Küchen-Chefs für eine Woche
04.04.2008 | 14:18 Uhr 2008-04-04T14:18:00+0200Es ist nicht das erste Mal, dass der echte Küchenchef sich auf diese Aktion eingelassen hat. Im dritten Jahr bietet Josef Kachel seinen Auszubildenden die Chance, ihr gastronomisches Können ein Jahr lang unter Beweis zu stellen.
Eigentlich hat er keine Zeit für ein Gespräch, sitzt ein bisschen auf heißen Kohlen, denn in der Küche wartet der Kalbsrücken. Die Brokkoliröschen brodeln im Topf. Und nicht nur die. Denn heute Abend ist eine Gesellschaft mit 120 Leuten zu Gast im Restaurant von Haus Kemnade. Eine Herausforderung für Patrick Heile und die anderen Azubis, die für eine Woche den Laden schmeißen. „Der Chef versucht auf diese Weise, uns mehr Aufgaben zu übertragen”, erklärt Patrick die ungewöhnliche Aktion. Der 18-jährige Wittener ist im zweiten Lehrjahr, lernt Koch auf Kemnade und kennt die Aktion schon. Zum dritten Mal überlässt Küchenchef Josef Kachel seinen Auszubil-denden die komplette Organisation. „Die kommen ins Wasser und müssen schwimmen”, sagt der 40-Jährige und freut sich wie ein Schneekönig, dass er mal nur „Küchenjunge” sein darf. „So lernen die jungen Leute früh, Verantwortung zu übernehmen, um in der Gastronomie lebensfähig zu sein.” Eine Woche lang ein Restaurant zu führen, das ist nicht ohne. Das muss gut vorbereitet werden: vom Dienstplan über die Zusammenstellung der Menüs, deren Preis und den Einkauf bis hin zum Schreiben der Karte. Zwei weitere Lehrlinge sorgen außerdem für Service und Tischdeko. Sechs Gänge hat die Truppe für den kulinarischen Abend letzten Donnerstag gezaubert. „Ich ziehe den Hut davor”, lobt Kachel, „die haben sich wirklich Gedanken gemacht.” Auch die Gäste seien zufrieden gewesen mit der Leistung der Azubis. Ja, bis jetzt – die Woche endet am Sonntag – hat alles super geklappt. Okay, dass beim Einkauf zunächst die Milch vergessen wurde, ist eine Kleinigkeit. Oder dass das Gemüse für die Ratatouille etwas kleiner geschnitten werden könnte – geschenkt. Patrick Heile jedenfalls hat Spaß an der Sache. Kochen ist schließlich seine Leidenschaft. Schon als Kind rührte er lieber mit der Mama in den Kochtöpfen, als dem Papa im Garten zu helfen. „Mein Onkel hatte einen Party-Service. Da hab' ich oft mitgeholfen”, erklärt der ehemalige Adolf-Reichwein-Realschüler, der nie was anderes als Koch werden wollte. Schon bei der zweiten Bewerbung hat's geklappt – ein Riesenglück, weiß Patrick. Ein Leibgericht hat er nicht, „ich probiere gern Rezepte aus und experimentiere mit Gewürzen”. Und er legt großen Wert darauf, das Essen schön anzurichten. Fast-Food, geht das? „Ab und zu”, gesteht er. Doch wenn Kerner kocht, dann passt er gut auf, „da kann man sich viel abgucken”.
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