Knapp 500 Kinder sind in Witten von Kita-Streik betroffen

Willkommen in der Not-Kita: Ute Brinkmann, Leiterin der städtischen Tagesstätte an der Luisenstraße, begrüßt Beata Baran aus Vormholz, die ihre Zwillinge David und Alissa am Montagmorgen (11.5.) erstmals vorbeibringt.
Willkommen in der Not-Kita: Ute Brinkmann, Leiterin der städtischen Tagesstätte an der Luisenstraße, begrüßt Beata Baran aus Vormholz, die ihre Zwillinge David und Alissa am Montagmorgen (11.5.) erstmals vorbeibringt.
Foto: Jürgen Augstein
Am ersten Tag des Kita-Streiks blieb es auffällig ruhig – in den vier geschlossenen städtischen Kindergärten sowieso, aber auch in den Not-Kitas.

Witten..  Wo sonst Kinder lärmen, herrscht himmlische Ruhe. Man hört Vögel zwitschern, mitten in der Stadt. Vereinzelt kommen Mütter oder Väter mit ein oder zwei Kleinen an der Hand durch die Tür der Not-Kita. Kindergarten-Streik, Tag eins. Wo ganz zu ist, wie an der Bachschule, hängt ein Plakat: „Wir kommen wieder, wenn die Arbeitgeber uns endlich ein Angebot machen!“ Vielleicht ja erst in zwei Wochen...

Acht Uhr morgens, Luisenstraße. Wo sonst an die 90 Kinder in fünf Gruppen betreut werden, ist heute Ausnahmezustand. Sieben von sonst 22 Erzieherinnen streiken, es gibt nur drei statt fünf Gruppen, die Öffnungszeiten sind reduziert, eine Springerin und eine Kollegin aus der Bachschule helfen aus, Essen musste ab- und neu bestellt werden. Aber, und das ist für die berufstätigen Eltern, die ihre Kinder bringen, entscheidend: Diese Kita ist offen!

Opa und Oma ausgerechnet jetzt im Urlaub

Wer weder auf Oma, Opa oder eine Tagesmutter zurückgreifen kann, bekam einen Platz in der Notgruppe. Wie Beata Baran, die sich sonst unbezahlten Urlaub hätte nehmen müssen. „Ich bin so froh“, sagt die 28-jährige, die gerade ihre zweijährigen Zwillinge David und Alissa bringt. Ausgerechnet jetzt seien ihre Eltern verreist.

Normalerweise besuchen die Kinder von Beata Baran die städtische Kita in Vormholz. Die ist aber komplett dicht, ebenso wie die kommunalen Kindergärten in Buchholz, an der Bach- und Erlenschule. Knapp 500 Kinder sind betroffen. Eltern, die selbstständig keine Betreuung organisieren konnten, haben vom Jugendamt einen Platz in einer der drei Notgruppen bekommen: an der Luisenstraße, wo auch Kinder der Bachschule und Vormholz unterkommen, in Durchholz, die Kinder aus Buchholz aufnimmt, oder an der Wemerstraße in Rüdinghausen, wo ebenfalls Kinder der Erlenschule einen Platz finden.

Ein Kind blieb im Flur sitzen

Zwischenfälle gibt es bisher kaum. Ein Kind aus Buchholz soll sich zunächst geweigert haben, in die fremde Kita in Durchholz zu gehen,. „Es hat sich eine Stunde allein in den Flur gesetzt“, weiß Monika Wittrien vom Jugendamt. Dank liebevoller Ansprache habe man es dann aber doch noch überreden können... In zwei Fällen sagten Eltern kurzfristig den Platz in der Not-Kita ab, weil der eigene Sprössling dort partout nicht hinwollte. Fazit des Jugendamtes nach dem ersten Streiktag: „Mit 40 bis 50 Kindern in den Notgruppen haben wir alle untergebracht, die sich bei uns auf die Liste setzen ließen. Wir mussten niemanden abweisen.“

Für Not-Kitas wie die Luisenstraße war es wichtig, dass die fremden Kinder „erst einmal gut ankommen“, wie Leiterin Ute Brinkmann sagt. Im Foyer begrüßt sie die Neuankömmlinge, deren Namen auf einer Liste stehen. „Guten Morgen, ihr zwei. Ihr kennt mich noch gar nicht“, sagt sie zu den Zwilligen von Beata Baran. Es folgt Vanessa, die Glück hat und keine andere Kita besuchen muss. Ute Brinkmann: „Bitte in die Clowngruppe, wie gehabt!“