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Serie „Lecker isst hier“

Lieber Fisch oder doch ins Fritten-Eck?

25.05.2011 | 16:21 Uhr
Lieber Fisch oder doch ins Fritten-Eck?
Fritten Eck Herbede Doris Ferdien und Ingo Schultz

Witten.„Morgen, Herbert.“ Wir steuern zwar schon auf zwölf Uhr zu, aber Zeit ist nun wirklich nicht das, was hier unbedingt zählt.

Ein Pils, ein Klarer - kurz vor Mittag in Bommern, wir reden nicht von einer Eckkneipe, sondern vom „Casa Veccia“, wo nicht nur Vino, sondern auch der Gerstensaft fließt. Ist es ein Tag zum Trinken? Eigentlich nein, oder vielleicht doch: Wirt Roberto Melle (53) stehen die Tränen im Gesicht. Es ist der zweite Todestag seines Sohnes Daniel, der mit 26 bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Deshalb blieb das italienische Restaurant im „Reesenhof“ gestern Abend geschlossen. Wer wollte, konnte mittags essen. Das Menü zum Beispiel: Suppa del giorno, Fussilli con zucchin, scaloppina alla ceto balsamico... na, kriegen Sie Hunger?

Das „Casa Veccia“ ist eines von rund 50 Restaurants in Witten. Natürlich gibt es jede Menge Italiener, „Mama Mia “ zum Beispiel, den Bodenborn ein Stück weiter runter, oder „La Taverna“, den Bodenborn weiter rauf. Witten, Stadt der über 100 Nationen. Doch beherrscht wird die internationale Küche von Italienern, Griechen, Chinesen und Türken. Keine Straße ohne Mister Döner, kaum ein Stadtteil ohne Akropolis-Grill.

Die Hellenen, so sehr sie unter dem Pleite-Image ihres Heimatlandes leiden mögen, in der Ruhrstadt sind sie immer noch beliebte Gastgeber. „Ich gehe gern ins Sokrates, die haben’ne tolle Wirtin, die Aneta“, sagt ein Mann beim Frühschoppen in Bommern, der seinen Namen nicht nennen will. Das „Sokrates“ liegt idyllisch an einer Ecke auf der Meesmannstraße in Herbede - und am anderen Ende der Fußgängerzone, direkt am Anfang, das „Fritten-Eck“.

„Hausgemachtes Schaschlik“ steht dort ins Fenster gemalt. Das beliebteste Gericht ist aber - „na logisch, Currywurst Pommes“, sagt Mitarbeiterin Doris Ferdien (49). Inhaber Ingo Schultz (65) fragt: „Wollen’se ‘n Kaffee?“ Schultz erzählt, dass er ab Juli zusätzlich die Stadtschänke in Herbede neu eröffnet. Pommes hier, Eis nebenan, um die Ecke Pfannkuchen im Pfannkuchenhof oder Scholle im Jever Krog - Herbede wird immer satt. Ingo Schultz vom Fritten-Eck schwärmt vor allem von den Steaks „im Wald“ - gemeint ist das Lokal „Zur alten Tür“ in Vormholz.

Wir setzen unsere kleine gastronomische Rundreise in Annen fort. Die Annenstraße kocht multikulti: Pizzeria Portofino, Athen Grill, Can Kebaphaus, Casa Mia... An der Stockumer Straße wird’s dann doch noch gutbürgerlich. „Zwiebelgeschnetzeltes vom Schweinefilet in einem Bandnudelnest und ein kleiner Salat“ lautet die Tagesempfehlung von „Hoppe’s Gasthaus am Markt“. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Im Städtevergleich ist es mit Wittens deutscher Küche nicht so schlecht bestellt. Haus Rauendahl in Bommern, Haus Crämer in Stockum, in der Innenstadt der Ratskeller, der Dorfkrug in Heven... - wir werden uns diesem Teil der Wittener Speisekarte in der letzten Folge unserer Serie „Lecker isst hier“ widmen.

Und was gönnt sich der Autor nach seinem kulinarischen Trip? Er nimmt Fisch im Altenheim-Bistro. Den Kartoffelsalat lässt er bei seinem empfindlichen Magen diesmal sicherheitshalber lieber stehen.

Jürgen Augstein

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Kommentare
26.05.2011
12:48
Lieber Fisch oder doch ins Fritten-Eck?
von ruhr_ente | #1

Quantität ist nicht gleich Qualität! Das trifft auf die Gastronomie in Herbede auf jeden Fall zu! Alle im Artikel aufgezählten Restaurants bieten bestenfalls Pommesbudenniveau - teils noch weniger. Da wird Fisch in allen Variationen aus der Tiefkühltruhe gezerrt und in die Friteuse befördert, ein gemischter Salat hat als einzige frische Zutat eine 1/8 Tomate als Deko, der Rest ist Fertigware aus Eimern, selbst die aufgestreute Petersilie ist gefriergetrocknet. Das Fleisch ist teils kalt und voller Fett und Knorpel. Ich habe 2 Versuche gestartet und jedesmal mein Essen als fetttriefend und ungenießbar zurück gegeben - gesprickt mit frechen Kommentaren der Kellnerin. In einem anderen Restaurant wurden uns Plätze im Gewölbekeller angeboten - dort stank es so extrem nach Urin aus der nahegelegenen Toilette, dass wir sofort wieder gegangen sind! Für Neu-Herbeder eine Katastrophe! Ich greife nun lieber bei moderaten Preisen auf eine ordentliche Pizza bei Toscana oder im Herbede Grill auf Gyros zurück - da schmeckts!

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