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Keine Tabletten mehr in der Galerie

18.06.2012 | 18:02 Uhr
Keine Tabletten mehr in der Galerie
„Wir bedauern, dass wir uns nicht persönlich von Ihnen verabschieden konnten“, heißt es auf dem Plakat in der Eingangstür. Am Ende schloss die Apotheke in der Stadtgalerie schneller als erwartet. Sie schrieb von Beginn an rote Zahlen. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Witten. Die Stadtgalerie verliert den nächsten Mieter: Seit Montag hat die Apotheke geschlossen. Es ist bereits das neunte Aus eines Ladenlokals seit der Eröffnung des Einkaufscenters 2009. Alle vier Mitarbeiter wurden entlassen.

„Die Zahl der Kunden hat nicht gereicht, um das Geschäft weiterzuführen“, erklärt Mechthild Voos (52), die auch eine Apotheke in Hagen führt. Man habe von Beginn an, also seit Eröffnung der Galerie, rote Zahlen geschrieben. Die Apothekerin kämpfte trotz aller Verluste um einen Verbleib in Witten, bat die Vermieterin, die Concepta Projektentwicklung, um eine Mietminderung. „Darauf ist sie nicht eingegangen“, kritisiert Mechthild Voos.

Auch an anderen Stellen habe die Concepta versagt, so Mechthild Voos. Die Beschilderung im Einkaufszentrum sei „eine Katastrophe“, Verbesserungsvorschläge seien „nicht zur Kenntnis genommen worden“ – auch vom Management. Bei Ex-Stadtgalerie-Leiterin Sandra Grosse „biss man auf Granit“, sagt die Apothekerin. Nachfolgerin Kerstin Huttanus sei „offener“.

Ein weiterer Kritikpunkt: Vor Vertragsunterzeichnung habe die Concepta mehr Kunden in Aussicht gestellt. „Es wurde mit 10 000 Besuchern der Stadtgalerie pro Tag geworben“, kritisiert Voos. „Vermutlich ist es nicht mal die Hälfte.“ Das Center-Management konnte auf Anfrage keine Angaben zu Besucherzahlen machen. Sie würden nicht erfasst, heißt es. Letztlich stellt Mechthild Voos fest: „Die Stadtgalerie war ein Fehler.“

Center-Managerin Kerstin Huttanus (47) wusste seit einigen Wochen von dem Aus der Apotheke. Da war aber noch die Rede vom 30. Juni. „Dass die Apotheke schon am 18. schließt, habe ich erst in der vergangenen Woche erfahren.“ Zurzeit verhandele man mit Inhaberin Mechthild Voos um die Auflösung des Vertrags, der noch siebeneinhalb Jahre läuft. Man sei gesprächsbereit, so Kerstin Huttanus.

Zeitgleich läuft die Suche nach einem Nachmieter auf Hochtouren. Geplant ist, dass wieder eine Apotheke in den 200 Quadratmeter großen Laden im Erdgeschoss einzieht. Die Chancen stehen offenbar gut. Huttanus: „Noch ist der Vertrag nicht unterschriftsreif. Wir bemühen uns aber, den Verkaufsraum bis Ende Juni zu belegen.“

Es ist nicht die einzige Baustelle, an der die 47-Jährige arbeitet. Insgesamt sechs Ladenlokale stehen derzeit in der Stadtgalerie leer. Erst im April hatte der Betreiber von „Runners Point“ sein Geschäft aufgegeben. Er hatte sich mit der Zentrale des Sportartikel-Ausstatters überworfen. „Für alle geschlossenen Geschäfte laufen Gespräche mit Bewerbern“, so Geschäftsführerin Kerstin Huttanus.

„Ich könnte mir ein Unterwäschegeschäft oder einen Herrenausstatter in der Stadtgalerie vorstellen.“ Dem Italiener „Pinocchio“ soll wieder ein Restaurant folgen. Zudem sollen Beschilderungen kundenfreundlicher und die Stadtgalerie familiärer. Geplant ist auch ein kostenloser Interzugang auf allen Etagen.

Apothekerin Mechthild Voos macht sich derweil daran, ihre übrig gebliebenen Medikamente loszuwerden. „Entweder an andere Apotheken oder den Großhandel.“ Eine gute Nachricht gebe es aber schon jetzt. Die entlassenen Mitarbeiterinnen hätten „gute Angebote“ von anderen Arbeitgebern.

INFO: Welches Geschäft ging, welches kam

2010: Auf das italienische Restaurant „Colosseo“ folgt „Nudelland“. Auch der Spanier „Il Sole“ geht. Der Dönerladen, der direkt nebean war (dort ist nun ein Lottoladen), zieht dafür dort ein. Für das Spezialitäten-Geschäft „da bacco“ kommt das italienische Restaurant „Pinocchio“.

2011: Eiscafé Venezia schließt vor der Stadtgalerie und im 2. Stock (dort nun das Kleinwarengeschäft „Deco“). Auch das Modegeschäft „Mexx“ (jetzt: „Tom Tailor“) und Café „Meyerbeer“ (Obergeschoss) machen dicht.

2012: Der Italiener „Pinocchio“, „Runners Point“ und die Apotheke ziehen aus (noch keine Nachmieter)

Dennis Sohner



Kommentare
21.06.2012
10:04
Keine Tabletten mehr in der Galerie
von MrCola | #9

Den ganzen Bau wieder abreissen und die Fußgängerzone wieder mehr beleben so wie früher!! Alle waren zufrieden damit!

