeinsam mit Markus Wehner an der Theke und trinkt ihr kühles Blondes. Die beiden kennen sich schon seit Jugendzeiten und treffen sich meistens in ihrem „Wohnzimmer“, wie die 41-Jährige das „Bim“ liebevoll bezeichnet. „Wir müssen uns noch nicht einmal verabreden. Meistens treffen wir uns völlig zufällig hier“, so Glittenberg. Ok, so zufällig nun auch wieder nicht. Schließlich kommt Simone Glittenberg fast jeden Freitagabend hierher - und das schon seit sie 16 ist. „Man bleibt nie lange alleine, wenn man sich hinsetzt. Die Gäste kennen sich untereinander. Das ist wie eine Familie.“

Nicht nur Urgesteine trifft man in der Kneipe, sondern auch viele junge Leute wie Studenten der Uni Witten/ Herdecke. Kellnerin Kathrin Brommer (30) ist seit zehn Jahren Gast des Klimbims und seit einem Jahr hinter der Theke aktiv. Schlägereien habe sie nie miterlebt, selbst zu den Derbys zwischen Dortmund und Schalke nicht. „Klar werden auch Sprüche geklopft, aber nie böse gemeint.“

Im Klimbim bleibt man nicht lange allein. Denn jeder neue Gast in der „Familie“ ist willkommen.

Franziska Bombach

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Kommentare
08.02.2012
21:41
das endgültige Totalrauchverbot
von Ende | #3

Wenn das endgültige, grüne Totalrauchverbot kommt wird auch dieses Treiben bald ein Ende haben.

07.02.2012
16:14
Man kennt sich im Klimbim
von watnfreund | #2

"wegen dem Rauchverbot", "Will wieder öfters kommen" - boah ey, lernt erst mal Deutsch!!!!

06.02.2012
12:57
Man kennt sich im Klimbim
von Peter.Pass | #1

Schön, dass es eine derartige Kultur in Witten auch noch gibt. Irgendwie führt das "Klimbim" die alte "Dixie-Club"-Tradition fort: Mensch geht GERNE hin, trifft Leute und findet sehr fix sowas wie eine "Heimat" unter Gleichgesinnten.Da ist der (gemeine) Mensch noch pur, weil er es sein kann und darf und erst recht SOLL!
Nix mit "Szene", nix mit "Bussi-Gesellschaft", nein.... Treffen unter Freunden, MIT Freunden und Gemütlichkeit, wie sie in der Jetzt-Zeit auszustreben droht.
Alle Daumen hoch für Leute, die einen derartigen Laden mit Herzblut weiterbetreiben, obwohl eine Szenegastronomie sicherlich kommerziell erfolgreicher wäre. Hochachtung !!!!!!

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