Kostenlose Führungen sollen Lust auf Kunst machen

Kunstvermittlerin Barbara Thönnes erklärt im Märkischen Museum in Witten Besucher Dirk Bobe ein Bild von Martin Dammann.
Kunstvermittlerin Barbara Thönnes erklärt im Märkischen Museum in Witten Besucher Dirk Bobe ein Bild von Martin Dammann.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wittens Märkisches Museum lädt regelmäßig zu kostenlosen Führungen ein. Auch, um mehr Menschen für die gezeigte Kunst zu interessieren.

Am Busbahnhof grüßt noch das große Plakat: Die Ausstellung „Mit dem Rücken gegen die Wand“ von Martin Dammann soll Bürgern der Ruhrstadt einen weiteren Anlass für einen Besuch im Märkischen Museum geben und die Öffentlichkeit neu für dessen „einzigartige kulturelle Bedeutung“ sensibilisieren. So zumindest wünscht es sich die Kunststiftung NRW, die die Schau im Rahmen des Projektes „25/25/25“anregte.

Regelmäßig veranstaltet das Museum kostenlose Führungen durch die Sonderausstellung. Die Resonanz in der ersten Woche nach den Weihnachtsferien aber ist gering. Nur vier Besucher haben sich versammelt, um von Kunstvermittlerin Barbara Thönnes durch das obere Stockwerk des Museums geführt zu werden. Die 31-Jährige ist studierte Kunsthistorikerin und arbeitet freiberuflich für verschiedene Ruhrgebietsmuseen. In Witten ist sie auch für museumspädagogische Angebote zuständig, versucht Jugendgruppen für zeitgenössische Kunst zu begeistern.

Mit nur vier erwachsenen Teilnehmern aber tut sie sich sichtlich schwer. Um die Besucher an einem Donnerstagabend bei der Stange zu halten, müssen alle Register gezogen werden. Vor allem geht es ihr darum, die Kunstinteressierten in einen lebendigen Dialog einzubinden. Bei den schemenhaften Darstellungen die Martin Dammanns Werke ausmachen, liegt es nahe, sich zunächst über die Eindrücke auszutauschen: „Was sehen Sie?“

„Ohne Führung hätte ich das jetzt gar nicht verstanden“

Für den ersten Teilnehmer ist klar: „Ich sehe hier eine Straßenbahn.“ Für andere ist es eine bunte Wand – die jedenfalls würde gut zum Titel „Mit dem Rücken gegen die Wand“ passen. Jetzt wird plötzlich heftig diskutiert. Wird hier eine Figur von anderen ausgegrenzt oder mit ausgestreckten Armen aufgefangen? Eine eindeutige Lösung aber wolle Dammann nicht liefern, so Führerin Thönnes: „Durch die vielen Leerstellen und die unpräzise Darstellung sind die Werke erst einmal offen.“

Der Künstler selbst jedoch habe mit Schwarzweiß-Bildern als Vorlage gearbeitet, weiß Tönnes. Jetzt kommen viele Fragen auf: Manch einer wüsste gern ganz genau, wie Martin Dammann im Atelier arbeitet. „Benutzt er eine Staffellei oder liegt das Bild beim Malen flach?“ So detaillierte Fragen kann selbst die Kunstvermittlerin nicht beantworten.

Dafür aber hat sich Thönnes mit dem Ausstellungskonzept eingehend auseinandergesetzt. Die Bilder Dammanns hängen in den Räumen jeweils gegenüber von Informel-Kunstwerken, die zur Dauerausstellung gehören. Beide Kunstrichtungen weisen einen eher unkonventionellen Farbauftrag und Arbeitsansatz auf. Einleuchtend? „Auf den ersten Blick wohl nur für Kunsthistoriker“, meint eine Besucherin kritisch. „Ohne Führung hätte ich das jetzt gar nicht verstanden.“