In Witten fehlen Kitaplätze: Stadt setzt auf Tagesmütter

Immer auf der Suche nach neuen Tagesmüttern: Sozialpädagogin Nadine Rübel, Koordinatorin der Wittener Awo-Servicestelle „Kindertagespflege“.Foto:Thomas Nitsche/Funke-Medienservice
Immer auf der Suche nach neuen Tagesmüttern: Sozialpädagogin Nadine Rübel, Koordinatorin der Wittener Awo-Servicestelle „Kindertagespflege“.Foto:Thomas Nitsche/Funke-Medienservice
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Was wir bereits wissen
Für 421 Kinder gibt es in Witten derzeit zum 1. August noch keinen Kitaplatz. Die Stadt setzt auf Notgruppen und eine Betreuung durch Tagesmütter.

Witten..  Am 1. August beginnt das neue Kitajahr. Für 421 Jungen und Mädchen gibt es bislang noch keinen Platz, wie eine Umfrage der Stadt zum Stichtag 15. März bei den Kindertagesstätten ergab. Sie hofft, möglichst viele im Sommer noch unversorgte Kinder bei Tagesmüttern und in Notgruppen unterbringen zu können.

„Wir haben beim Land die finanzielle Förderung für die Einrichtung von Notgruppen beantragt“, so Petra Klein, Leiterin der Abteilung Schule und Kindertageseinrichtungen bei der Stadt. Sie verweist darauf, dass man bei bislang noch leer ausgegangenen Eltern nachfrage, ob diese weiterhin an einem Kitaplatz interessiert sind. „Ob es uns gelingt, alle Kinder unterzubringen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.“

Stadt übernimmt die Hälfte der Renten- und Krankenversicherung

Klein setzt bei der Deckung des Bedarfs auch auf Tagesmütter. Um diese kümmert sich – im Auftrag der Stadt – die Awo-Servicestelle „Kindertagespflege“ an der Hauptstraße, die die Frauen an die Eltern vermittelt und den Tagesmüttern auch das städtische Betreuungsgeld auszahlt.

Nadine Rübel, Koordinatorin der Servicestelle: „Wir haben derzeit 64 Tagesmütter und 17 Frauen, die in angrenzenden Städten leben und dort Wittener Kinder betreuen.“ 220 Jungen und Mädchen seien insgesamt in der Kindertagespflege. Rübel betont, dass man Eltern, die eine Tagesmutter suchten, derzeit immer Angebote machen könne. „Aber hunderte Kinder werden wir nicht unterbringen können. Diese Leute haben wir nicht.“

Sozialpädagogin Rübel ist immer auf der Suche nach neuen, qualifizierten Tagesmüttern und verweist auf zwei Kurse, die für diese Arbeit qualifizieren. „Am 10. August beginnt bei der Vhs eine Ausbildung, die vormittags läuft. Voraussichtlich am 24. August starten wir mit einer Qualifizierung am Abend.“ Wer Interesse an einem Platz und hierzu weiteren Informationen habe, soll sich bei der Awo-Servicestelle melden. Seit Jahresbeginn erhalten Tagesmütter in Witten 5,50 Euro brutto pro Betreuungsstunde und Kind von der Stadt. Wer sich um drei Kinder jeweils 35 Stunden in der Woche kümmere, könne es als selbstständige Tagesmutter auf einen Auszahlungsbetrag von rund 2300 Euro brutto im Monat bringen, rechnet Rübel vor.

Es gibt auch noch einen Tagesvater

„Den Frauen wird von der Stadt jeweils die Hälfte der Renten- und Krankenversicherung erstattet. Die Unfallversicherung für Tagesmütter übernimmt die Stadt ganz.“ Die Tagesmütter, die die Awo-Servicestelle derzeit vermitteln kann, sind laut Rübel überwiegend im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. „Darunter sind Frauen, die den Beruf gewechselt haben, weil sie immer schon etwas mit Kindern machen wollten. Dann gibt es welche, die kleine Kinder haben und ihre Arbeit als Tagesmutter damit verbinden. Und es gibt Frauen, deren Kinder bereits groß sind.“ Man habe auch zwei Tagesväter in der Vermittlungskartei gehabt. „Jetzt haben wir noch einen, der die Stellung hält.“