In der Armutsspirale
16.02.2010 | 19:30 Uhr 2010-02-16T19:30:00+0100
Immer mehr Haushalte werden zum wiederholten Mal obdachlos. Allgemein aber ist die Zahl der Wohnungslosen eher gering.
Eigentlich hatte Uwe Andresen, Abteilungsleiter des Bereichs Wohnen und soziale Dienste im Amt für Wohnen und Soziales, viel Gutes im Sozialausschuss zu verkünden: In Witten gibt es derzeit nur rund 30 Obdachlose. Das waren früher einmal um die 900. Und die Zahl bleibt stabil, so dass zum Jahresende eine Unterkunft aufgegeben werden kann. Allerdings steigt die Zahl der Haushalte, die zum wiederholten Mal vom Wohnungsverlust betroffen sind.
Das Problem dieser Menschen lässt sich ungefähr so skizzieren: Doppeltes Einkommen gehabt, schöne teure Wohnung, plötzlich bricht ein Einkommen durch Arbeitslosigkeit oder Trennung weg. „Manchen fehlt dann die Einsicht, dass man nicht mehr in der Lage ist, diese Wohnung weiter zu finanzieren. In die private Lebensführung lässt man sich nicht gern reinreden, Behördenhilfe will man nicht in Anspruch nehmen. ,Bis jetzt bin ich doch auch immer allein durchgekommen' ist eine typische Aussage.” Am Ende steht die Räumung. Und wenn Leute „beratungsresistent” seien, dann wiederholt sich das.
Solange Einkommen da ist, fühlt man sich stark
Und das wird mehr. „Im letzten Jahr sind uns wiederholt Menschen aufgefallen, die nicht mehr in der Lage waren, eine teure Wohnung zu finanzieren und sich nicht rechtzeitig kleiner setzen wollten”, so Andresen. Und die auch aus Schaden nicht klug geworden sind und sich später wieder zu teuer einmieten. „So lange ein Einkommen da ist, fühlt man sich stark und glaubt, die Wohnung halten zu können. Aber wenn Sucht, Familienprobleme oder eine Trennung dazukommen, hat man schneller weniger Geld, als man denkt.”
Deutlich gesunken ist dagegen die Zahl der Wohnungslosen, die in städtischen Unterkünften untergebracht werden. Das waren noch in den 90er Jahren einmal rund 900. In den letzten zwölf Jahren konnten mangels Kundschaft 17 Häuser von der Stadt aufgegeben werden - „eine enorme Entlastung für die Kommune”, sagt Uwe Andresen.
Über 20 Personen konnten 2009 vermittelt werden
Jetzt sind es nur noch rund 30 Personen, um die sich Caritas-Sozialarbeiter Michael Raddatz-Heinrichs (Foto oben) kümmert: „Rund 20 bis 25 Personen konnten wir allein im letzten Jahr in Wohnungen, betreutes Wohnen oder schützende Einrichtungen vermitteln.” Raddatz-Heinrichs räumt eindrucksvoll auf mit dem gängigen Klischee des ungelernten Hilfsarbeiters, der auf der Straße liegt: „Wir haben hier unter anderem gelernte Handwerker und Techniker, ehemalige Beamte, frühere Kaufleute, Selbstständige.”
Wie wird jemand, der aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammt, obdachlos? Man wird arbeitslos, muss das Geschäft schließen, Aufträge bleiben aus. Dann geht die Armutsspirale los. Schulden häufen sich an, die Verarmung nimmt stetig zu, ein Gefühl der Hilflosigkeit stellt sich ein. Probleme werden verdrängt, Depressionen, Alkohol und Selbstzweifel kommen dazu. Michael Raddatz-Heinrichs: „Es kann jeden treffen.”
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Wie wird man obdachlos? Z.B. dadurch, dass man das Geld, das man von der Job-Agentur für die Miete bekommt verjubelt, statt die Miete wirklich zu bezahlen.