Lieber ein Lächeln statt ein Händedruck

Dr. Ulrich Weitkämper, Ulrich Fiegenbaum, Doreen Kikilus, Thomas Kreuder, Ingeborg Drossel, Prof. Dr. Martin Bergbauer, Theo Freitag, Dr. Sabine Edlinger, Heinz-Werner Bitter und Lisa Selle (v.li.). präsentieren die Kampagne.
Dr. Ulrich Weitkämper, Ulrich Fiegenbaum, Doreen Kikilus, Thomas Kreuder, Ingeborg Drossel, Prof. Dr. Martin Bergbauer, Theo Freitag, Dr. Sabine Edlinger, Heinz-Werner Bitter und Lisa Selle (v.li.). präsentieren die Kampagne.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Beide Krankenhäuser in Witten wollen gemeinsam die Gesundheit schützen. Landesweite Hygiene-Kampagne sagt Keimen den Kampf an.

„Gemeinsam Gesundheit schützen. Keine Keime“ – so lautet das Motto einer landesweiten Hygiene-Kampagne der Krankenhausgesellschaft NRW. Beide Wittener Krankenhäuser nehmen daran teil. „Gesundheit ist unser höchstes Gut. Um sie zu schützen, spielt Hygiene gerade auch im Klinikalltag eine wichtige Rolle“ betont Heinz-Werner Bitter, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses.

Aber Keime gibt es überall. Und jeder Mensch kann Träger von multiresistenten Keimen sein. „Für einen gesunden Menschen ist das in der Regel kein Problem. Erst für kranke oder frisch operierte Menschen werden diese Keime zur Gefahr. Es gibt nicht den klassischen Krankenhaus-Keim. Multiresistente Keime sind heute ein gesellschaftliches Problem“, ergänzt Prof.Dr. Martin Bergbauer, Ärztlicher Direktor des Marien-Hospitals. „Ich nenne sie auch gerne die Straßenbahn-Keime.“

Patienten werden isoliert

Oftmals kommen „besiedelte“ Patienten in die Klinik. Doch erst durch den Abstrich bei der Aufnahme kommen Ärzte und Pflegekräfte den unliebsamen Keimen auf die Spur. Die Patienten müssen dann isoliert werden. In beiden Häusern werden alle Patienten bei ihrer Einlieferung einem solchen Screening unterzogen. „Leider ist es so, dass die multiresistenten Keime oft von außen eingeschleppt werden“, so Theo Freitag, Geschäftsführer der Elisabeth-Gruppe, zu der das Marienhospital gehört.

Aus diesem Grunde sei Hygiene so ausgesprochen wichtig. Eine hundertprozentige Keimfreiheit gäbe es in keiner Klinik. „Aber wir sehen unsere Aufgabe darin, die Verbreitung einzudämmen und den Patienten die Angst zu nehmen“, sind sich die Geschäftsführer beider Häuser einig. „Aber auch die Information der Besucher und Angehörigen ist ungeheuer wichtig. Panikmache mit Begriffen wie Killerkeime ist da der falsche Weg.“

Witten hat eine gute Quote

Insgesamt werden in der Ruhrstadt jährlich mehr als 34 000 Patienten stationär behandelt. Rund zwei Prozent von ihnen sind mit multiresistenten Keimen „besiedelt“, aber nicht erkrankt. „Das ist im Vergleich zu anderen Einrichtungen eine gute Quote“, so Bitter weiter. Um auf diesem Weg weitere Fortschritte zu machen, beteiligen sich die Kliniken an der Hygiene-Kampagne.

„Auf Antibiotika können wir heute nicht verzichten“, so Dr. Ulrich Weitkämper, Ärztlicher Direktor am Evangelischen Krankenhaus. „Sie sind kein Teufelszeug und auch keine Süßigkeit. Aber sie können Leben retten, wenn man sie fein dosiert.“ Die Experten fordern, dass der massive Einsatz von Antibiotika bei leichten Erkrankungen und auch in der Tiermast unterbleiben.

Bevölkerung informieren

Ziel ist es, die Bevölkerung – Patienten wie Angehörige – über Hygiene zu informieren und aufzuklären. „Das ist ein wichtiger Gesundheitsauftrag für die Gesellschaft“, so Hygienefachkraft Lisa Selle. „Die Hand-Desinfektion ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung, um das Risiko der Ansteckung zu mindern. Wenn man kommt – zum Schutz des Patienten. Wenn man geht – zur eigenen Sicherheit.“ Auf den bunten Kampagnen-Plakaten steht geschrieben: Ein freundliches Lächeln ist mehr als ein Händedruck. Und das stimmt – zumindest im Kampf gegen die Keime.