20.06.2012
15:36
Keine Tabletten mehr in der Galerie
von ratzefummel | #8

gut so,
als sie eröffnung hatte sah ich da auch schon mal schwarz gekleidete verkäuferinnen fehlte nur noch die burka.habe sofort davon abstand genommen,gehe sowieso selten in die galerie.früher die apotheke zur post wurde von mir häufiger aufgesucht.aber wer ist schon seinem geld böse und kauft arznei ohne rezept noch in der apotheke vor ort.wozu gibt es das internet.der sitz muss ja nicht unbedingt im ausland sein,und von beratung habe ich hier vor ort auch noch nichts gespürt nur das man nur mein bestes will mein geld-

20.06.2012
10:40
Keine Tabletten mehr in der Galerie
von vomDach | #7

Hallo Zecke, bei den Bäckern gibt es den Billig-Bäcker, bei den Apotheken leider nicht.

1 Antwort
Kein Wettbewerb
von Zecke | #7-1

Doch, die gibt es, aber nicht in Witten!

In den Wittener Apotheken gibt es keinen Wettbewerb, außer bei der gegenseitigen Überbietung mit albernen Werbepräsenten, z. B. Tempotücher gegen Seife gegen Gewürzsalz! Unsere Oma geht immer da hin, wo es am meisten gibt, die Sachen stapeln sich unbenutzt bei ihr in einer speziellen Schublade.

Es gibt jede Menge Medikamente, die keiner Preisbindung unterliegen, aber da hackt hier keine Krähe der anderen ein Auge aus - null Wettbewerb! Selbst bei den "Sonderangeboten" sind sie sich einig.
Es gibt seriöse deutsche Versandapotheken, die verkaufen nicht verschreibungspflichtige Medikamente bzw. nur in Apotheken erhältliche Kosmetika 20 - 40 % unter dem empfohlenen Verkaufspreis. Kürzlich wurde mir vom Arzt eine Handgelenksmanschette verschrieben, Kostenpunkt im hiesigen Fachhandel mehr als 80 Euro, die auch von der Kasse anstandslos gezahlt wurden. Später entdeckte ich das gleiche Modell, derselbe Hersteller, für 24 Euro in einer Versandapothe.

20.06.2012
08:55
Keine Tabletten mehr in der Galerie
von reesinho | #6

Wie wäre es den mit einem Friseur oder ein Nagelstudio,Handyladen nicht vergessen, gibt es in Witten doch kaum.

19.06.2012
20:44
Keine Tabletten mehr in der Galerie
von Zecke | #5

Witten braucht weder eine Filialapotheke aus Hagen in der Stadtgalerie noch weitere neue Apotheken in der Innenstadt.
In der Innenstadt gibt es fast genauso viele Apotheken wie Bäcker. In den Apotheken arbeitet mehr und besser bezahltes Verkaufspersonal als in den Bäckereien. Dieses Missverhältnis sollte uns zu denken geben.
Die Deutschen gehen zu oft zum Arzt und bekommen demzufolge viel zu viele Medikamente verordnet. Schon vor fünf Jahren wurden ca. 30 % davon nicht verbraucht und jährlich Medikamente im Wert von weit über 3 Milliarden Euro weggeworfen. Neuere Zahlen habe ich leider nicht gefunden, aber ich bin sicher, dass die Kosten aufgrund steigender Arzneimittelpreise nicht weniger geworden sind.

http://publik.verdi.de/2007/ausgabe_03/gesellschaft/zukunft/seite_16/A0

19.06.2012
17:26
Keine Tabletten mehr in der Galerie
von Herr_Matthias | #4

Viel Sinn macht eine Apotheke in der Stadtgallerie nicht. Oder befindet sich dort auch eine Arztpraxis?

Es ist kein Zufall, dass sich eine Apotheke in der unmittelbaren Nähe eine Arztpraxis befindet

19.06.2012
16:05
Keine Tabletten mehr in der Galerie
von buntspecht2 | #3

So empfelendswert sind die Geschäfte in der Galerie auch nicht zun beispiel C&A hat höchstens ein zentel der Ware im Angebot wie in ihren Geschäften in Dortmund oder Bochum da fährt der Kunde doch lieber weiter dort hin

19.06.2012
08:47
Keine Tabletten mehr in der Galerie
von reesinho | #2

Was ist den ein "kostenloser Interzugang"?

18.06.2012
18:56
Keine Tabletten mehr in der Galerie
von CarstenRensinghoff | #1

Nun das ist bitter für die Apotheke und den darin Arbeitenden. Aber ich nutze in der Stadtgalerie auch nur die Post. Wenn dieses Unternehmen woanders wäre, dann würde ich die Stadtgalerie nie beteten. Für mich als Gehbehinderter ist sie zu schlecht erreichbar. Da nutze ich dann die Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt, die ich mit dem ÖPNV gut erreichen kann. Für das Projekt Apotheke sehe ich ohnehin schwarz, da der kranke Mensch, der sowieso schon schlecht zurecht ist, schwer bis gar nicht die Kraft aufbringen kann um einen längeren Fußweg von der nächsten Haltestelle des ÖPNV in die Apotheke in der Stadtgalerie zurückzulegen. Apotheken in der Bahnhof- und in der Ruhrstraße haben ihren Standort, aufgrund der Erreichbarkeit mit dem ÖPNV, eindeutig besser gewählt. Und - viele Apothekenkunden sind ältere und nicht mobile Menschen, die kein Auto besitzen, die dann aber eine gut erreichbare Apotheke benötigen! Das ist aber meine eigene Meinung und keine Behauptung tatsächlicher Art!

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