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Kunst geht durch den Magen

02.06.2010 | 15:59 Uhr
Kunst geht durch den Magen

Witten.Liebe geht durch den Magen. Kunst scheinbar auch. Deshalb wurde für das Kulturhauptstadt-Projekt „Essen an der Ruhr - Geschmack der Region“ im Annener Altenzentrum St. Josef kräftig geschnippelt, geschält und gekocht.

Zu Gast in der Wohnbereichsküche „Zum goldenen Herbst“ war der Düsseldorfer Künstler Arpad Dobriban. Der hat es sich zur Aufgabe gemacht, die kulinarischen Erinnerungen der Region zu bewahren. Schließlich sage Kochen auch etwas über die Weltsicht der Menschen aus, so Dobriban. Und da mischt sich im Schmelztiegel Ruhrgebiet bekanntlich Multinationales mit Erdigem.

So stimmte denn Altenzentrumsbewohnerin Maria Kirsten ein tschechisches Lied an, als sie mit dem Kartoffelschälen begann. „Mir geht es um eine persönliche Küche“, unterstrich Dobriban. Dementsprechend machte sich Rolf Riemer (87) mit Unterstützung weiterer Heimbewohner und -mitarbeiter daran, Schweinenacken und „schmierigen Salat“ - besser bekannt als Specksalat - so zu zubereiten, wie seine Frau es einst getan hatte.

Der Schweinenacken müsse beim Grillen gedreht und mit einer Ingwersoße bestrichen werden, erzählte Riemer, Vorsitzender des Heimbeirats. Die tropfe dann auf Tomaten, Bananen und Äpfel, was schließlich wieder als Soße, etwa für Stampfkartoffeln benutzt werde. Klingt super, nur: „Wo haben Sie denn den Drehgrill?“ fragte Riemer den Künstler und die beiden Studenten der Universität Witten/Herdecke, deren Fachbereich Kulturreflexion das Projekt unterstützt. „Wir versuchen es im Ofen“, antwortete Studentin Aynur Soenmez. „Dann übernehme ich keine Garantie“, gab Riemer zurück. Auch bei der Koch-Kunst liegen Theorie und Praxis manchmal weit auseinander.

Aber immerhin hatte Dobriban fürs Kochen selbst allerhand Zutaten mitgebracht. Sogar Schweinepfoten wurden beherzt zerschnitten. Die Ergebnisse der verschiedenen Koch-Aktionen sollen, so Dobriban dokumentiert werden, u. a. auf der Internetseite essenanderruhr.de Und es solle nach all den Rezepten schließlich öffentliche Essen geben, zu denen sich jeder anmelden kann.

Gesammelt werden die Rezepte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch im ungarischen Pecs. Jener Stadt, in der Dobriban selbst aufwuchs und die ebenfalls in diesem Jahr Kulturhauptstadt ist.

Michael Vaupel

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