Das aktuelle Wetter Witten 8°C
Medizin

Krebs: Ein paar Stunden sorglos sein

09.02.2012 | 17:39 Uhr
Krebs: Ein paar Stunden sorglos sein
Ein Café für Krebskranke in den Räumlichkeiten des Café Möpschen Ruhrstraße 33 in Witten planen Heike Köhler, 47 Jahre, Besitzerin des o.g. Cafés und Anke Taubert, 51 Jahre, Friseurmeisterin. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Witten.   Im „Café Sorglos“ sollen Krebspatienten an bunten Nachmittagen für ein paar Stunden ihre Krankheit vergessen.

Die Diagnose „Sie haben Krebs“ erschüttert bis ins Mark. Das ist eine ernste Angelegenheit. Um Patienten aber gelegentlich etwas Abstand von der Krankheit zu bieten und sie in den normalen, auch freudigen Alltag zurückzuholen, starten Anke Taubert (51) und Heike Köhler (47) jetzt ein Projekt unter dem Arbeitstitel „Café Sorglos“.

Anke Taubert hat als Friseurin und zertifiziertes Mitglied des Onkologiezentrums häufig Kontakt zu Krebspatienten - beispielsweise, wenn es um die Wahl der richtigen Perücke nach einer Therapie geht. Dabei kam ihr die Idee, wie es denn wäre, wenn man Trauer, Angst und Frustration der Kunden so etwa, sagen wir, einmal im Monat für zwei Stunden beiseite schieben könnte. Ihrem Salon gegenüber liegt an der Ruhrstraße das Café Möpschen, und dort lief sie bei Heike Köhler offene Türen ein.

„Wir haben die Möglichkeit, etwas zu tun“, begründen die beiden Frauen ihr Engagement. „Und wenn man diese Möglichkeit hat, dann muss man auch etwas tun. Wir haben die Räumlichkeiten, wir haben Kontakte zu Künstlern. Manchmal scheint es so zu sein, dass das Angebot für an Krebs erkrankte Kinder besser ist als das für Erwachsene.“

Deshlab soll nun einmal monatlich ein Treff für krebskranke Menschen im Café Möpschen stattfinden, zu dem jeder und jede auch eine Bekannte oder einen Freund mitbringen kann. „Natürlich können sich die Betroffenen über ihre Krankheit austauschen und sich Tipps geben“, sagt Anke Taubert. „Doch im Vordergrund soll die Unterhaltung stehen. Wir wollen die Leute wieder auf andere Gedanken bringen.“ Den Beginn macht am 6. März, 16 Uhr, voraussichtlich eine Chan­son­ni­è­re, mehr wird noch nicht verraten.

Gage besteht aus Kaffee und Kuchen

Wohl aber, dass sich Schauspieler, Sänger und Literaten beim Angebot abwechseln sollen und kein Eintritt erhoben wird. „Wir möchten Künstler einladen, die ausdrücklich bereit sind, den Nachmittag nur für Kaffee und Kuchen zu gestalten“, so Heike Köhler.

Was geboten wird, liegt in der Hand der Akteure selbst. „Das kann eine Lesung sein oder ein kleines Schauspiel - wir lassen uns auch selbst überraschen.“ Wichtig sei, dass die Gäste nicht nur dort säßen und ihre Krankheit im Sinn hätten, „die Leute sollen auch ihren Spaß haben, bunte Nachmittage erleben - ganz normal eben.“

Ob das nun gelingt - auch für die beiden Frauen ist das ein Experiment. Sie werben jetzt mit Handzetteln und Plakaten für die Aktion und bitten, weil es für sie nicht überschaubar ist, wie viele Menschen wohl kommen möchten, für das erste Mal um Anmeldungen unter 42 44 38 oder 2 78 10 50.

Auch Namensvorschläge für den Treff sind willkommen, ebenso Angebote von Künstlern, die sich engagieren möchten. Anke Taubert: „Wir brauchen Muntermacher, die auch auf die freudige Seite des Lebens hinweisen.“

Bernd Kassner

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6333050/create

Aktuelle Fotos und Videos
Schäden am Rathaus
Bildgalerie
Bauschäden
Die 5. Nacht der Offenen Kirchen
Bildgalerie
Kirchennacht
Deutschland vor...
Bildgalerie
Fan-Artikel
Aus dem Ressort
Warten auf eine neue Niere
Tag der Organspende
Den 28. Mai 1998 hat Eva Michalik (51) wie ihren Geburtstag gefeiert. Damals bekam sie zum zweiten Mal eine neue Niere - was für sie fast elf Jahre lang ein Leben in Freiheit bedeutete, unabhängig von der Dialysemaschine. Inzwischen hängt die frühere Zahnarzthelferin wieder dreimal die Woche an den
Leise bröckelt der Putz
Rathaus
Der vom Rande des Rathausdaches abgeplatzte Beton liegt noch auf dem Gehweg, der Bereich wurde großräumig abgesperrt. „Am Freitagnachmittag wurde per Gerüst ein Fußgängertunnel errichtet, damit die Leute wieder sicher hier hergehen können“, erklärt der städtische Bauleiter Udo Klapp (48).