In fünf Jahren vier von fünf Haltestellen rollitauglich

Mustergültig: Die Plattform am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) ermöglichte einen fast niveaugleiben - ist der Bus abgesenkt, ist Stufe noch höchstens sechs Zentimeter hoch.
Mustergültig: Die Plattform am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) ermöglichte einen fast niveaugleiben - ist der Bus abgesenkt, ist Stufe noch höchstens sechs Zentimeter hoch.
Foto: WAZ / FotoPool
Was wir bereits wissen
Stadt stellt Prioritätenliste für barrierefreien Ausbau auf. Bis 2022 müssten es eigentlich alle sein. Die mit den meisten Gästen werden vorgezogen.

Witten..  Der Verkehrsausschuss befasst sich am Donnerstag mit dem „Fahrplan“ für die Haltestellen. Dabei geht es mal nicht darum: Wann oder wie oft kommt der Bus? Beraten wird, welche Haltestellen die nächsten sind, die barrierefrei ausgebaut werden.

Vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention (2006) und des Behindertengleichstellungsgesetzes (2002) setzt das deutsche Personen-Beförderungsgesetz eine klar Zielmarke: Bis Anfang 2022 soll im öffentlichen Personennahverkehr die „vollständige Barrierefreiheit“ erreicht werden.

Die Stadt Witten muss sich gegenüber dem EN-Kreis erklären. Ein wenig Vorausverteidigung betreibt sie schon: „Inwieweit dies bei der gegebenen Finanzlage möglich ist, bleibt offen“, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss, der am 5. Februar, tagt (Rathaus, 17 Uhr).

Heute sind 50 Prozent barrierefrei

Für realistisch hält es Andreas Müller, dass in fünf Jahren, also 2020, „rund 80 Prozent der Fahrgäste barrierefrei unterwegs sein können“. Der städtische Verkehrsplaner hat gerade ein Haltestellenkataster (siehe unten) erstellt. Darin hat er die 159 Wittener Haltestellen für Busse und Straßenbahn in sieben Stufen eingeteilt. Kategorie 1 umfasst die 23 Haltestellen, die schon vollständig barrierefrei sind. Diese decken bereits heute 29 000 von 58 000 aller Ein- und Aussteiger ab und damit 50 Prozent der Fahrgäste. An erster Stelle sind das Haltestellen in der Innenstadt, aber auch solche an zuletzt ausgebauten Straßen wie Annenstraße, Alte Straße und Wittener Straße.

Bei den 29 Haltestellen der Kategorie 2 steht der Umbau sowieso an – wie bei Erneuerung von Pferdebachstraße und Bebbelsdorf. Auch die Haltestelle vorm Haus der Lebenshilfe an der Dortmunder Straße („Dirschauer Straße“) ist dabei. So wären weitere 16 Prozent Ein- und Aussteiger abgedeckt.

Weitere 14 Prozent deckt Kategorie 3 ab: zehn Haltestellen, die allgemein gut frequentiert und/oder von vielen Geh- oder Sehbehinderten genutzt werden wie die am Seniorenwohnheim Egge. Einige sind schon barrierefrei – aber noch nicht in beide Richtungen.

Rechnet man die ersten drei Kategorien zusammen, kommt man auf 62 von 159 Haltestellen, die aber 80 Prozent der Fahrgastbewegungen abdecken. Die Kategorien 4 und 5 umfassen zwar 36 bzw. 31 Haltestellen, aber nur 14 bzw. 3,3 Prozent der Ein- und Ausstiege. Sie sollen später umgebaut werden.

Bei weniger als 20 Fahrgästen am Tag (Kategorie 6) soll geprüft werden, ob Bedarf besteht oder ob ein geringerer Standard – wie eine kürzere Plattform – reicht. Die Stadt schließt auch nicht aus, dass mal eine Haltestelle vorgezogen wird – wenn es dafür gute Gründe gibt.

Eine Übesicht im Internet zeigt, dass das Zentrum in fünf Jahren gut mit barrierefreien Haltestellen versorgt sein wird, Schlusslichter werden Kämpen, die „Hölzer“, der Annener Berg, Rüdinghausen und Lange Straße sein.