Lachen mit Lockenwicklern
16.02.2010 | 10:41 Uhr 2010-02-16T10:41:00+0100
So etwas hat Birgit Wessel noch nicht erlebt: Zum ersten Mal in der fünfjährigen Geschichte der Kleinkunst-Mix-Show „Art Ort” musste die Organisatorin einige Zuschauer wieder wegschicken – die rund 90 Plätze vor der Studiobühne der Werkstadt waren restlos ausverkauft.
„Das ist hier aber keine Räumungsverkauf”, so Wessel dann auf der Bühne. „Denn das ist nicht der letzte Art Ort.”
Die Fans können also zunächst aufatmen. Nachdem ein wichtiger Sponsor im Dezember angekündigt hatte, die Kleinkunst-Show nicht mehr unterstützen zu können, drohte das Aus. „Das Gespräch mit der Bürgermeisterin ist positiv verlaufen. Wir werden bis zum Sommer weiter unterstützt”, erklärte Wessel.
Melancholie und Humor
Grund genug, sich auf die drei Künstler am Sonntagabend zu freuen: Sänger und Songwriter Mario Siegesmund stimmte zunächst ruhige Töne an. In grauem Rollkragenpulli und mit Gitarre auf dem Schoß brachte er die Werkstadtbesucher in eine eher nachdenkliche Stimmung. In „Trockenzeit” besang er unter anderem den Wunsch nach Freunden und in „Die Sonne sticht nach Regen” sinnierte er über die kleinen Widrigkeiten des Lebens: „Schon wieder so ein Mensch, der dich lächelnd missversteht.” Seine einfachen, unverkrampften und schnörkellosen Texte und Melodien überzeugten.
Marcel Wagner hingegen, der zweite Bühnengast an diesem Abend, legte ganz anders los: Mit technischer Unterstützung nahm er seinen eigenen Gesang auf, spielte ihn wieder ab und sang dazu weiter. „Ich singe mit mir selber im Chor”, erklärte der ausgebildete Schauspieler und Sänger. „Schizophonie” nennt Wagner seine Kunst scherzhaft und untertreibt dabei maßlos. Sicher, bei einigen verspielten Liedern aus der Jazzecke oder auch bei „The Lion sleeps tonight”, überwog die komische Interpretation des gelernten Pantomimen. Doch spätestens bei Liedern wie „Mein kleiner grüner Kaktus” wurde klar, wie präzise Wagner die verschiedenen Stimmen auf sein Gerät sang. Mit vor lauter Staunen geöffneten Mündern applaudierten die Zuschauer begeistert.
Bei Birgit Wessels letztem Gast kam das Publikum schließlich aus dem Lachen nicht mehr heraus: Karin Berkenkopf in der Rolle von Frieda Braun hatte schnell die Sympathien der „Art Ort”-Besucher auf ihrer Seite. Die herrlich verschrobene Frieda, stilecht in Kittel, Kniestrümpfen und mit Lockenwicklern, berichtete von Kuriositäten aus ihrem Sauerländer Alltag.
Nicht nur ihre grandiose Mimik führte zu einem amüsierten Dauergackern im Zuschauerraum. Berkenkopf beherrscht auch die Kunst, jeden nur möglichen Witz aus einer Geschichte herauszuholen und das Publikum über lange Strecken bei Laune zu halten. Nicht zuletzt ihr Sauerländer-Dialekt begeisterte: „Auf Victoria Beckmanns schieren Rücken is ja so 'ne Zisilisierung, direkt auf dem Strunk drauf.”
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