Keine Burger, aber Tiefkühlkost
08.09.2009 | 15:41 Uhr 2009-09-08T15:41:00+0200
Für ungesundes Essen müssen Schüler nicht zum Burger-Brater laufen – sie bekommen es schon in der Schulmensa serviert. Das ist das Fazit einer Recherche des WDR in nordrhein-westfälischen Schulen. Ganz so schlimm ist es in Witten nicht, ergab eine Umfrage unserer Zeitung in den Mensen.
Für ungesundes Essen müssen Schüler nicht zum Burger-Brater laufen – sie bekommen es schon in der Schulmensa serviert. Das ist das Fazit einer Recherche des Westdeutschen Rundfunks in nordrhein-westfälischen Schulen. Ganz so schlimm ist es in Witten nicht, ergab eine Umfrage unserer Zeitung in den hiesigen Mensen. Frisch Gekochtes aber ist Mangelware bei der Wittener Schulspeisung, aufgewärmte Tiefkühlkost die Regel.
Selbst kochen wäre zu teuer und aufwändig
Meist kommt das Essen von Apetito oder von anderen Catering-Firmen, auf der Speisekarte stehen drei Gerichte, wovon das vegetarische noch am ehesten Gemüse und Vollkorn enthält. Das Mittagessen vor Ort zu kochen ist zu aufwändig und teuer, wie Brigitte Olmer von der Borbachschule erklärt. Sie gab die Küche vor zwei Jahren auf. „Die Hygieneauflagen waren einfach zu streng”, so die Schulleiterin. Lehrerin Ulrike Gerstner vom Albert-Martmöller-Gymnasium pflichtet bei: „Selbst 400 Euro für eine Köchin wären bei unserem Etat für die Übermittag-Betreuung nicht drin.” Dort gibt es einen Imbiss wie Röstis, Krautbrötchen und Hamburger (mit Salat), bis die Küche für die Zubereitung von Tiefkühlmenüs fertig ist.
In vielen Einrichtungen wird das Essen mit Rohkost, Obst oder frischen Salaten aufgepeppt. Dass Kinder Gemüse und Obst generell ablehnten, können die Schulen nicht bestätigen. Schon allerdings, dass eine breite Lebensmittel-Auswahl in der Kinderkost nicht so selbstverständlich ist, wie sie es nach Ansicht von Ernährungsexperten sein sollte. „Blumenkohl, Brokkoli und Kohlrabi sind für manche ein Fremdwort”, drückt es Marion Heile, pädagogische Kraft im Offenen Ganztag der Borbachschule, aus.
Schulmensa konkurriert mit Imbissstuben
Die eine oder andere elterngeführte Cafeteria hält auch Süßigkeiten bereit, so etwa in der Helene-Lohmann-Realschule oder im Schiller-Gymnasium. Dessen Schulleiter Gerhard Koch nimmt die Kritik an der Schulverpflegung ernst: „Wir sind auf dem Weg. Aber wir müssen noch viele Gespräche führen.” Zudem konkurriere man mit den Imbissen in der Innenstadt. Koch hält es für bedenklich, dass die Eltern ihre im Ganztag betreuten Kinder vom Mittagessen abmelden können.
Vollwertprodukte gibt es eher selten von den Fremdfirmen, Bio-Kost ist laut Kirsten Sonja Schikorr vom Ruhr-Gymnasium bei Menüpreisen von etwa drei Euro „nicht finanzierbar”. Currywurst hingegen steht ab und an auf dem Speiseplan. „Die Kinder lieben die. Wir versuchen bei solchen Speisen durch gesunde Beilagen auszugleichen”, so die Schulleiterin.
Die Optik zählt
Petra Kochskämper hat an der Essensausgabe im Schillergymnasium beobachtet, dass Schulessen auch eine Geschlechterfrage ist: „Die Jungs essen lieber das zweite Schnitzel, die Mädchen gerne Salat. Und die jüngeren Kinder essen noch mehr Gemüse.” Auch auf die Optik kommt es an, so die Hauswirtschafterin, ob die Erbsen gegessen oder gezählt werden. Bei manchen kann das Gemüse aber noch so hübsch sein: „Schulessen? Schmeckt nicht”, finden einige Jugendliche auf dem Weg zurück zur Schule, den Burger aus dem Innenstadt-Imbiss in der Hand.
23:22
Bei dem Mittagessen im Ruhr-Gymnasium wurden Salat / rohes Gemüse von Beginn an nicht angeboten, mit dem Hinweis die meisten SchülerInnen würden dies ohnehin nicht essen. Würde in Form einer Salatbar denjenigen Salat und Gemüse anfeboten, die es gerne essen, würden meine Kinder das Schulessen nochmals versuchen. Vorerst sind sie in der Stadt auf Nahrungssuche, im Gepäck wenigsten eine Tubberdose mit gesunder Beilage, die sie tatsächlich gerne! essen.