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Irische Misstöne in Wittener Szenekneipe

11.03.2016 | 17:22 Uhr
Irische Misstöne in Wittener Szenekneipe
Volles Haus im Wittener Irish Pub „Finnegan’s“. Kellner Sören hat viel zu tun. Einmal im Monat haben sich dort bisher Musiker aus dem Ruhrgebiet, Rheinland und Münsterland getroffen, um traditionelle irische Melodien und Lieder zu spielen. Jetzt hat der Pub die Regeln für diese „Open Sessions“ geändert – und deshalb Ärger mit den Folkmusikern.Foto: Barbara Zabka

Witten.   Gastronom ist besorgt um seinen Irish Pub „Finnegan’s“. Streit mit Musikern wurde öffentlich im Internet geführt. Dieser könnte Gäste abschrecken.

Gastronom Jörg Stoppel sorgt sich um seinen Irish Pub. Schuld ist ein Streit mit Musikern, der jetzt öffentlich im Internet geführt wurde.

Seit über zehn Jahren treffen sich im „Finnegan’s“ Folkmusiker und bringen zur sogenannten „Open Session“ ihre Instrumente mit. Dieses Angebot soll nun neue und verschärfte Regeln bekommen. Diese verkündete der Pub per Facebook. Genau dieses soziale Netzwerk könnte für Stoppel zum Problem werden. Denn dort hagelte es für die Regeländerungen harsche Kritik und zudem miese Bewertungen für die Kneipe. Auf Facebook sind sie nun für jeden zu lesen und schrecken vom Pubbesuch ab.

„Wir wollen dem Pub nichts Schlechtes, er ist niedlich und die Leute sollen dort bitte weiter hingehen“, sagt Dorothee Lindenbaum, die seit gut zehn Jahren mit Concertina und irischer Trommel (Bodhrán) nach Witten kommt. „Aber wir haben uns rausgeschmissen gefühlt und waren deshalb geschockt.“ Denn die neuen Regeln seien nur schwer vereinbar mit einer traditionellen irischen Session, für die sich Lindenbaum und ihre Kameraden regelmäßig an der Bellerslohstraße getroffen haben.

E-Gitarren statt Geigen

Ab sofort sollen etwa nur noch sieben Musiker gleichzeitig spielen dürfen – bislang waren es gut ein Dutzend. „Wir haben wirklich viele Beschwerden über die Session bekommen“, sagt Service-Chefin Petra „Teto“ Stracke. Zu laut sei die Musik und zu eintönig. Daher soll bei künftigen Sessions im „Finnegan’s“ neben irischen Instrumentalstücken, sogenannten Tunes, auch andere, bekanntere Musik gespielt werden – gerne mit elektrischen Gitarren, Cajon oder kleinen Schlagzeugen, so Stracke.

„Eine Metalkneipe werden wir natürlich nicht“, ergänzt Inhaber Jörg Stoppel, den traditionelle Musik weiterhin begeistert und der die langjährigen Instrumentalisten ausdrücklich lobt. „Wenn wegen der Session aber andere Gäste wegbleiben und ich den Geschäftsbetrieb gefährdet sehe, dann handle ich.“ Die Regeländerung sieht er als Kompromissversuch zwischen verschiedenen Besuchergruppen. Das ist offenbar gewaltig nach hinten losgegangen.

Neue Regeln passen nicht zu irischer Traditionsmusik

Denn nicht nur für Dorothee Lindenbaum war die Facebook-Ankündigung ein Schlag ins Gesicht. So ätzt dort etwa ein Gruppenmitglied: „Die Art und Weise, wie ihr uns behandelt, halte ich für ziemlich daneben und kackendreist.“ Inzwischen haben viele Musiker dem Wittener Pub den Rücken gekehrt, insbesondere diejenigen, die aus Bonn, Köln oder dem Münsterland anreisten. „Wir fühlen uns einfach gekränkt“, sagt Lindenbaum. Dass die Reaktionen solche Wellen schlagen, habe aber niemand geahnt oder gewollt.

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Irish Pub hält an irischen Musikabenden fest

Der Irish Pub „Finnegan’s“ will weiterhin an jedem letzten Donnerstag im Monat eine „Open Session“ anbieten. „Wir laden alle Interessierten ein, die unterhaltsame Musik – gerne traditionell irische – spielen wollen“, sagt Inhaber Jörg Stoppel.

Die nächste Session soll am 31. März steigen. Dass die bisherigen Musiker kommen, ist unwahrscheinlich. Sie orientieren sich derzeit nach Bochum um.

Weitere Informationen auf www.finnegans-witten.de

Die 28-Jährige hätte sich allerdings vor der Bekanntmachung ein Gespräch zwischen den Musikern und dem Pub gewünscht. Solche Gespräche habe es aber in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, betont Stracke. „Der Pub darf natürlich machen, was er will“, sagt Lindenbaum. „Doch die geänderten Regeln passen nicht zu unseren Vorstellungen einer Session.“ Denn für diese Traditionsmusik gibt es ein festes Repertoire an Melodien. „Wenn man nicht intensiv zuhört, wirken sie tatsächlich langweilig“, räumt Lindenbaum ein. Und auf manche möge eine Session wirken wie eine Bandprobe, weil die Musik improvisiert und kein Konzert ist. Doch viele Zuhörer würden sie auch mögen.

Musiker bedauern Ende der Session

Lieder hätte die Gruppe ebenfalls gespielt, so habe Lindenbaum dort auch gesungen, etwa „Three Ravens“ oder „Bold Doherty“. Gassenhauer dagegen, die in allen Pubs aus Lautsprechern dröhnen, wolle sie nicht singen: „Whiskey in the Jar“ oder „The Wild Rover“. Hätten Musiker aber je diese Lieder spielen wollen, die Folkgruppe hätte niemanden abgehalten.

Ohnehin hält Dorothee Lindenbaum die Kritik an der Session für vorgeschoben: „Wir spielen einmal pro Monat irische Musik in einem Irish Pub“, das sei bestimmt nicht geschäftsschädigend, meint sie. „Wir finden es alle schade, dass die Session nach über zehn Jahren zu Ende gegangen ist“, sagt die junge Frau und hofft, dass sich der Pubinhaber noch an die Musiker wendet. Jörg Stoppel gesteht zumindest ein: „Facebook ist für unsere neuen Session-Regeln die falsche Plattform gewesen.“

Oliver Kühn

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Irische Misstöne in Wittener Szenekneipe
Irische Misstöne in Wittener Szenekneipe
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http://www.derwesten.de/staedte/witten/irische-misstoene-in-wittener-szenekneipe-id11643791.html
2016-03-11 17:22
Witten