Jeder siebte Wittener Innenstadt-Bewohner ist überschuldet

Mitarbeiter vom Beratungsstellen suchen mit Betroffenen Auswege aus der Überschuldung.
Mitarbeiter vom Beratungsstellen suchen mit Betroffenen Auswege aus der Überschuldung.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hebeder, Stockumer und Rüdinghauser geraten seltener in finanzielle Not. Laut Schuldenatlas 2015 ist Lag im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert.

Witten..  Die Schuldnerquote in Witten ist 2015 geringfügig um 0,05 Prozentpunkte gestiegen. 11,90 Prozent der Wittener Bürger konnten im vergangenen Jahr ihren finanziellen Verpflichtungen nicht vollständig nachkommen. Damit liegt die Stadt deutlich über dem bundesweiten und knapp über dem landesweiten Schnitt. Im Vergleich mit anderen Ruhrgebietsstädten ist die Überschuldungssituation in Witten jedoch noch relativ entspannt.

EN-Kreis schneidet besser als Revier-Städte ab

Der Finanzdienstleister Creditreform hat den Schuldneratlas 2015 für das Ruhrgebiet veröffentlicht. Aufgezeigt wird darin die Überschuldung privater Verbraucher. Überschuldung liegt demnach dann vor, wenn die zu leistenden monatlichen Gesamtausgaben höher sind als die Einnahmen und sich daran in absehbarer Zeit auch nichts ändert. Die Zahlen für Witten weisen kaum Veränderungen auf. 2014 waren 11,85 Prozent der Wittener Privatpersonen verschuldet, 2015 waren es 11,90 Prozent. Am höchsten ist die Quote in der Innenstadt mit 15,47 Prozent (-0,12), am niedrigsten in Stockum, Düren und Rüdinghausen mit 7,84 Prozent (-0,04). Zum Vergleich: Im EN-Kreis liegt die Quote bei 10,89 Prozent, in Nordrhein-Westfalen bei 11,52 Prozent und bundesweit bei 9,92 Prozent. Duisburg (16,20), Gelsenkirchen (16,72) und Herne (17,07) schneiden im Ruhrgebiet am schwächsten ab.

Häufigste Ursache: Arbeitslosigkeit

Der bundesweit häufigste Grund für Verschuldung war 2015 Arbeitslosigkeit. Weitere Gründe waren u.a. Scheidung, Erkrankung, gescheiterte Selbstständigkeit oder auch unwirtschaftliche Haushaltsführung. Diese Gründe lassen sich auch auf Witten übertragen, sagt Regina Egler. Sie leitet die Schuldnerberatung der Diakonie Mark-Ruhr, die auch für Witten zuständig ist. Die Flüchtlingswelle hatte nach Annahme von Egler 2015 noch keinen Einfluss auf die Zahlen. „Aber wir sehen das auf uns zukommen.“

Stadt drücken mehr als 400 Millionen Miese

Die Stadt schätzt ihre Schuldenlast 2015 auf 405 Mio. Euro (ohne ESW und Kulturforum). Davon sind 65 Mio. investive, also „gute“ Schulden. Geld, das sie für Schulen oder Straßen ausgibt. 340 Mio. Euro sind konsumtive („schlechte“) Schulden. Sie nimmt Kassenkredite auf, um etwa Liquiditätsengpässe zu überbrücken und so „flüssig“ zu bleiben.

Ihre Jahreserträge (Steuern, Zuweisungen, Entgelte) lagen 2015 bei 300 Mio. Euro. Bei diesen Missverhältnis „würde ein Privatmann keinen Kredit mehr bekommen“, so der Kämmerer. Anders bei der Stadt: Bei kurzfristigen Krediten zahlt sie niedrige Zinsen von Null oder leicht darüber, in Einzelfällen knapp negative Zinsen (3. Stelle hinterm Komma). Grund: Legen Banken Geld über die Mindestreserve hinweg bei der EZB an, statt es zu verleihen, zahlen sie Strafe von derzeit -0,30 %.