Krebs: Ein paar Stunden sorglos sein
09.02.2012 | 17:39 Uhr 2012-02-09T17:39:00+0100
Witten. Im „Café Sorglos“ sollen Krebspatienten an bunten Nachmittagen für ein paar Stunden ihre Krankheit vergessen.
Die Diagnose „Sie haben Krebs“ erschüttert bis ins Mark. Das ist eine ernste Angelegenheit. Um Patienten aber gelegentlich etwas Abstand von der Krankheit zu bieten und sie in den normalen, auch freudigen Alltag zurückzuholen, starten Anke Taubert (51) und Heike Köhler (47) jetzt ein Projekt unter dem Arbeitstitel „Café Sorglos“.
Anke Taubert hat als Friseurin und zertifiziertes Mitglied des Onkologiezentrums häufig Kontakt zu Krebspatienten - beispielsweise, wenn es um die Wahl der richtigen Perücke nach einer Therapie geht. Dabei kam ihr die Idee, wie es denn wäre, wenn man Trauer, Angst und Frustration der Kunden so etwa, sagen wir, einmal im Monat für zwei Stunden beiseite schieben könnte. Ihrem Salon gegenüber liegt an der Ruhrstraße das Café Möpschen, und dort lief sie bei Heike Köhler offene Türen ein.
„Wir haben die Möglichkeit, etwas zu tun“, begründen die beiden Frauen ihr Engagement. „Und wenn man diese Möglichkeit hat, dann muss man auch etwas tun. Wir haben die Räumlichkeiten, wir haben Kontakte zu Künstlern. Manchmal scheint es so zu sein, dass das Angebot für an Krebs erkrankte Kinder besser ist als das für Erwachsene.“
Deshlab soll nun einmal monatlich ein Treff für krebskranke Menschen im Café Möpschen stattfinden, zu dem jeder und jede auch eine Bekannte oder einen Freund mitbringen kann. „Natürlich können sich die Betroffenen über ihre Krankheit austauschen und sich Tipps geben“, sagt Anke Taubert. „Doch im Vordergrund soll die Unterhaltung stehen. Wir wollen die Leute wieder auf andere Gedanken bringen.“ Den Beginn macht am 6. März, 16 Uhr, voraussichtlich eine Chansonnière, mehr wird noch nicht verraten.
Gage besteht aus Kaffee und Kuchen
Wohl aber, dass sich Schauspieler, Sänger und Literaten beim Angebot abwechseln sollen und kein Eintritt erhoben wird. „Wir möchten Künstler einladen, die ausdrücklich bereit sind, den Nachmittag nur für Kaffee und Kuchen zu gestalten“, so Heike Köhler.
Was geboten wird, liegt in der Hand der Akteure selbst. „Das kann eine Lesung sein oder ein kleines Schauspiel - wir lassen uns auch selbst überraschen.“ Wichtig sei, dass die Gäste nicht nur dort säßen und ihre Krankheit im Sinn hätten, „die Leute sollen auch ihren Spaß haben, bunte Nachmittage erleben - ganz normal eben.“
Ob das nun gelingt - auch für die beiden Frauen ist das ein Experiment. Sie werben jetzt mit Handzetteln und Plakaten für die Aktion und bitten, weil es für sie nicht überschaubar ist, wie viele Menschen wohl kommen möchten, für das erste Mal um Anmeldungen unter 42 44 38 oder 2 78 10 50.
Auch Namensvorschläge für den Treff sind willkommen, ebenso Angebote von Künstlern, die sich engagieren möchten. Anke Taubert: „Wir brauchen Muntermacher, die auch auf die freudige Seite des Lebens hinweisen.“
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