Knöllchen für die Gesundheit
20.02.2012 | 15:21 Uhr 2012-02-20T15:21:00+0100
Witten.Dass es an der Ruhrstraße in Fahrtrichtung Rathaus einen schönen Parkstreifen gibt, das weiß jeder Wittener Autofahrer. Dass zwei Parkplätze in Höhe Haus Nr. 7 aber für den Lieferverkehr reserviert sind, das erschließt sich nicht jedem.
Den Politessen allerdings schon. Als der Brief vom Ordnungsamt kam, da war Simone Johanning (46) aus Annen doch einigermaßen überrascht. Denn in dem Schreiben wird ihr als „Verkehrsordnungswidrigkeit“ vorgeworfen: „Sie parkten im Halteverbot.“ 15 Euro soll das kosten, und Simone Johanning war fassungslos: „Ich habe doch einen Parkschein für eine halbe Stunde gezogen und die Parkzeit nicht mal voll ausgenutzt.“ Das stimmt; neun Minuten, rechnet ihr die Stadt vor, habe sie zwischen 12.11 und 12.20 Uhr mittags die Ladezone blockiert.
Zahlen oder protestieren und damit ein Bußgeld nebst 23,45 Euro Nebenkosten riskieren, wenn der Einwand abgewiesen wird? Simone Johanning hat das getan, was die meisten machen: Sie hat sich geärgert und dann die 15 Euro überwiesen.
So wie auch Andrea Hupfeld, die an gleicher Stelle mit fünf Euro dabei war. „Ich bin zurückgekommen, bevor die Parkzeit abgelaufen war“, erzählt sie, „aber da war der Zettel vom Ordnungsamt schon hinter dem Scheibenwischer.“ Auch sie hat das Knöllchen widerspruchslos bezahlt und fragt sich, wie oft auf dem kleinen Raum wohl Lieferwagen stehen und Waren bringen.
Gestern jedenfalls stand dort keiner. Der einzige Lastwagen blockierte etwas weiter unterhalb der „Burg“ drei bewirtschaftete Parkplätze und stand auch noch gegen die Fahrtrichtung (nein, nein, kein Nummernschild an dieser Stelle, auch keine Namen, so was machen wir nicht, der Gerüstbauer wird schon wissen, dass er gemeint ist).
Die Ladezone dort hat natürlich einen Sinn. Sagt eine Mitarbeiterin der Verkehrsabteilung. „Wir haben an der Ruhrstraße hohe Immissionswerte. Dem Luftreinhalteplan zufolge ist das eine Problemzone. Um den Verkehr flüssig zu halten und das illegale Halten in der zweiten Reihe zu unterbinden, haben wir diese Ladezone für den Lieferverkehr reserviert.“
Rückstau mit Schadstoff-Ausstoß
Hier gehe es vor allem darum, die Gesundheit der Bürger zu schützen, denn durch das Halten in zweiter Reihe bilde sich schnell ein langer Rückstau auf der Ruhrstraße mit entsprechendem Schadstoffausstoß.
Immerhin: „Dass die Beschilderung an dieser Stelle vielleicht nicht ganz einfach ist, das mag sein“, räumt die Mitarbeiterin der Verkehrsabteilung ein. „Aber man sollte von Autofahrern schon erwarten, dass sie sich die Verkehrsschilder auch genau ansehen.“
Sollte im Übrigen jemand seinen Pkw dort be- oder entladen, werde selbstverständlich kein Strafmandat fällig. „Das muss natürlich entweder an Ort und Stelle oder später bei uns nachgewiesen werden.“
22:59
Markierungen auf dem Asphalt der Ladezone könnten hier helfen, dass sich Autofahrer sich nicht wegen des Knöllchens für (unbewusstes) Falschparken ärgern und die Politessen die unangenehme Arbeit des Knöllchenschreibens erspart bleibt...