Koalition kämpft für Tempo 100 auf dem Wittener Ruhrdeich

Temposchilder am Ruhrdeich in Witten am Mittwoch, 28.01.2015. Foto: Thomas Nitsche
Temposchilder am Ruhrdeich in Witten am Mittwoch, 28.01.2015. Foto: Thomas Nitsche
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Was wir bereits wissen
Die Stadt hatte die Straßenerneuerung genutzt, um das Tempo auf 70 km/h zu senken. SPD/CDU-Bündnis sieht dafür keinen Grund, will wieder freie Fahrt .

Witten..  Die Gelegenheit war günstig: Nach der Runderneuerung des Ruhrdeichs unterhalb des Edelstahlwerks hatte die Stadt Witten sie am Schopfe gepackt und dort Tempo 70 ausschildern lassen. Die schwarz-rote Rathauskoalition fordert jetzt, dass dort – wie früher – wieder freie Fahrt gelten soll.

Tempo 100 war zwar vor der Sanierung nicht ausdrücklich ausgeschildert. Wer in der Fahrschule aufgepasst hatte, wusste aber: Da dort auf der Bundesstraße (B 226) „nichts“ stand, waren zwischen der Bommeraner Ruhrbrücke und dem Ruhrdeichkreisel in beide Richtungen 100 Stundenkilometer erlaubt.

Antrag an den Verkehrsausschuss

Diese Zeiten wünscht sich jetzt die rot-schwarze Koalition im Rathaus zurück. „Da keine Belästigung von Anwohnern zu befürchten ist, die lange Gerade keinen Unfallschwerpunkt darstellt und die baulichen Voraussetzungen gegeben sind, sollte auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung verzichtet werden“, begründet das SPD/CDU-Bündnis seinen entsprechenden Antrag an den Verkehrsausschuss.

Unterzeichnet hat diesen für die CDU mit Fraktionschef Klaus Noske immerhin ein Leitender Polizeidirektor (von Gelsenkirchen). Die Stadtverwaltung soll zu dem Thema am Donnerstag, 5. Februar, im Verkehrsausschuss (Rathaus, 17 Uhr) Stellung nehmen.

Tatsächlich habe man die Neubeschilderung nach dem Umbau genutzt, um Tempo 70 einzuführen, bestätigt Frank Racherbäumer, Leiter der Verkehrsabteilung. Das sei mit dem Landesbetrieb Straßen NRW so abgestimmt. Dahinter stecke die Erfahrung, dass sich die Landesbehörde „nachträglich“ nur schwer von Tempo 100 abbringen ließe, wenn es einmal gilt. Bei der langen Geraden der Wetterstraße beispielsweise sei man diesbezüglich beim Landesbetrieb schon einmal auf taube Ohren gestoßen.

Warum aber überhaupt Tempo 70 auf dem Ruhrdeich? „Das erscheint uns sinnvoll und angemessen“, sagt Racherbäumer. „Es ist doch nur ein kurzes Stück bis zur Kurve, man verhindert die kurzen Beschleunigungsphasen.“ Zudem auch einen kleinen Schilderwald. Bei freier Fahrt, so Racherbäumer, „müssten wir am Ende das Tempo auf beiden Seiten über 70 km/h runtertrichtern auf 50. Schwere Unfälle habe es auf der Geraden noch nicht gegeben, räumt er aber ein. Und: „Ich behaupte nicht, dass unsere Entscheidung das Maß aller Dinge ist.“

„Aus unserer Sicht hätten keine Bedenken gegen Tempo 100 bestanden,“ sagt der Sprecher des Landesbetriebs Straßen NRW, Michael Overmeyer. „Die Straße ist gut ausgebaut und übersichtlich.“ Letztlich habe man sich hier den Sicherheitsbedenken der Stadt Witten gebeugt.

Fahrlehrer Harald Petzold (57) von der Fahrschule Domogalla ist ebenfalls für freie Fahrt auf dem Ruhrdeich und glaubt dabei die Mehrheit seiner Wittener Kollegen auf seiner Seite. Er sagt: „Man muss mit einem Fahrschüler auch mal üben, hundert zu fahren – das ist ja sonst in der Nähe von Witten kaum möglich. Die Straße ist gut ausgebaut und neu gemacht, was soll da die Einschränkung noch?“