Das aktuelle Wetter Witten 22°C
Waffenschein

Immer mehr Wittener beantragen „kleinen Waffenschein“

06.01.2016 | 15:39 Uhr
Immer mehr Wittener beantragen „kleinen Waffenschein“
Sie ziemlich echt aus – ist aber eine Schreckschusswaffe.Foto: Carsten Rehder

Witten.   Viele Bürger fühlen sich nicht mehr sicher. Deshalb stiegen die Anträge für den „kleinen Waffenschein“ zum Führen von Schreckschusswaffen stark an.

Viele Menschen fühlen sich hier nicht mehr sicher. Zahlen belegen diesen Trend: Beantragten 2014 noch insgesamt 151 Bürger einen „kleinen Waffenschein“ bei der auch für Witten und Herne zuständigen Bochumer Polizei, so waren es im vorigen Jahr bereits 212. „Und die Nachfrage nach Pfefferspray war so hoch, dass Wartezeiten von sechs Wochen herrschten“, ergänzt der Inhaber eines Wittener Geschäfts für Sicherheitszubehör.

Der so genannte „kleine Waffenschein“ berechtigt zum Führen von Schreckschuss- und Gaspistolen. Längst nicht jeder bekommt ihn: Die zuständige Waffenbehörde in Bochum prüft etwa, ob der Antragsteller volljährig und zuverlässig – also z. B. nicht vorbestraft und nicht drogenabhängig ist. Außerdem, so die Polizei, werde jeder Antragsteller besucht, um seine „persönliche Eignung“ festzustellen.

Anders als fürs Führen, müsse beim Erwerb von Schreckschuss- oder Gaspistolen im Laden kein „kleiner Waffenschein“ vorgelegt werden. „Antragsteller müssen auch nicht begründen, warum sie ihn haben möchten“, so die Polizei. Ob sie sich beispielsweise gegen die Zunahme von Straßenüberfällen oder die rasant gestiegenen Einbrüche wehren wollen, sei deshalb nicht eindeutig zu beantworten.

Sicherheitsexperte rät zur Schrillpfeife statt zur Schreckschusswaffe

„Wir raten sowieso von solchen Waffen ab“, heißt es von der Bochumer Polizei. Denn sie könnten zur „Eskalation von Gewalt“ führen. Mit unerwartetem Effekt für denjenigen, der seine Schreckschuss- oder Gaspistole zöge: Wenn nämlich der Angreifer daraufhin tatsächlich mit einer scharfen Schusswaffe oder einem Messer auf ihn losgehe. „Besser ist es, sich zügig zu entfernen oder Aufmerksamkeit hervorzurufen. Etwa durch eine unüberhörbare, so genannte Schrillpfeife“, meint ein Sicherheitsexperte.

Über eine „Waffenbesitzkarte“, die Sportschützen oder Jäger für ihre scharfen Waffen benötigen, verfügen insgesamt 3900 Personen in Witten, Herne und Bochum. Sie dürfen diese „echten“ Pistolen und Gewehre natürlich nicht im Alltag tragen. „Und wir kontrollieren nach den Amokläufen der letzten Jahre verstärkt, ob sie sicher verschlossen aufbewahrt werden“, betont die Polizei.

„Richtiger“ Waffenschein nur beim Nachweis besonderer Gefährdung

Um einen „richtigen“ Waffenschein zu bekommen, der zum Mitführen scharfer Pistolen berechtige, seien die Anforderungen sehr hoch: „Dazu muss eine besondere Gefährdung nachgewiesen werden. Und wie auch beim kleinen Waffenschein und der Waffenbesitzkarte prüfen wir alle drei Jahre automatisch die Berechtigung.“

Und wieviele Personen haben nun in Witten, Bochum und Herne einen solchen Schein für das alltägliche Tragen einer scharfen Waffe? Der Polizeiexperte weiß: „Derzeit sind es gerade mal zwei.“

Michael Vaupel

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Wittener Tafelmusik
Bildgalerie
Fotostrecke
Das Ruhrgebiet geht baden
Bildgalerie
Aus der Luft
Oldtimer-Festival
Bildgalerie
Witten
PSYCHO SEXY
Bildgalerie
Kultursommer
article
11437978
Immer mehr Wittener beantragen „kleinen Waffenschein“
Immer mehr Wittener beantragen „kleinen Waffenschein“
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/witten/immer-mehr-wittener-beantragen-kleinen-waffenschein-id11437978.html
2016-01-06 15:39
Witten