Können Sie noch Erste Hilfe?

Foto: Walter Fischer
Der DRK in Witten lädt am Samstag zu einem Informationstag in der Innenstadt ein und bietet kostenlose Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse an.

Ein Motorradfahrer ist gestürzt und liegt bewusstlos auf der Straße. Ziehen Sie den Helm nun ab oder nicht? Was ist gefährlicher: Die Bewusstlosigkeit oder die Möglichkeit einer Kopfverletzung? Das ist nur eine Frage, die sich Ersthelfer nach einem Unfall stellen müssen. Weil bei vielen Menschen der Erste-Hilfe-Kurs schon sehr lange zurückliegt, informiert das Deutsche Rote Kreuz (DRK) am Samstag, 23. März, 10.30 bis 16 Uhr, in der Wittener Stadtgalerie und am Platz der Schmiede in Herbede und bietet von 16 bis 19 Uhr kostenfreie Auffrischungskurse an.

Die Antwort auf die Anfangsfrage hat sich übrigens in den letzten zehn Jahren geändert – sie lautet jetzt „Helm ab“. „Das ist ein klassisches Vorurteil, mit dem Menschen heute zum Erste-Hilfe-Kurs kommen“, sagt Thorsten Knopp, Einsatzleiter beim DRK Witten. Früher sei die Regel gewesen, Helm auflassen, um Kopf und Wirbelsäule möglichst wenig zu bewegen, danach sollte man den Helm des Verletzten nur abziehen, wenn zwei Helfer anpacken. Nun sei man zu der Erkenntnis gekommen, dass der Helm auf jeden Fall weg muss. Denn Kopf und Hals waren beim Sturz gut geschützt, die Bewusstlosigkeit hingegen ist sehr gefährlich.

Auch die Erste-Hilfe-Kurse an sich haben sich geändert. Vom früheren erhobenen Zeigefinger, mit dem Fälle und richtiges Verhalten gepredigt wurden, ging es über zu viel Praxis. „Es ist wichtig, dass die Leute ohne Ängste aus dem Kurs gehen.“ Viele hätten Angst, im Erstfall etwas falsch zu machen.

Eine europaweite Studie des ADAC und des DRK aus dem Jahr 2012 hat ergeben, dass die theoretischen Kenntnisse und die Bereitschaft zu Erster Hilfe bei vielen da ist, es bei der Praxis aber hapert. 40 Prozent der Befragten in Deutschland haben ihren letzten Erste-Hilfe-Kurs vor mehr als zehn Jahren gemacht. Nur 31 Prozent wussten, wie man eine starke Blutung versorgt, nur 20 Prozent konnten richtig wiederbeleben.

„Wir raten deshalb alle fünf Jahre zu einer Auffrischung“, sagt DRK-Sprecher Christian Schuh. Im Rahmen des 150-jährigen Bestehens der Organisation, will der DRK im Kreis also die „Erste Hilfe“-Aktion anbieten. Die Helfer wollen am Samstagmittag in Witten, Herbede, Gevelsberg, Hattingen und Herdecke „Lebensretter-Postkarten“ an Bürger verteilen und so zum Gespräch und zur Überprüfung der Kenntnisse an ihre Stände in den Innenstädten einladen. Dort kann man sich auch für den kostenfreien Kurs am Nachmittag von 16 bis 19 Uhr anmelden. „Wir haben 1000 Postkarten, wenn wir dadurch kreisweit 100 Leute zu einem der Kurse bewegen können, sind wir sehr glücklich“, so Christian Schuh. Aber auch wenn nur fünf kämen, sei man zufrieden. 2012 wurden vom DRK in Witten, Gevelsberg und Hattingen rund 4500 Menschen in Erster Hilfe geschult.

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