Kein Personal – Stadt Witten lässt Friedhöfe verwildern

Unkraut so weit das Auge reicht: Gisela H. ärgert sich, dass die Schotterwege auf dem Friedhof Stockum von der Stadt nicht mehr gepflegt werden.
Unkraut so weit das Auge reicht: Gisela H. ärgert sich, dass die Schotterwege auf dem Friedhof Stockum von der Stadt nicht mehr gepflegt werden.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die Stadt Witten hat kein Personal, um Schotterwege von Unkraut zu befreien. Sie sollen „begrünt“ und dann gestutzt werden. Das sorgt für Unmut.

Witten.. Gisela H. steht vor dem Grab ihrer Eltern auf dem städtischen Friedhof in Stockum und schüttelt den Kopf. Auf dem Gehweg rund um die Gruft sprießen Klee und Löwenzahn, alte Schotterwege sind schon längst zugewachsen. „Die Stadt lässt den Friedhof verkommen“, klagt die 68-Jährige.

Stockum ist kein Einzelfall. Auch auf anderen städtischen Friedhöfen bahnt sich das Unkraut seinen Weg. Und das ist kein Zufall: Das zuständige Betriebsamt hat schlicht keine Leute, um die mühsame Arbeit auf und an den Schotterwegen zu verrichten. „Wir haben zwei Mitarbeiter weniger als vor zwei Jahren“, bilanziert Betriebsleiter Detlef Kottowski. Er verweist auf Personal- und damit Kosteneinsparungen der Stadt.

Zu wenige Mitarbeiter für zu viel Arbeit

Von „verkommen lassen“, wie Gisela H., will man in der Verwaltung aber nicht sprechen. Eher von „begrünen“. Nach und nach lasse man die Schotterwege auf den städtischen Friedhöfen bewachsen, kündigt der zuständige Mitarbeiter Bernd Ammersilge an. Das macht weniger Arbeit fürs vorhandene Personal. „Wir werden das Kraut schneiden. Mehr ist nicht drin“, sagt der Friedhofs-Experte. Früher hätten noch Schüler in den Ferien oder Ein-Euro-Jobber Unkraut gejätet. „Das ist alles weggefallen.“

Weggefallen sind eben auch die zwei Mitarbeiter seit 2013. Heute muss Bernd Ammersilge mit elf-einhalb Stellen fürs Rasen mähen, Hecken stutzen und Unkraut entfernen auf den Friedhöfen der Stadt auskommen: drei Mitarbeiter sind es in Heven und Annen, vier am Hauptfriedhof, eine halbe Stelle in Buchholz und eine in Stockum. „Personal zum Handeln haben wir nicht mehr.“

Sorgen um Sicherheit für Senioren

Das alles ist ein Ärgernis für Gisela H. „Das ist doch schrecklich. Das ist doch keine Wiese – das ist Unkraut. Bald wächst das auf meinem Grab“, sagt die 68-Jährige und blickt auf einen alten Weg, der schon zugewachsen ist. „Früher war das ein Schotterpfad, der zu einem gepflasterten Weg führte.“ Auch um die Steinplatten zwischen den Gräbern macht sich die Stockumerin Sorgen. „In ein paar Jahren, wenn das alles zugewachsen ist, ist von den Platten nichts mehr zu sehen. Und dafür hatte die Stadt mal viel Geld ausgegeben...“

Friedhofsbesucherin Doris Bruns denkt auch an die Sicherheit – gerade von Senioren. „Wenn ältere Leute über die bewachsenen Schotterwege gehen, kann da schnell was passieren. Die brechen sich den Hals. Vor allem, wenn das Gras so nass ist, wie jetzt.“ Davon, mit der „Begrünung“ der Pisten Gefahrenquellen für Senioren zu schaffen, will Bernd Ammersilge nichts wissen. „Es gibt entsprechendes Schuhwerk, das bei diesem Wetter nicht rutscht.“

Betriebsleiter Detlef Kottowski ist indes optimistisch, an neues Personal zu kommen, falls nötig. „Wir loten alle Möglichkeiten aus. Jetzt müssen wir aber mit denen auskommen, die wir haben.“