In der Kita Erlenschule herrscht wieder Alltag

Der Kindergarten Erlenschule ist nach dem Brand wieder in seine Räume eingezogen.
Der Kindergarten Erlenschule ist nach dem Brand wieder in seine Räume eingezogen.
Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Vor anderthalb Jahren brannte der Annener Kindergarten komplett aus. Kinder und Erzieherinnen erobern nun ihr altes Zuhause zurück.

Witten..  Im November 2014 brannte der städtische Kindergarten an der Erlenschule komplett aus – nachdem ein 26-Jähriger dort eingebrochen war und danach Feuer gelegt hatte. Ein Jahr später konnten die Kinder und ihre Erzieherinnen in das wieder aufgebaute Gebäude einziehen. Aber erst jetzt, anderthalb Jahre nach dem Brand, glaubt Leiterin Sandra Brück-Peters, könne man endlich einen Schlussstrich ziehen. „Im Nachhinein haben wir aus dieser traurigen Erfahrung das Beste herausgeholt“, sagt sie.

Hellgelb und lichtdurchflutet wirkt das Gebäude, wie ein Neubau. Bis auf einige Möbel im hintersten Gruppenraum war nach dem Brand nichts zu retten. Das meiste war zerstört von Flammen, Ruß und Löschwasser. Erneuert wurden die Böden, das Dach, Fenster, Elektrik, die Sanitäranlagen. Die Versicherung zahlte 730 000 Euro für die Sanierung. Dazu kamen Spenden von Firmen und Privatleuten. Damit konnte etwa die Bücherei mit frischem Lesestoff bestückt werden. Auch Spielzeug wurde gekauft. „Das alte war so verrußt, man konnte es nicht weiterbenutzen“, sagt die Leiterin.

Kinder suchten Spielzeug mit aus

Ausgebrochen war das Feuer im Eingangsflur, wo es schnell auf die Küche, das Büro, den Turnraum und auf die Räume der Elefantengruppe übergriff. Deren Erzieherin Mareike Lindemann erinnert sich noch, wie sie einige Tage später die Ruine besichtigte. „Ich wollte das sehen, einfach um es realisieren zu können.“ Sie sah aber nicht viel, so dunkel war es in dem Gebäude. Selbst die Taschenlampe schien nur einen halben Meter weit in den Ruß.

Nun sitzen sie auf neuen Stühlen, an neuen Tischen. An Weihnachten kam die Treppe, die auf eine Empore führt. Die Kinder durften die Einrichtung mitbestimmen und Kataloge wälzen. Was wollten sie unbedingt haben? „Das Bällebad“, tönen Janina, Nik und Nico zwischen den Plastikkugeln. Außerdem die selbst gemachte Jahreszeiten-Uhr, die die Geburtstage der Kinder anzeigt. Und der Knetsand ist ganz begehrt.

Der Totalausfall der Kita verlangte organisatorische Höchstleistungen. Nur an den beiden Tagen nach dem Brand blieb die Kinderbetreuung geschlossen, dann startete eine Notgruppe in der Volkshochschule an der Holzkampstraße. Nur eine Woche später wurden die drei Gruppen aufgeteilt, auf das Evangelische Familienzentrum Märkische Straße, das Awo-Familienzentrum Kreisstraße und die Vhs.

Im März 2015 zog die Annener Stadtteilbücherei in eine „Lounge“ der Volkshochschule um. In der einstigen Bibliothek trafen sich dann alle drei Gruppen wieder. Immerhin konnten die Kinder nun ihr Außengelände wieder benutzen. Und dabei den Fortschritt der Bauarbeiten beobachten – was gerade die Jungs äußerst spannend fanden.

Um zwei Gruppen erweitert

Die Eltern hätten nie über die improvisierte Betreuung gemeckert. „Weil wir uns bemüht haben, unser Programm weiterhin anzubieten und weil jeder ja sehen konnte, was sich auf der Baustelle tat“, glaubt Erzieherin Birgit Herrmann. Für das Team aber sei die Zeit schon eine „harte Reifepüfung“ gewesen.

Ein Nebeneffekt der unfreiwilligen Komplettsanierung: Die Kita Erlenschule wurde von drei auf fünf Gruppen erweitert. Die zwei neuen Gruppen sind in der Stadtbibliothek geblieben. Leiterin Sandra Brück-Peters spricht nun von den Standorten „Erle 1“ und „Erle 2“. Auch die benachbarte Grundschule nutze einen Raum in dem Kindergarten für die Nachmittagsbetreuung ihrer Schüler. Die „OGS“ befindet sich nach dem Brand mit in der Schule und bleibt auch dort. Der frei gewordene Raum wird nun von Krabbelgruppen genutzt und für Projekte mit den Vorschulkindern.

Ist die Zahl der Anmeldungen gestiegen, seitdem neuer Glanz in der Kita herrscht? „Nein“, sagt Brück-Peters lächelnd. Sie zeigt auf einige Eltern und ihre Kinder, die in diesem Augenblick für die Anmeldung anstehen. „Plätze hier waren schon immer begehrt.“ Aber verbessert hätten sie sich schon. „Jetzt ist es so, wie wir es schon immer gern gehabt hätten. Das ist eine Entschädigung.“