Kreativschmiede Villa Lohmann
19.11.2010 | 19:49 Uhr 2010-11-19T19:49:00+0100
Witten.Schicksalstag für die Villa Lohmann: Am 9. Dezember soll im Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Standortmarketing der Beschluss gefasst werden, sie zu verkaufen.
Die Verwaltung empfiehlt den Verkauf an eine Wittener Bietergemeinschaft, die im Kreativbereich tätig ist.
„Die Architektur passt in deren Unternehmensphilosophie“, so Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke. Die Grundkonzeption des potenziellen Käufers der Villa Lohmann sieht vor, dass dort gewerblich genutzte Büroräume entstehen. Jene im Untergeschoss würde der Erwerber mit seiner Kreativfirma voraussichtlich selbst beziehen, die im Obergeschoss sollen an ein renommiertes Wittener Architekturbüro vermietet werden.
Ein Wittener, der in Dortmund im Kreativbereich tätig ist und als Investor gerade das historische Alte Rathaus in Herbede zum Medizinzentrum vom Architekten Andreas Schüren umbauen lässt, ist Markus Bürger. Ob er auch plane, die Villa Lohmann zu kaufen, dazu wollte Bürger sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht äußern. Und Schüren wollte die Anfrage, ob er als möglicher Mieter in Frage käme, nicht bestätigen.
„Die Bürger werden in der Örtlichkeit keine Veränderung wahrnehmen“, widerspricht Bradtke jenen Kritikern, die seit längerem warnen, der Zugang zum Stadtpark werde zerstört. Der Weg bleibe der Öffentlichkeit erhalten, es werde vom potenziellen Käufer auch keine hohe Mauer ums Villen-Areal gezogen. Selbst die Gartengestaltung werde in einem Landschaftsplan unter Beteiligung des Fachamtes mit dem Erwerber abgestimmt. 1900 Quadratmeter beträgt die Fläche, die verkauft werden soll. Denn laut Auftrag an die Verwaltung sollte die Vermarktung der Liegenschaft mit einer „kleinstmöglichen Teilfläche aus dem Stadtpark“ erfolgen. Das Höchstgebot für Gebäude und Grund soll inzwischen deutlich über den 315 000 Euro liegen, die vor einiger Zeit im Gespräch waren.
Mitte des nächsten Jahres soll die Villa für den Erwerber leergezogen werden, in der sich u. a. Vhs-Räume und das Standesamt befinden. Die Vhs verteilt ihre Kurs-Angebote aus der Villa Lohmann dann auf ihre Annener Standorte. Ohne Aufpreis sollen standesamtliche Trauungen künftig in Haus Witten angeboten werden, für die Nutzung des Konferenzraumes im Haus Witten als Trauzimmer werden keine Umbaumaßnahmen nötig sein. Vor allem sind die Örtlichkeiten, anders als die Villa Lohmann, barrierefrei.
Die beschriebenen Maßnahmen sollen in der finanzklammen Stadt den Synergieeffekten dienen, auf welche die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) pocht. „Die GPA überprüft in etwa vier Jahren, was aus dem Maßnahmenkatalog geworden ist“, macht Bürgermeisterin Sonja Leidemann jede Illusion zunichte, dass es eine Alternative zum eisernen Sparen gibt. Und ein Erwerber könne die Villa besser neu erstrahlen lassen, als es die Stadt mit ihren Finanznöten könne. „Die Argumentation, wir verscherbeln Eigentum, ist schlichtweg falsch“, so die Bürgermeisterin.
18:01
Das hört sich doch einmal richtig gut an! Da hat ja eine Person mal richtig nachgedacht!! Glückwunsch an die Stadt Witten und deren Bürger zu einer sehr guten Nutzung. Jetzt hoffe ich, dass die Parteien auch noch mitspielen und nicht wieder komische Sachen beschließen.
In diesem Sinne Glück auf
18:25
Wenn der Verkaufspreis deutlichst über 315.000 Euro liegt, kann man von einem verscherbeln nicht sprechen.
Zwei Dinge sind allerdings auch klar; die Verzögerung der kommunalen Pleite um 3 bis 6 Tage bringt uns nicht voran. Und ein/e Bürgermeister/in ist nicht die Vollzugsbeamte/in der Gemeindeprüfungsanstalt, sondern die Vertreterin der Bürgerinnen.und Bürger.
Und da ist dann schon mal Rückgrat gefragt und nicht voreilender Gehorsam gegenüber den Gebietskörperschaften, die ihre finanziellen Probleme bei den Kommunen entsorgen.
Wobei in diesem Fall wohl nicht die GPA treibende Kraft für das turboschnelle Verkaufsverfahren war. Die Aufsichtsbehörden halten wohlmöglich längere Ausschreibungsfristen bei Spezialimmobilien für sinnvoller...