Kindergarten Augustinchen macht dicht

Noch wird gehämmert in der ev. Tageseinrichtung Augustinchen in der Augustastraße - doch die Schäden sind so gravierend, dass die Einrichtung schließen muss.
Noch wird gehämmert in der ev. Tageseinrichtung Augustinchen in der Augustastraße - doch die Schäden sind so gravierend, dass die Einrichtung schließen muss.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Weil die Tageseinrichtung in der Augustastraße in der Innenstadt in Witten marode ist, nimmt sie keine Kinder mehr auf. Wie es in Zukunft für betroffene Familien und Mitarbeiter weiter geht

Witten..  Das Aus des Kindergarten Augustinchen ist beschlossene Sache. Mit Beginn des neuen Kindergartenjahres wird die evangelische Einrichtung an der Augustastraße keine neuen Kinder mehr aufnehmen. Grund: Die Innenstadt-Kita ist marode. Die Einrichtung müsste grundlegend saniert werden, die Kosten werden mit 1,5 Mio Euro beziffert. Eine Summe, die offenbar weder die Kommune noch die Kirche investieren kann und will. Ein Versuch, über den U3-Ausbau Unterstützung durch Landesmittel zu erhalten, scheiterte zuletzt an der zumindest rechnerischen Deckung des Bedarfes in Witten.

Kinder werden bis zum letzten Tag betreut

„Wir bedauern diesen Schritt zutiefst, sehen aber momentan keine Alternative zur schrittweise Schließung“, erklärt Pfarrer Martin Treichel, Vorsitzender des Trägerverbundes Evangelischer Kindertageseinrichtungen. Immerhin: Jedes der 90 Kinder, die momentan die Einrichtung besuchen, soll bis zum letzten Tag betreut werden. Die zwölf pädagogischen Mitarbeiterinnen werden im Trägerverbund anderweitig eingesetzt.

Für Marion Bausen ist das Aus ihres Kindergartens dennoch eine kleine Katastrophe. „Als Innenstadt-Kindergarten sind wir gerade für Migrantenfamilien und Familien mit schwierigem sozialen Hintergrund eine feste Größe. Wenn wir zu machen, wissen viele Eltern nicht, wie es weiter gehen soll“, sagt die Kita-Leiterin. Gerade in dieser Woche habe sie noch eine Mutter abweisen müssen. „Die umliegenden Kindergärten sind voll. Ich weiß nicht, wo ich die Eltern hinschicken soll“, sagt Bausen.

Geschwisterkinder zur Bergerstraße und Sandstraße

Die 40-jährige Kita Augustinchen zeigt seit Jahren Verfallserscheinungen. „Wir haben immer wieder geflickt, aber jetzt geht es nicht mehr“, so Bausen. Und das Augustinchen ist nicht die einzige Einrichtung mit Renovierungsbedarf. Der Ev. Kirchenkreis Witten-Hattingen hatte gerade erst die Kita an der Bergerstraße - ebenfalls ein Innenstadtkindergarten - für 550 000 Euro mit einem Anbau versehen. Hier hatten sich Kommune und Land an den Kosten beteiligt. An der Kita Bergerstraße und Sandstraße sollen jetzt auch die Geschwisterkinder aufgenommen werden, für die im Augustinchen kein Platz mehr ist.

Die Stadt zuckt hinsichtlich der Situation ratlos mit den Schultern. „Wir wüssten nicht, wo wir das Geld hernehmen sollten“, sagt Stadtsprecherin Lena Kücük.

Augustinchen auf der Tagesordnung

Im Jugendhilfeausschuss im Februar steht das Augustinchen auf der Tagesordnung. Allzu große Hoffnung hat Martin Treichel nicht. „Wenn den Politikern keine Finanzierungsidee kommt, sehe ich keine Zukunft für das Augustinchen.“