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Knüppelharte Klänge zu tiefgründigen Texten

07.03.2016 | 15:57 Uhr
Knüppelharte Klänge zu tiefgründigen Texten
„Unsere Songs haben Tiefgang, aber wir wollen uns nicht allzu ernst nehmen“, sagt Gitarrist Daniel Teuchert (rechts). Zu Senseless gehören außerdem: Philipp Drees (Gitarre, von links), Jannik Teuchert (Schlagzeug), Joëlle „Yoyo“ Martens (Gesang) und Markus Radis (Bass). Foto: Walter Fischer

Witten.   Senseless aus Witten spielen Metal Core. Beim Metalfestival in Annen traten sie mit Bands auf, bei denen ebenfalls eine Sängerin am Mikro steht.

Sängerin Yoyo reckt ihren tätowierten, linken Arm in die Höhe und brüllt inbrünstig ins Mikrofon. Das Publikum bejubelt die 20-Jährige, die eigentlich Joëlle Martens heißt, und reißt die Arme ebenfalls hoch. Die Wittener Band Senseless beendete am Wochenende mit ihren brachialen Klängen ein Metalfestival im Annener Jugendzentrum Famous.

Beim Festival im Famous waren auch Sacred Groove aus Kleve dabei. Foto: Walter Fischer

„Mädchen erobern nicht nur die Konzertbühnen, sondern auch die Licht- und Tontechnik“, sagt der Einrichtungsleiter Matthias Koch. Dass Frauen ebenso abrocken wie Männer und zudem genauso gute Techniker sind, will er mit dem Konzert zeigen, das bewusst kurz vor dem Weltfrauentag steigt. Zusammen mit dem Verein „Metal for Mercy“ hat er ausschließlich Bands mit Sängerinnen gebucht: Mosh Ass (Solingen), Sacred Groove (Kleve), Mayze (Kreis Recklinghausen), Sariola (Duisburg) und natürlich Senseless aus Witten.

So entstand eine große musikalische Bandbreite von melodiös über rockig zu knüppelhart. Gerade das findet etwa Jan Liebig (20) aus Bochum sehr gut: „Die Bands, die hier spielen, haben echt was drauf.“ Über das Konzertmotto freut sich außerdem Julia Friedrichs aus Herne. „Bei Metal mag ich Sängerinnen generell lieber“, sagt die 19-Jährige. Sie könnten nicht nur ordentlich einheizen, „sondern auch sanftere Töne anschlagen“.

Auf gesungene Melodien folgen geschriene Passagen

Insbesondere Yoyo beweist das im Famous. Die junge Frau mit den blauen Haaren singt ebenso gerne Melodien, wie sie Textpassagen schreit. Letzteres ist typisch für ihre Musikrichtung: Metal Core, eine Mischung aus Heavy Metal und Hardcore. Dass sie vor rund vier Jahren zur Band und zu diesem Stil fand, war allerdings Zufall.

Sie suchte eine neue Formation und kam mit Gitarrist Daniel Teuchert ins Gespräch, der damals zu einer rockigen Popband gehörte. Zwar brauchte diese keine Sängerin, dafür aber ein Metalprojekt, aus dem Senseless werden sollte. „Ich mag Metal mit Frauen, die singen und schreien“, sagt der 22-Jährige Wittener. Yoyo passte perfekt, allerdings übernahmen zunächst andere Bandmitglieder die sogenannten Screams.

Lieder mit Tiefgang sollen bei Auftritten auf verrückte Ideen treffen

Als sie aus der Band ausschieden, versuchte sich Yoyo erstmals daran. „Es war eine Überwindung“, erinnert sich die Sängerin, doch seit zwei Jahren sind ihre Schreie fester Bestandteil ihrer Lieder. „Ich verpacke eigene Erlebnisse in unseren Songs“, sagt die junge Frau. So greife etwa das Lied „Never Say Never“ auf, „was mir meine Mama immer gesagt hat: Sag niemals nie. Kämpfe um deine Träume und kämpfe um deine Liebe“.

Als Kontrast zu den Texten steht allerdings der Bandname, der „sinnlos“ bedeutet. „Unsere Songs haben Tiefgang, aber wir wollen uns nicht allzu ernst nehmen“, sagt Daniel Teuchert. „Deshalb bauen wir auch einige verrückte Sachen in unsere Auftritte ein.“ Mal verteilten sie Pizza im Publikum, ein anderes Mal sogar Möhren.

Für das Famous hat sich Senseless ebenfalls etwas Unerwartetes ausgedacht. Gitarrist Daniel Teuchert bläst zunächst auf der Trompete eine spaßige Meldodie, die sogleich von wummernden Technobässen begleitet wird. Die Band tanzt dazu vergnügt, springt auf und ab, ihre Zuhörer ebenfalls, bevor es mit brachialem Metal weitergeht. Später geht Yoyo runter ins tanzende Publikum. Mit einem fröhlichen Lächeln lässt sie mitsingen und holt ihre beste Freundin Carina Lange auf die Bühne, damit sie mitsingt. Die Botschaft ist klar und wird befolgt: „Lasst uns Party machen!“

Viele Festivalbesucher waren das erste Mal auf einem Metalkonzert

Da beim Festival in Annen viele Zuschauer dabei sind, die offenbar das erste Mal ein Metalkonzert besuchen, kommt der szenetypische Pogo, bei dem das Publikum gegeneinander springt, nur zaghaft auf. Zudem fehlt das beim Hardcore und Metal Core übliche „Violent Dancing“ mit eingesprungenen Tritten und Ellebogenschlägen. Doch das ist an dem Abend ganz im Sinne von Senseless, die den Auftritt sichtlich genießen. „Die sind wirklich gut“, findet Veranstalter Matthias Koch – er und seine Wetteraner Kooperationspartner „Metal for Mercy“ werden die Wittener Band bestimmt erneut buchen.

Oliver Kühn

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Knüppelharte Klänge zu tiefgründigen Texten
Knüppelharte Klänge zu tiefgründigen Texten
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2016-03-07 15:57
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