In der Wittener Kreisstraße kennt jeder jeden

Gudrun Büscher (59) fühlt sich wohl in der Kreisstraße, in der sie ein Lotto-Geschäft betreibt.Foto: Thomas Nitsche - FUNKE Foto Service
Gudrun Büscher (59) fühlt sich wohl in der Kreisstraße, in der sie ein Lotto-Geschäft betreibt.Foto: Thomas Nitsche - FUNKE Foto Service
Foto: FUNKE Foto Service
Was wir bereits wissen
„Die Welt ist klein und der Stadtteil ein Dorf“ – ein Satz, der auf die Kreisstraße in Witten zutrifft. Wir sprachen mit Leuten, die dort leben.

Witten..  Die Kreisstraße fängt bereits in Annen an und mündet in Rüdinghausen an der Stadtgrenze zu Dortmund-Persebeck. Überhaupt ist hier vieles städteübergreifend: So gehören beispielsweise die katholischen Dortmunder auch der St.-Pius-Kirchengemeinde an. Hier treffen sich Wittener und Dortmunder Kinder. In Rüdinghausen ist es ruhig. Sehr ruhig. Und die Aussage „Die Welt ist klein und der Stadtteil ein Dorf“, trifft es genau. Irgendwie kennt jeder jeden, man trifft sich beim Einkaufen oder bei einem der beiden Ärzte. Neben Apotheke, Friseuren, Imbiss-Buden, Bäcker und Dekoladen gibt es nicht mehr viel rund um die Kreisstraße. Dennoch lieben die „Mellmausländer“ ihren Stadtteil.

Vieles ist nicht mehr so, wie es mal war. Es ist schon traurig mitanzusehen, was nicht mehr existieren kann. Das fängt beim Blumenbeet an und hört beim immer noch unbebauten Erdbeerfeld auf. Hier passiert einfach nichts. Aber wo will man auch grundsätzlich ansetzen? Da gehört beispielsweise auch die Straßenführung der Einbahnstraße „Auf dem Wellerskamp“ dazu. Viele im Dorf meiden diese Strecke. Und dennoch möchte ich hier nicht weg. Seit 1983 wohnen wir hier. Der Dorfcharakter ist toll. Und mit dem Kindergarten und der Schule war es früher einfach schön, dass alles so nah beieinander und gemütlich war.
Cornelia Glettenberg, 64, pensionierte Apothekerin

Rüdinghausen liegt rund um die Kreisstraße recht verkehrsgünstig. Wer es persönlich ruhiger mag und nicht innerstädtisch wohnen möchte, ist hier gut aufgehoben. Denn mit der S-Bahn-Station in Kruckel ist man schnell in Annen und Witten oder auch in Dortmund. Und mit der Autobahn als Verkehrsknotenpunkt vor der Haustür ist man auch gut angebunden. Und da dient die Kreisstraße als Verbindungsstrecke, als Schlagader zwischen Persebeck und Annen. Denn so ist es auch für uns. Wir wollten nicht weit weg von der Firma sein und nutzen die hohe Wohnqualität. Leider gibt es nur noch wenige inhabergeführte Geschäfte. Der Bedarf ist ja eigentlich da. Aber hier gibt es nun mal keine Lauflage, da ist einfach zu wenig Fleisch am Knochen. Zu den Läden fährt man dann gezielt hin.
Axel Stinshoff, 49

Es ist der Ort, der so langsam einschläft. Wir selbst halten aber immer noch die Stellung. Aber welche Alternativen gibt es, um etwas anzusiedeln, was dann auch frequentiert wird? Ein Laden nach dem anderen macht hier zu – und auch leider nicht mehr wieder auf. Persönlich fühle ich mich aber richtig wohl hier. Mit unserem Lotto-Geschäft sind wir ja schon seit 1980 an der Kreisstraße und seit 1998 bieten wir auch den Postservice mit an. Ich möchte nicht woanders sein. Man ist einfach verwachsen mit dem Ganzen und die Lage hier im Grünen ist einfach schön. Viele Kunden bedauern, dass der Wochenmarkt nicht mehr da ist. Aber ob der dann auch wirklich wieder gut angenommen werden würde?
Gudrun Büscher, 59

Ich bin in Rüdinghausen geboren und habe auch mein Büro hier. Das Positive ist, dass sich viele Menschen kennen und man sich hier trifft und ein Schwätzchen halten kann. Allerdings fehlt einfach die Infrastruktur. Es ist schade, dass die kleinen Geschäfte nicht mehr da sind. Auch die letzte Dorfkneipe hat nun geschlossen. Früher gab es einfach mehr inhabergeführte Geschäfte. Ich selbst war Geschäftsführer im damaligen Gewerbeverein, der mittlerweile nun auch nicht mehr existiert. Die Leerstände nehmen zu. Aber diese Probleme werden alle Stadtteile mehr oder weniger haben. Das ist eben der Trend der Zeit. Die Nah-Versorgung ist mit Kesper ja zum Glück gesichert.
Gerd Schlenkermann, 71

Eigentlich komme ich aus Annen. Aber ich wohne mit meiner Familie schon seit 1986 hier in Rüdinghausen. Und das sehr gerne. Hier ist es einfach familiär. Es ist schön, dass man so viele Leute kennt. Das macht es einfach aus. Und als Arzthelferin sitzt man mitten im Dorf. Man quatscht, man kennt sich. Außerdem haben wir den Wald direkt vor der Haustür. Dort gehe ich gerne spazieren oder bin auf dem Rheinischen Esel walken. Da fehlt mir eigentlich nichts. Als BVB-Fan zieht es mich sonst auch mal nach Dortmund – auch zum Einkaufen beispielsweise. Hier in Rüdinghausen weiß man halt, was fehlt. Beispielsweise ein Café oder eine Eisdiele so als ein Treffpunkt – aus dem Alter für die Disco bin ich ja raus. Leider hat sich hier im Dorf doch so einiges verändert, der Mittelpunkt hat sich verschoben. Ein Zentrum fehlt schon. Aber das sollte man wissen, dass nichts los ist. Aber als Wohndorf ist und bleibt es beliebt.
Cornelia Fischer, 50