Linke will das Wittener Rathaus erobern

Eine strahlende linke Kandidatin: Ulla Weiß vor dem Wittener Rathaus. Die 54-Jährige ist gelernte Krankenschwester und Sozialwissenschaftlerin. Im Verein „Viadukt“ arbeitet sie mit psychisch kranken Senioren.Foto: Walter Fischer / Funke Foto Services
Eine strahlende linke Kandidatin: Ulla Weiß vor dem Wittener Rathaus. Die 54-Jährige ist gelernte Krankenschwester und Sozialwissenschaftlerin. Im Verein „Viadukt“ arbeitet sie mit psychisch kranken Senioren.Foto: Walter Fischer / Funke Foto Services
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Was wir bereits wissen
Ulla Weiß ist die Bürgermeisterkandidatin der Linken. Die 54-Jährige macht seit Jahren Kommunalpolitik. Soziales und die Umwelt sind ihr wichtig.

Witten..  Die Linke hatte lange gezögert, einen eigenen Kandidaten ins Rennen um das Bürgermeisteramt zu schicken. Umso überraschter war man, als es hieß: Ulla Weiß, die Fraktionsvorsitzende im Rat, soll es machen. Die Parteimitglieder hatten die 54-Jährige auf ihrer Ortsmitgliederversammlung am 8. Mai gewählt. Weiß betont, dass sie sich vor allem für die sozialen Belange in der Stadt stark machen möchte. Und für das Thema Umwelt. Schließlich war Weiß bis zu ihrem Wechsel zu den Linken 2011 vorher 23 Jahre Mitglied der Grünen.

Warum hat ihre Partei so lange mit der Kandidatenkür gewartet? Die Politikerin lächelt. „Es gab Kollegen, die sagten, wir können auch mit einer Kandidatin Sonja Leidemann leben. In der Fraktion gab es aber Stimmen, die es wichtig finden, dass wir als Partei im Aufbau unser Profil verbessern. Wir wollen uns dauerhaft in der politischen Landschaft etablieren.“

Ulla Weiß ist dafür nach Ansicht der Linken die Richtige. Die gelernte Krankenschwester und Sozialwissenschaftlerin, die beim Verein „Viadukt“ mit psychisch kranken Senioren arbeitet, kennt das Politikgeschäft seit Jahrzehnten, sozusagen von innen. 1988 trat die gebürtige Wittenerin den Grünen bei. Von 2000 bis 2011 war sie deren Fraktionsgeschäftsführerin im Kreis, von 2004 bis 2011 saß sie selbst für die Öko-Partei im Kreistag, bevor sie dann bis 2014 für die Linken die Bank im Kreistag drückte.

Grüne haben sich bei ökologischen Themen nicht mehr klar positioniert

Ulla Weiß, die bei Ratsdebatten stets einen unaufgeregten Eindruck macht, hat sich von den Grünen abgewendet, weil diese sich bei ökologischen Themen nicht mehr klar genug positioniert hätten. „2010 haben sich die Grünen etwa noch nicht eindeutig gegen die Risikotechnologie Fracking ausgesprochen, auch nicht gegen den Neubau von Kohlekraftwerken.“

19 Jahre war Ulla Weiß Sachkundige Bürgerin in der Landschaftsversammlung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Das Gremium verabschiedet unter anderem den Haushalt des Landschaftsverbandes. Die Wittenerin engagierte sich dort für die Umwelt, für Soziales, die Kultur und die Finanzen. Von 2004 bis 2009 saß sie für die Grünen auch im Regionalrat in Arnsberg. „Dort wurden damals für den Regierungsbezirk Regionalpläne erstellt, etwa zur Straßenplanung, zu großen Gewerbegebieten, zur Kulturförderung.“

Stadt wird aus eigener Kraft nicht mehr schuldenfrei

Als Bürgermeisterin müsste Weiß eine Verwaltung führen. Traut sie sich das zu? „Ja, ich habe mich lange mit kommunalpolitischen Themen auseinandergesetzt.“ Thema Umwelt: Da würde sie sich unter anderem für ein noch grüneres Witten stark machen. „Für mehr Straßengrün, mehr grüne Hausfassaden.“ Eine „noch transparentere Demokratie“ liegt der 54-Jährigen ebenfalls am Herzen. Was sie darunter versteht? „Man könnte die Ratssitzungen im Internet übertragen. Aber der Vorschlag wurde leider abgelehnt.“

Thema Soziales: Mehr und schönere Spiel- und Sportplätze sind der Kandidatin wichtig. „Wir müssen in der Stadt auch Freiflächen erhalten, nicht alles bebauen, damit Menschen sich bewegen, Kinder unbeschwert spielen können.“ Mehr Kitaplätze für unter Dreijährige seien notwendig, auch mehr Angebote für Senioren. „In Witten leben viele einsame alte Menschen. Das bekomme ich auch bei meiner Arbeit im Verein Viadukt mit.“

Die hochverschuldete Stadt, betont Weiß, werde ihrer Ansicht nach aus eigener Kraft nie mehr schuldenfrei. „Das muss auf Landes- und Bundesebene gelöst werden, mit so etwas wie einem Schuldenschnitt.“