Lachen mit Locke
29.04.2008 | 16:38 Uhr 2008-04-29T16:38:00+0200Sein Markenzeichen, die Wuschelmähne, ist längst nicht mehr, doch Ulli Potofski hat ihr eine Art Denkmal gesetzt: mit Locke, der Hauptfigur seiner Jugendbücher. Pünktlich zur EM ist jetzt der dritte Band erschienen.
Und Potofski hat ihn natürlich mitgebracht in die Kinderbücherei. Vier Klassen der Brenschenschule waren zur Lesung mit dem Domino Day- und Sportmoderator gekommen. Obwohl – Lesung? Nein, so kann man nicht nennen, was der 55-Jährige den Grundschülern da geboten hat. Unterhalten hat er sie, hat sie zum Lachen gebracht und dazu, sich mutig vor die Schulkameraden zu stellen. Zwei Mal eine gute Stunde agierte er selbst vor den jungen Zuschauern. „Das ist anstrengend”, sagt Potofski zwischendurch. Weil er spannender sein muss als Playstation und Gameboy, um immer wieder ihre Aufmerksamkeit zu kriegen. „Aber ich habe riesig Spaß daran.” Er kann gut mit Kindern, seine eigenen beiden, die er adoptierte, sind schon erwachsen. Aber der gebürtige Gelsenkirchener – die Locke-Bücher spielen in seiner Heimatstadt – ist auch Realist. Gibt zu, dass Kinderbücher zu schreiben ein Stück weit Eitelkeit sei.Und dass er zwar hoffe, aber nicht wirklich daran glaube, damit die jungen Menschen fürs geschriebene Wort begeistern zu können: „Die Masse liest nicht.” Die Brenschenschüler machten ihm da einen gewaltigen Strich durch die Rechnung: Zig Finger gingen hoch bei der Frage: „Wer liest gern?” Und Potofski kalauerte: „Was ist denn in Witten mit der Erziehung los?” In der Tat sei das Lesen für die meisten ihrer Schüler selbstverständlich, bestätigte Rektorin Bärbelies Hesse – und die derzeitige Lesewoche fester Bestandteil des Schuljahrs. „Harmlose, banale Fußballgeschichten” nennt Ulli Potofski seine Bücher. Gerade mal sechs Wochen braucht er für eins, zieht sich zum Schreiben mit seinem Laptop an die Nord- oder Ostsee oder nach Portugal zurück. „Wenn mir jemand sieben Stichworte zuruft, mache ich daraus eine Geschichte”, sagt er. Darauf bilde er sich nichts ein, das liege an den Genen, „dafür kann ich nicht gut rechnen.” Potofski machte gestern ein paar Kinder so ganz nebenbei zu kleinen Hauptdarstellern eigener Geschichten: Justin, der zugab, nicht gern zu lesen, nahm er mit auf einen Flug. Florian, der Bayern-Fan und Bommeraner Abwehrspieler, war Moderator. Romeo durfte gar Locke sein. Und Viola sollte schauspielern – bei einer Versteigerung von Rennpferden. Denn darum geht's in Potofskis nächstem Buch.
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