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Kendo-Bundestrainer besucht Witten

15.01.2012 | 17:36 Uhr
Kendo-Bundestrainer besucht Witten
Die Wittener Kendoka trainieren in der Sporthalle der Pferdebach-Schule. Derzeit haben sie Besuch von Bundestrainer Kenji Baba. Foto: Tanja Schneider \ WAZ FotoPool

Witten.Während Judo heute fast jedem Deutschen ein Begriff ist, ist der japanische Kampfsport „Kendo“ bislang noch eine Randdisziplin. Um den Kampfsport mit dem Bambusschwert stärker zu fördern, entsendet der japanische Dachverband jährlich einen hochgraduierten Profi nach Deutschland. Kenji Baba (48), der diesjährige Kendo-Bundestrainer macht derzeit auf seiner dreimonatigen Besuchsreise Station in Witten.

Anders als in Deutschland besitzt der traditionelle Kampfsport in Japan einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. „Kendo- oder wahlweise auch Judo-Training sind dort beispielsweise wichtige Bestandteile der Ausbildung von Polizisten“, erzählt Kenji Baba. Hauptberuflich ist der 48-Jährige einer der ranghöchsten Kendo-Ausbilder seiner Präfektur. In Okayama, etwa 700 km südwestlich von Tokio, unterrichtet er die Trainingsleiter der Polizeigruppen.

Der Kampfsport mit dem sehr sportlichen und wettkampforientierten Charakter, soll die Ordnungshüter in gleich mehrerer Hinsicht fit halten. „Wenn man Verbrecher jagt, muss man dieser Aufgabe nicht nur physisch, sondern auch psychisch gewachsen sein“, erklärt Baba, der selbst den Rang des 7. Dan inne hat. Zusätzlich zu den speziellen Festnahme-Techniken der Polizisten soll mit dem Üben der Kampfsportdisziplinen insbesondere die Konzentration und mentale Stärke geschult werden.

Bei seinem dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland jedoch hat es der Polizist jetzt ausschließlich mit Hobbysportlern zu tun. Selbst die deutsche Kendo-Nationalmannschaft, deren Herren- und Damenteams bei den Weltmeisterschaften der letzten Jahre mehrere Erfolge erzielen konnten, besteht nicht aus Profi-Sportlern. Als Bundestrainer wird es Kenji Babas Aufgabe sein, das Training der Nationalmannschaft und verschiedene Wettkämpfe zu beobachten und mit neuen Anregungen zu verbessern.

Zuvor aber befindet sich Baba-sensei (dt. Lehrer), wie er in Kendo-Kreisen ehrfürchtig genannt wird, auf einer mehrwöchigen Reise durch die ganze Bundesrepublik, um einzelne Landesverbände und Vereine zu besuchen. Diese Basis-Arbeit nimmt der Trainer sehr ernst. Trotzdem bleibt der 48-Jährige am liebsten bescheiden. „Ich möchte gemeinsam mit den Übenden etwas erarbeiten“, erzählt er. „Auch wenn man als Lehrer herkommt, ist und bleibt man beim Kampfsport immer auch selbst Übender.“

Obwohl er täglich neue Sporthallen-Visiten auf dem Reiseplan stehen hat, genießt Kenji Baba auch die vielen neuen Eindrücke, die er bei seinem ersten Deutschlandaufenthalt sammelt. Noch eine Woche lang ist er in Witten bei Dr. Sigrun Caspary, Japanologin und Trainerin der hiesigen Kendo-Gruppe, zu Gast und nutzt die freie Zeit, um gemeinsam mit den deutschen Sportlern das kulturelle Leben zu erkunden und deutsches Bier zu trinken.

„Ich freue mich sehr, dass ich - egal wo ich hinkomme - überall sehr warmherzig empfangen werde“, so Kenji Baba. Trotz Sprachbarrieren und Kulturunterschieden fühle er sich mittlerweile fast heimisch. „Wir trainieren doch alle das gleiche Kendo. - Für Sportler gibt es keine Grenzen.“

Anna Ernst

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