In SPD-Fraktion läuft alles auf Rath als Vorsitzender hinaus

SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Richter (mit Bart) und sein Vize Willi Humberg (links) haben aus Protest gegen die Entscheidung der Bundesschiedskommission, Bürgermeisterin Leidemann nicht auszuschließen, die Partei verlassen.
SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Richter (mit Bart) und sein Vize Willi Humberg (links) haben aus Protest gegen die Entscheidung der Bundesschiedskommission, Bürgermeisterin Leidemann nicht auszuschließen, die Partei verlassen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Uwe Rath genießt hohes Ansehen in Partei und Fraktion und wäre bereit, nach dem Austritt von Fraktionschef Thomas Richter den Vorsitz zu übernehmen.

Witten.. Tag eins nach dem Paukenschlag-Wochenende in der SPD: Ein gefragter Mann ist Dr. Uwe Rath, einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Er wäre bereit, sich zum Nachfolger des aus der Partei ausgetretenen Fraktionschefs Thomas Richter wählen zu lassen – wenn die Fraktion ihn denn vorschlägt.

Lokales Schon im letzten Jahr hatte der Umwelt- und Landschaftsplaner bei der Stadt Dortmund seine Bereitschaft erklärt, in Richters Fußstapfen zu treten. Damals war er gefragt worden, weil Richter angekündigt hatte, den Fraktionsvorsitz vorzeitig im Laufe der Legislaturperiode abzugeben. Dass Richter ausgerechnet jetzt ebenso wie sein zweiter Vize Willi Humberg das Handtuch warf, kam für die Fraktion dann aber doch überraschend. Immerhin stehen so wichtige Themen wie der noch immer nicht verabschiedete Haushalt 2016 aktuell auf der Agenda. Nun wird die für Samstag anberaumte Etatklausur der SPD-Fraktion zum Wahltermin. Am 5. März sollen der neue Fraktionschef und ein Vize neu bestimmt werden.

Uwe Rath betont, dass die Fraktion weiter geschäftsfähig sei. Er sieht sie trotz der drei prominenten Abgänge personell gut aufgestellt. Wen die Fraktion am Samstag wählen wird, darüber will er nicht spekulieren. „Wir sammeln jetzt Vorschläge. Wenn ich gefragt würde, würde ich es machen.“

Lokales Rath gehört dem Rat seit 2004 an, seit 2009 ist er einer von drei stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Wie alle SPD-Ratsmitglieder holte er sein Mandat bei der letzten Kommunalwahl (2014) direkt, er vertrat den Wahlkreis Vormholz. Anders als Richter gilt Rath als ruhiger, besonnener Typ, der auch zu vermitteln versteht. Wichtig sei es, sagt er denn auch, sich auf die Sacharbeit zu fokussieren. Mit Rath könnte die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und insbesondere der von Thomas Richter wenig geliebten Bürgermeisterin wieder auf eine neue Basis gestellt werden.

Die SPD-Fraktion verliert mit den drei Abtrünnigen drei Sitze im Rat. Sie hat dann nur noch 22 Mandate. Damit wird auch die Mehrheit der großen Koalition kleiner, es reicht aber noch zum Regieren. Zusammen mit der CDU (16) käme sie auf 38 Stimmen – bei insgesamt 72 Ratsvertretern wäre das immer noch ein Vorsprung von drei Stimmen (ohne Bürgermeisterin). Beide Koalitionspartner gehen davon aus, dass die Groko hält. „Die Abspaltung ist eine innere Angelegenheit der SPD“, sagt der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Ulrich Oberste-Padtberg. Die CDU sei weiterhin ein verlässlicher Partner, betont der 48-Jährige. Mit dem Bündnisvertrag gebe es eine gute Geschäftsgrundlage, meint SPD-Fraktionsvize Rath.