Kein Ruhrstrand, aber sonnig sitzen im Café Del Sol Witten

Zügig wächst jetzt das Gebäude des neuen Cafe Del Sol am Mühlengraben.  Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
Zügig wächst jetzt das Gebäude des neuen Cafe Del Sol am Mühlengraben. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
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Was wir bereits wissen
Zwar ist das Projekt Ruhrstrand in weite Ferne gerückt, aber man kann doch bald sonnig in Ruhrnähe sitzen. Nämlich im rasch wachsenden Café Del Sol.

Still liegt der Mühlengraben am Ruhrdeich. Ebenso still ruhte eine Zeit lang auch die Baustelle für das angrenzende Café Del Sol, nachdem auf dem Grundstück Öltanks und ein großes Wasserbecken entdeckt worden waren. Aber in den letzten Wochen gingen die Bauarbeiten dann wieder flott voran, so dass die Gastronomiekette ihre neue Filiale nun mit etwa einjähriger Verspätung im August auf dem ehemaligen Teppichland-Gelände eröffnen wird.

Viele Autofahrer werden sich die Augen reiben, wenn sie derzeit an der Ecke Ruhrdeich/Ruhrstraße vorbeikommen. Ist das tatsächlich das große neue Café-Gebäude, das hier so plötzlich aus dem Boden schießt? „Das geht nur, weil wir mit Fertigteilen arbeiten“, erklärt Zimmermann Jürgen Koelmann von der Firma Schmees und Lühn aus dem Emsland. Sie ist für die Errichtung des hölzernen Bauwerks zuständig, das an ein Café irgendwo im alten fernen Süden erinnert.

Bürger fragen nach alter Mauer

Mit fünf Kollegen errichten sie das Café im Kolonialstil mit 250 Sitzplätzen drinnen und 200 draußen am Mühlengraben. „Auch die etwa zwölf mal zwölf Quadratmeter messende Holzterrasse mit Blick aufs Wasser wird von uns gebaut“, so Koelmann. Etwa sieben bis acht Wochen brauche man, „bis wir das gesamte Gebäude fertig haben“.

Die vermutlich Freizeitflair verströmende Gastronomie, in die der Betreiber drei Millionen Euro steckt, hätte prima zur Planung „Witten an die Ruhr“ und „Grüner Strand“ gepasst. „Aber dieses Förderprojekt haben wir zugunsten der Entwicklung des Gewerbegebietes Drei Könige zurückgestellt“, so Barbara Bokel vom Planungsamt. Mit „Witten an die Ruhr“ sollten die Ruhrstraße aufgewertet und der Mühlengraben als Zugang zum Fluss erschlossen werden.

Eine Rampe sollte hinunter zum Mühlengraben führen, der Promenadencharakter erhalten hätte. Der Weg sollte unter dem Ruhrdeich hindurch Richtung Fluss ausgebaut werden und dann über eine kleine Brücke auf die Seite des „Grünen Strandes“ führen. Bei ihm würde es sich um die Fläche zwischen der Ruhr und dem Wasserwerk an der Bommeraner Brücke handeln. Das Gelände gehört dem Verbundwasserwerk, von dem die Stadt es dann pachten würde. Auf dem jetzt noch verwilderten Areal soll dann eine Spiel- und Liegefläche angelegt werden.

Doch bis es wirklich dazu kommen sollte, ist es noch ein weiter Weg. Viel realer ist dagegen die Entwicklung auf dem Teppichland-Gelände. An dessen oberem Rand wird gerade die wuchtige, etwa 50 Meter lange historische Begrenzungsmauer zur Wetterstraße hin abgerissen. Das führte schon zu irritierten Nachfragen Wittener Bürger. Die Mauer weicht zum einen aus statischen Gründen, weil darunter zu verfüllende, ehemalige Lagerräume sind, zum anderen, um von der Wetterstraße aus einen freien Blick aufs Gelände zu haben. Denn wer will schon seinen Latte macchiato hinter düsteren Mauern schlürfen?