Lieblingsroute verbindet Esel und Ruhrtalradweg

Natur satt: Die Ruhr bei Wengern, nur wenige Schritte sind’s vom Radweg bis zu dieser Stelle. Auf der Kombi-Tour gibt es zahlreiche schöne Stellen, an denen man eine Pause einlegen kann.Foto:Thomas Nitsche
Natur satt: Die Ruhr bei Wengern, nur wenige Schritte sind’s vom Radweg bis zu dieser Stelle. Auf der Kombi-Tour gibt es zahlreiche schöne Stellen, an denen man eine Pause einlegen kann.Foto:Thomas Nitsche
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Was wir bereits wissen
Wer sich nicht entscheiden kann, sollte mal die Kombi-Route ausprobieren. WAZ-Redakteur stellt Rundkurs vor. Etwas Kleingeld sollt man mitnehmen.

Witten.. Viele Wittener halten den Rheinischen Esel für den besten Radweg. Noch beliebter ist der Ruhrtalradweg. Warum sollte man die beiden nicht einfach zu einem Rundkurs kombinieren? Darf ich bitten: Heute lade ich Sie zu einer Runde auf meiner Lieblingstour ein!

„Einsteigen“ können Sie überall, so ist das bei einer Runde. Und Sie brauchen kein großes Marschgepäck, denn diese kleine Tour strampeln Sie locker an einem Vormittag, Nachmittag oder Abend weg. Versprochen! Aber Sie sollten 5,80 Euro in Münzen mitnehmen. Wozu, das erfahren Sie später.

Für mich geht es am Rathaus los. Helm auf, dann lass ich das Rad einfach laufen, bis ich auf der Ruhrbrücke bin. Dahinter kurz rechtsab, dann unterm Bodenborn hindurch – nach fünf Minuten bin auf dem Ruhrtalradweg. Die ersten Rentner kommen mir entgegen – eine ganze Karawane, 30 Leute mit Tourguide voran. Der Ausrüstung und dem Antritt nach tippe ich mal: Quelle bis Mündung! Viele schmettern mir ein „Guten Morgen“ entgegen. Die sind gut drauf, das steckt an.

Vorbei an Steger, dessen Bierkarte direkt am Weg ich kühl ignoriere, empfängt mich ein lautes Vogelkonzert. Das dichte Grün erschlägt fast. Nur Fenster zwischen den Kronen geben den Blick in die Aue und aufs Bergerdenkmal frei, das auf der anderen Seite der Ruhr leuchtet.

„Am schönsten finde ich es, wenn auch noch die Dampflok fährt“, sagt Ingeborg Winter (58). Sie schaut zwei Schwänen zu, die auf einem Tümpel treiben. Fast täglich geht sie hier mit Pudel Franca spazieren – „und fast täglich entdecke ich was Neues.“ Den Eisvogel von der Biotop-Tafel hat sie ein einziges Mal gesehen, Rehe des Öfteren. „Himmelfahrt habe ich zum ersten Mal Füchse gesehen, eine ganze Familie!“

Noch Fragen?

Ich verlasse die Idylle, lege den ersten von 24 Gängen ein, strample mit hinter den drei kurzen Bahntunneln hoch. 15 Höhenmeter sollen das nur sein – das stimmt niemals. Was soll’s, die letzten schiebe ich, schont die Pumpe und das Hemd.

Oben, am „Landhaus Robbert am Jakob“, wartet glatter Asphalt. Bis Wengern runter läuft’s wieder von selbst. Dann gleich links, mit dem Emsche-Bach unter der Bahn hindurch. Zurück in der Aue, weitet sich das Panorama: vorne Landwirtschaft, die man riecht, hinten der Ardeystrang, dazwischen Wasser. Hinter weidenden Kühen zieht lautlos ein ICE durchs Ruhrtal.

In Wetter geht’s über die Fahrradbrücke zurück auf die andere Seite. Am Harkortsee plausche ich mit Dortmunder Senioren, die ihre E-Bikes ausprobieren. Die Strecke am See unter Trauerweiden und Pappeln ist schönste Ruhrriviera. Unter dem Eisenbahnviadukt von 1877/1878 hindurch erreiche ich das Etappenziel: Herdecke.

Und nun? Radeln Sie zum Bahnhof, da geht’s noch mal kurz hoch, und kaufen Sie sich ein Ticket Stufe A (2,60 Euro) plus Fahrradticket (3,20 Euro), macht 5,80 Euro. Das ist nicht gerade billig, der RB 52 bringt Sie aber sehr komfortabel nach Dortmund-Löttringhausen. Für alle anderen Querverbindungen zwischen dem Ruhrtalradweg und dem Rheinischen Esel, gebe ich Ihnen mein Wort, bräuchten Sie das Goldene Bergziegen-Abzeichen.

Vom Bahnhof Löttringhausen sind’s nur ein paar Meter bis zum Anfang des Esels. Ab da geht’s wieder gemütlich – weil: leicht bergab – bis Witten-Mitte. Von oben sieht man in die Gärten, die Arbeiten an der Erlen-Kita oder an der Annenstraße. Hier trifft man wieder Menschen, die beim Gassigehen telefonieren. Die Stadt hat uns wieder.

Radroutenplaner NRW

Die reine Fahrradstrecke (ohne Zug-Etappe) ist 24 km lang. Bei 15 km/h braucht man dafür eine Stunde und 36 Minuten – ohne Pause. Die höchste Stelle liegt in Löttringhausen (143 m über Null), die tiefste an der Ruhrbrücke Bommern (78 m). Insgesamt sind 138 Höhenmeter zu meistern. Ein gutes Werkzeug, um die Strecke am PC auszumessen, ist der Radroutenplaner NRW: www.radroutenplaner.nrw.de.

Der RB 52 (Lüdenscheid – Hagen – Dortmund) fährt stündlich. In Herdecke fährt er jeweils um 0.03 Uhr ab. Um 0.11 Uhr erreicht er den Bf. Löttringhausen.


Die Runde lässt sich selbstverständlich auch andersherum fahren. Abfahrt in Löttringhausen: jeweils 0.48 Uhr. Nachteil: Wer in der Innenstadt wohnt, muss am Ende noch von der Ruhr (78 m) zum Rathaus (112 m) hoch.