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Make-up fürs Eigenheim

24.09.2010 | 12:55 Uhr
Make-up fürs Eigenheim
Wiebke Knoop ist „Homestagerin“ Sie bietet Immobilienbesitzern das „Chicmachen“ ihrer Wohnungen oder Häuser an.. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Witten.Wer sich in Dekoabteilungen von Möbelhäusern nicht zurückhalten kann, muss Wiebke Knoops Beruf für das Paradies halten. Denn die 39-jährige Innenarchitektin hat sich mit „Homestaging“ selbstständig gemacht.

Und um Häuser und Wohnungen für ihre Kunden aufzuhübschen, verbringt sie Stunden in Möbelhäusern.


„Homestaging“ ist für deutsche Ohren noch ein ziemlich unbekannter Begriff. In den USA oder in Großbritannien aber ist diese Profession weit verbreitet. Wer dort ein Haus oder eine Wohnung verkaufen und das nicht auf eigene Faust tun möchte, engagiert einen Makler. Und der wiederum nutzt das Können eines „Homestaging“-Experten, der mit einem neuen Anstrich, schicken Möbeln oder schöner Dekoration die Schokoladenseiten des Objektes herausarbeitet. „Eine Immobilie verkauft sich dann nicht unbedingt für mehr Geld“, erklärt Wiebke Knoop. „Aber auf jeden Fall schneller.“

Mit ihrem Konzept hat die Wittenerin im letzten Jahr den Existenzgründerwettbewerb gewonnen, Rolf Ostermann wurde ihr Pate, der sie auch heute noch unterstützt. Von Hause aus ist die 39-Jährige Innenarchitektin, hat zehn Jahre mit ihrem Vater zusammen gearbeitet. Als sich vor zwei Jahren das Haus der Schwiegermutter schlecht verkaufte, wurde sie auf „Homestaging“ aufmerksam. Sie informierte sich, machte ein Praktikum bei einer erfahrenen „Homestagerin“ in Bremen und wagte dann den Sprung in die Selbstständigkeit.

Zurück zur Dekoabteilung: Wir wandern zwischen bunten Kerzen, edlem Porzellan, lebensechten Stoffblumen und Vasen in allen Formen und Farben herum. Mit geübtem Blick greift Wiebke Knoop nach einem Tablett, einer Vase und Kerzen – alles in aubergine. Edel sollen alle Dekoartikel anmuten, denn die Wohnung, der sie momentan ein Make-up verpasst, ist ein hochwertiges 90-Quadratmeter-Objekt in Stiepel mit Blick aufs Kloster. Und aubergine passt auch zum Herbst. Mit dabei hat die 39-Jährige immer ein Farbspektrum, das ein dunkles Grün als Komplementärfarbe zu aubergine ausweist, und ihre Skizzen zur Wohnung.

Doch bevor sie eine Wohnung dekoriert, gibt es eine Menge Arbeit. Zunächst müssen die alten Möbel raus – vor allem, wenn sie nicht mehr zeitgemäß sind. Auch alles Persönliche muss weichen, denn wer eine Wohnung oder ein Haus besichtigt, möchte nicht das Gefühl haben, in die Intimsphäre Fremder zu schauen. Dann werden die Innenräume gestrichen, denn nur helle Räume wirken auch groß. Es folgen Möbel und Deko, die möglichst einem breiten Geschmack entsprechen sollten, und – ganz wichtig – Lampen. Die potenziellen Käufer sollen sich wohlfühlen können. Und sich vorstellen können, wie dieses Objekt mit ihren Möbeln aussieht – das ist leichter, wenn dort auch Möbel stehen. „Wenn man ein Auto verkauft, präsentiert man es ja auch nicht einfach so“, erklärt Wiebke Knoop. „Man fährt in die Waschstraße, saugt die Krümel raus und räumt auf.“

Ist das Objekt dann verkauft, räumt die „Homestagerin“ Möbel und Deko wieder raus und bringt sie in ihr Lager, bis sie in dieser oder einer ganz anderen Zusammenstellung für eine andere Immobilie wieder gebraucht werden.

Für ihre Arbeit nimmt sie ein bis zwei Prozent des Verkaufspreises, je nach Absprache mit dem Verkäufer. Und sie hat gut zu tun, ein Jahr nach ihrer Existenzgründung, sagt sie. „Es läuft im Moment so gut, dass ich noch Leute anstellen könnte. Man merkt, da ist richtiges Potenzial drin.“

Nebenbei gehört sie auch zum Vorstand der neu gegründeten Deutschen Gesellschaft für Homestaging und Redesign (DGHR). Wenn Leute ihre Wohnung umgestalten wollen, aber sich nicht komplett neu einrichten möchten, kommt ein Redisigner und macht durch Umgestaltung das Beste aus dem, was da ist. Auch so etwas, was Wiebke Knoop fasziniert. Doch ihr Blick ist schon wieder professionell gefangen. Die Lampenabteilung ruft.

Claudia Scholz

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