Junge Menschen besuchten KZ-Gedenkstätte in Annen

In Erinnerung an die Gefangenen des KZ-Außenlagers Buchenwald in Annen legte Olga (22) aus Estland Blumen am Mahnmal nieder.Foto:Jugendbildungsstätte  Berchum
In Erinnerung an die Gefangenen des KZ-Außenlagers Buchenwald in Annen legte Olga (22) aus Estland Blumen am Mahnmal nieder.Foto:Jugendbildungsstätte Berchum
Was wir bereits wissen
Junge Erwachsene aus Osteuropa und England haben die KZ-Gedenkstätte in Annen besucht. Sie nahmen an einem Ethik-Workshop in Hagen teil.

Zehn junge Erwachsene, überwiegend aus osteuropäischen Ländern, haben sich während der Osterferien in Annen auf die Spuren der Vergangenheit begeben. Sie besuchten die Gedenkstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald in der Westfeldstraße/Immermannstraße.

Die Besucher nahmen an einem Ethik-Workshop im Rahmen einer internationalen Tagung in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Berchum in Hagen teil. Hierzu gehörte eine Fahrt nach Annen.

Unter den Gästen war die 22-jährige Christina aus Moldawien, die meinte, es müsse doch bestimmt „ein eigenartiges Gefühl für die Anwohner sein, jeden Tag auf diese Gedenkstätte zu schauen“. Auch Vlad aus England zeigte sich „tief beeindruckt“ bei seinem Besuch. „Das ist ein sehr atmosphärischer Ort“, sagte der 25-Jährige, auch wenn man die ursprüngliche Größe des Geländes des KZ-Außenlagers nur erahnen könne. Die 19-jährige Olga aus Weißrussland betonte, dass sie die spezielle Atmosphäre dieses Ortes sogar körperlich gefühlt habe.

Friedensarbeit als Herausforderung

Die auf zwei großen Tafeln angebrachten Informationen über das Lager und dessen Insassen, überwiegend Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, waren für die jungen Besucher zusätzlich schockierend. Viele der Gefangenen kamen zwischen 1942 und 1945 durch Hunger, Kälte oder brutale Bestrafungen ums Leben.

Das Leben im Annener Lager wurde gut dokumentiert: Der französische Diplomat Albert Chambon veröffentlichte 1961 seine Erlebnisse unter dem Titel „81490“ (seine Häftlingsnummer). 130 Seiten der Autobiographie befassen sich mit Annen. Chambon schrieb etwa, dass der Lagerkommandant französische Zwangsarbeiter als Frosch über den Hof hüpfen ließ.

Das Programm wird von der EU gefördert

Im Gedenken an die Toten und Überlebenden legten die jungen Gäste Blumen an der Gedenkstelle nieder. Anschließend fuhren sie zum Kommunalfriedhof in Annen und besuchten die Gräberfelder für die 394 dort bestatteten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen.

In der Evangelischen Jugendbildungsstätte Berchum in Hagen findet traditionell in der Woche vor Ostern das „East-West-East“-Treffen statt. 75 Jugendliche aus zwölf Ländern wollten sich dieses Mal, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Das Motto: „Friedensarbeit als Herausforderung für jüngere Generationen in Europa.“

Das East-West-East-Projekt führt junge Menschen aus Ost- und Westeuropa zusammen. Das Programm wird von der Europäischen Union gefördert.