In den Wittener Schwimmhallen wird es eng

Extra-Schwimmstunde: Der Schwimm-Crash-Kurs für Grundschüler, die noch immer nicht schwimmen können, findet stets in den Herbstferien in der Brenschenschule statt.
Extra-Schwimmstunde: Der Schwimm-Crash-Kurs für Grundschüler, die noch immer nicht schwimmen können, findet stets in den Herbstferien in der Brenschenschule statt.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Wer Wassersportkurse nutzen will, muss Unannehmlichkeiten akzeptieren: Die vier Wittener Lehrschwimmbecken sind ausgebucht.

Witten..  Witten hat zu wenig Hallenbäder – das ist bekannt, seit 2003 das Stadtbad schloss und die Lehrschwimmbecken in Herbede oder an der Hellwegschule. Seitdem arrangieren sich Vereine und Schulen, um überhaupt Schwimmzeiten nutzen zu können. Beschwerden gibt es trotzdem immer wieder.

Hohe Ausfallquote

Christine Schröder etwa nimmt an einem Aqua-Gymnastikkurs des PV-Triathlon an der Pferdebachschule teil. Sie klagt: Mal sei die Halle wegen Reparaturen dicht, mal Personal erkrankt, mal funktionierten die Duschen nicht. Mitunter stand die Gruppe nach ihren Angaben vor verschlossener Tür – ohne vorher informiert worden zu sein. „Die Teilnehmer zahlen Geld für diese Kurse“, sagt Übungsleiterin Annette Kühl. „Da kann man auch gewisse Dinge erwarten.“

Bei einem Ausfall benachrichtigt das Gebäudemanagement den Stadtsportverband (SSV). Der schickt eine E-Mail an die betroffenen Vereine. „Sobald jemand nicht in seine Mails guckt, hakt die Informationskette“, sagt Tanja Lücking vom SSV. Schließungen seien oft unvermeidbar. Lücking: „Ein Hallenbad ist kein Fußballplatz, sondern ein hochtechnisches Gebäude, das eben fehleranfällig ist.“

Maximal ausgereizt

Alle vier Lehrschwimmbecken – an der Buchholzer, Pferdebach-, Brenschen- und Hüllbergschule – „sind voll gebucht bis unters Dach“, sagt die SSV-Sprecherin, die für die Vereine die Schwimmzeiten ausgibt. „Mitunter ist es so schwierig, dass wir mit anderen Vereinen kooperieren“, erklärt Matthias Dix vom PV-Triathlon. „Wenn noch eine Bahn frei ist, können dort die anderen trainieren.“

Die Kurse sind nahtlos aneinander getaktet – wenn die Seepferdchenschüler fertig sind, springt die nächste Gruppe ohne Pause ins Wasser. Entsprechend geht es in Umkleiden oder Duschen zu. An der Pferdebachschule gibt es pro Geschlecht nur vier Duschen für die meist über 20 Teilnehmer. „Da verbringt man seine Schwimmzeit mehr mit Warten als mit sportlichen Aktivitäten“, sagt Kursteilnehmerin Christine Schröder.

Hohe Nachfrage nach Seniorensport

Nicht nur die Kinder, immer mehr Ältere nutzen die Wittener Bäder. Die Nachfrage nach Rehasport oder Gymnastik im Wasser steigt. „Würde ich eine neue Aqua-Fit-Gruppe ankündigen, wäre die sofort voll“, sagt Susanne Fuchs, Vorsitzende von DJK Blau-Weiß-Annen. „Aber es gibt sowieso keine Plätze.“ Erst im Sommer hatte sie sich vergeblich bemüht.

So bietet der TuS Stockum etwa Aquagymnastik in Buchholz an. In Fahrgemeinschaften machen sich die Teilnehmerinnen dafür auf den Weg quer durch Witten. „Doch das wird akzeptiert und ist gut gebucht“, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Ludwig.

Schulschwimmen

Zurück zu den Kindern: Die Zahl der Nichtschwimmer steigt bundesweit – dagegen kämpfen die Grundschulen mit hohem Aufwand an. Die Kinder werden mit Bussen zu den Hallen chauffiert – die Rüdinghauser Schüler etwa zur Hüllbergschule. Jedoch nur die zweiten Klassen – mehr Hallenzeiten bekommt die Schule nicht, erklärt die kommissarische Schulleiterin Beatrix Ruhnke.

An der Crengeldanzschule gehen das dritte und vierte Schuljahr in der Pferdebachschule schwimmen. Wie nötig ist denn der Schwimmunterricht? Sportlehrerin Jeannette Hoffmann schätzt, das mitunter ein Viertel der Klasse noch nicht schwimmen kann. „Das sind oft die Kinder, deren Familien in der Freizeit nicht schwimmen gehen. Dabei nimmt doch gerade die Regelmäßigkeit die Angst vor Wasser.“