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Kleine Zeugniskonferenz

20.06.2007 | 08:36 Uhr

Wenn Schüler Noten vergeben - eine Umfrage am letzten Schultag So schlecht schneiden die Lehrer und Witten gar nicht ab

Das Schuljahr ist um und Wittens Lehrer haben offenbar gute Arbeit geleistet: Bei einer Mini-Umfrage auf dem Rathausplatz bekamen sie am Mittwoch, dem letzten Schultag, gute Beurteilungen von ihren Schülern. Was sonst noch im Zeugnis stehen würde: Drei haben es uns verraten.

Jonas Beckmann vom Schiller-Gymnasium gibt den Lehrern eine 3+: "Weil da einige richtig Gute dabei sind", sagt er "aber leider nicht alle." Eine 4 gibt der Zehntklässler seinem Schulgebäude - das habe einen "Sound wie ein Gefängnis" und sei überdies viel zu klein. Eine 2+ würde er für den Hausmeister seiner Schule vergeben und eine 2- für die Bogestra, die ihn jeden Morgen hinbringt. Verspätungen sind's, die das Verkehrsunternehmen die glatte Note gekostet haben. Und die Stadt, in der er lebt? "Witten bekommt von mir eine 1-. Das ist meine Stadt, das sind meine Leute", sagt Beckmann. Ob er die Atmosphäre mit einem Wort beschreiben könne? "Party", sagt er. Worte können so viel präziser sein als Zahlen.

Kevin Knoche war bis gestern im elften Jahrgang des Berufskollegs. Er hat eine gute Nachricht für seine Lehrer: Sie stehen auf einer glatten 2. "Die sind alle total nett", sagt er. "Und außerdem stellen sie keine Anforderungen, die man nicht erfüllen kann." Eine 4 vergibt er fürs Schulgebäude, das seinen Zweck erfülle, aber nicht gerade schön anzuschauen sei. Bogestra: ebenfalls nur "ausreichend". Schuld sind Busfahrer, die an Kevins Umsteige-Haltestelle nicht warten, obwohl er Anschlussgarantie hat. Und Witten gibt er eine 3: "Eigentlich eine schöne Stadt. Eine, in der nicht so viele Leute sind, die Stress machen und einen anpöbeln." Knoche ist froh, dass er sicher durch die Straßen seiner Stadt gehen kann, auch nachts.

Julia Ronnacker gibt ihrer Heimatstadt eine 2. "Ich liebe Witten, besonders seit ich in Amerika war, bei den Cowboys in Oregon. Die Leute in Witten sind total verrückt, das finde ich gut." Und dann nur eine 2? Ihren Lehrern jedenfalls gibt die Schülerin aus der Stufe elf des Ruhrgymnasiums eine 3+. "Die meisten setzen sich ein und sind lustig drauf - das ist das Wichtigste." Versetzungsgefährdet ist allerdings die Bogestra. "Abzocker sind das", sagt die junge Frau, und begründet ihre 5 mit den 2,50 Euro, die sie jedes Mal zahlen muss, wenn sie das Schoko-Ticket oder ihren Schülerausweis gerade nicht dabei hat. "Das ist dann wieder ein Kaffee weniger in der Freistunde beim Marktkieker." Mehr Freude bereitet ihr dagegen der Hausmeister des Ruhr-Gymnasiums. Der sehe aus wie DJ Ötzi und sei einfach cool, sagt sie. Und cool heißt: eine glatte 2.

Von Achim Beer

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