Landwirte sprechen über Sicherheit von Lebensmitteln

Produkte aus der Region: Stefanie Pintat mit Kartoffeln vom Hof Thiele in Bommern.
Produkte aus der Region: Stefanie Pintat mit Kartoffeln vom Hof Thiele in Bommern.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Der Kreisverband hatte den Präsidenten des Bundesinstituts für Risikobewertung eingeladen. Achtung: Das dreckige Spültuch kann viel gefährlicher sein.

Witten.. 450 Bauern aus dem Bezirk Ennepe-Ruhr/Hagen haben sich beim Kreisverbandstag mit dem Thema Lebensmittelsicherheit beschäftigt. „Wir fürchten uns vor den falschen Dingen“, zitiert der Verband danach Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Prof. Dr. Hensel hatte zum Thema „Lebensmittel: Wissenschaft oder eine Frage des Vertrauens?“ referiert. Dirk Kalthaus, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, warf die Frage auf: „Ist die Tatsache, dass sich Rückstände von Wirkstoffen in Lebensmitteln ermitteln lassen, auch gleichdeutend mit einer Gesundheitsgefährdung des Verbrauchers?“

„Man kann fast alles messen und findet auch fast alles“

Hensel habe geantwortet: „Das Problem von heute ist auch ein Problem der modernen Analytik. Man kann fast alles messen und findet auch fast alles.“ Es sei inzwischen nicht mehr schwer, ein Roggenkorn in zwei Welternten festzustellen. „Essen ist stark emotionalisiert“, habe Hensel erklärt. Und auf ein objektives Risiko verwiesen, das sich an naturwissenschaftlich messbaren Kriterien orientiere, und ein subjektives Risiko, das von sozio-kulturellen Kriterien abhängig sei.

„Das führt dazu, dass wir uns vor den falschen Dingen fürchten“, zitiert der Kreisverband den Wissenschaftler aus Berlin. In der folgenden Diskussion seien sich alle einig gewesen, dass ein vollkommen unterschätztes Risiko von der eigenen Küchenhygiene abhänge. „Die Ursache liegt schlichtweg an mangelhaft gereinigten Messern und Schneidbrettern, an kontaminierten Spültüchern und Schwämmen oder an fehlender oder fehlerhafte Handhygiene“, wird der Arzt und Journalist Thomas Schwarz zitiert.

„Arzneimittel in der Tierhaltung manchmal alternativlos“

Den „Arzneimitteleinsatz in der Tierhaltung“, ein weiteres Thema, hält Bauernchef Kalthaus mitunter für alternativlos – „und zwar zum Schutz des Tieres“. Sie bräuchten die bestmögliche Aufmerksamkeit – aus wirtschaftlicher, ethischer und moralischer Sicht. „Ein anderes Verhalten halte ich für nicht tragbar.“