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Initiative will zweiten Taubenturm

20.01.2010 | 16:52 Uhr
Initiative will zweiten Taubenturm

Die Initiative Stadttauben will einen zweiten, deutlich größeren Taubenturm errichten.

Das kündigte Vorsitzende Lilo Elles bei einer kleinen Geburtstagsfeier am Mittwoch (20.1.) zum zehnjährigen Bestehen der Initiative und des ersten Turms im Lutherpark an.

Der jetzige Turm sei für zirka 80 Tauben ausgelegt, der größere soll fast 200 Tieren einen Futter- und Brutplatz bieten. Die Initiative Stadttauben versorgt die Tiere einerseits mit artgerechtem Futter. Andererseits will sie die Taubenpopulation verringern. Dafür hat sie in den letzten zehn Jahren rund 6000 Eier gegen Gipseier ausgetauscht. Dadurch habe man 3000 bis 3500 neue Tauben im Stadtzentrum verhindert, sagt Lilo Elles.

Teilweise sei es gelungen, durch Anfüttern die Schwärme aus der Fußgängerzone herauszuholen. Bevorzugte Aufenthaltsorte wie die Innenhöfe des Rathauses konnten zum Teil entvölkert werden. „Früher saßen die im großen Innenhof, der war völlig verdreckt. Jetzt sitzen noch welche im kleinen”, erklärt Klaus Riepe von der Initiative.

An diesem Mittwoch überbringen Tierschutzfreunde Glückwünsche und Blumen. Auch der Erste Stellvertretende Bürgermeister Hans-Ulrich Kieselbach ist gekommen. „Es gibt so'ne und so'ne Menschen”, sagt er. „Menschen, die Tauben ablehnen, und solche wie Frau Elles.” Die Dame mit den roten Haaren, einst Einkäuferin in der Modebranche, ist die Taubenmutter von Witten. „Die Tierschutzvereine kümmern sich um Hunde und Katzen. Da habe ich mir gedacht, jemand muss auch was für die Tauben tun”, erinnert sie sich an die Anfänge vor zehn Jahren. „Ich nehme kranke Tiere auf, gehe mit ihnen zum Arzt und wenn sie gesund sind, fliegen sie wieder weg.”

Elles betont aber ausdrücklich, dass sie „total für eine Reduzierung der Tauben” in der City sei. Um diese Bemühungen zu verstärken, wären junge Leute bereit, auch Eier auszutauschen, die Tauben hinter Häuserfassaden in der Stadt ausbrüten. Dafür müsse es Gespräche mit dem Stadtmarketing und Einzelhandel geben.

Jetzt, zur Mittagszeit, lassen sich einige Tauben auf dem Holzturm mit seinen verschiedenen Fächern nieder. Unten auf dem Boden liegen Körner, in einer Tonschale steht Wasser bereit. Gesundes Futter sei wichtig. denn nur kranke Tauben stellten eine Gefährdung dar, so Elles. Dass der jetzige Turm unbürokratisch einen Platz im Lutherpark finden konnte, sei dem damaligen Leiter des Planungsamtes, Dieter Geiß, zu verdanken. 17 500 DM wurden seinerzeit gesammelt. Ein größerer Turm würde heute 22 000 Euro kosten. „Darum müssen wir jetzt erst einmal kämpfen”, so Elles.

Dass der Erste Stellvertretende Bürgermeister zum Jubiläum kam, mag ein Indiz dafür sein, dass die Stadt der Initiative wohlwollend gegenübersteht. Kieselbach dankte für die Arbeit „an der Kreatur”. Die Tauben seien „Gefangene der Stadt”. Auch viele Brieftauben blieben auf ihren Flügen dort hängen, sagt Lilo Elles. Hier müsse man politisch eingreifen. „Kein Züchter dürfte 200 Tauben losschicken, von denen nur 100 zurückkommen.” Im Zweifelsfall finden sie im Turm im Lutherpark ein neues Zuhause.

Jürgen Augstein

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