Im Schatten waren es abends in Witten noch fast 39 Grad

Einfach treiben lassen: Viele suchten am Samstag Abkühlung im und auf dem Wasser.
Einfach treiben lassen: Viele suchten am Samstag Abkühlung im und auf dem Wasser.
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Was wir bereits wissen
Witten war am Samstag ein einziger Backofen. Die 40-Grad-Marke wurde in der Sonne allemal, im Schatten fast geknackt. Zum Glück gab es etwas Wind.

Witten..  Es war der wohl heißeste Tag seit Jahren in Witten, das Thermometer sah selbst im Schatten fast die 40 Grad.

An der Einhorn-Apotheke auf der unteren Bahnhofstraße herrschten noch am Samstagabend (4.7.) gegen sieben Rekordtemperaturen von 38,5 Grad. In der Sonne wurde die 40-Grad-Marke allemal geknackt, zum Beispiel mittags an der Sparkasse (42). Zum Glück: Trotz kleinerer Badeunfälle und teilweise durch Flüssigkeitsmangel verursachte Kreislaufprobleme blieb Schlimmeres aus – Stand 20 Uhr. Abends floss dann vielerorts der Alkohol.

Die wohl wichtigste Nachricht zuerst: Es gab keine größeren Badeunfälle – weder im Freibad, das mit über 4000 Besuchern alle Rekorde dieses noch kurzen Sommers brach, noch in der Ruhr, wo sich Hunderte trotz des geltenden Badeverbots erfrischten – ob an der Uferstraße in Bommern, an der Nachtigallbrücke, am Schleusenwärterhaus oder im Bereich Heveney am Kemnader See. „Alles ist ruhig geblieben“, erklärt der DLRG-Beauftragte für den Wasserrettungsdienst, Dirk Trappmann (39).

Im Freibad kugelte sich ein etwas älterer Gast, der einen sonst eher für Kinder typischen Sprung ins Becken wagte, die Schulter aus. Außerdem wurden Insektenstiche, aufgeschlagene Füße oder Gäste behandelt, die schlapp machten. Darunter waren auch Kinder oder Jugendliche. „Sie toben den ganzen Tag herum, vergessen häufig zu essen, trinken zu wenig und auf einmal liegen sie auf dem Boden“, erklärt Rettungsassistent Stefan Ebner (38), der für das DRK Dienst im Freibad schob. Er zählte bis zum Abend rund zehn Einsätze.

In der Notfallaufnahme des Marien-Hospitals hieß es nur „Hier ist ganz viel zu tun“, die Feuerwehrverzeichnete im Rettungsdienst ebenfalls zahlreiche Einsätze. Eine ältere Frau, die offenbar zu wenig getrunken hatte, lag von Freitagabend bis Samstagmittag hilflos in ihrer Wohnung. „Sie konnte nicht mehr telefonieren. Wir haben dann die Tür aufgemacht“, so ein Sprecher.

Die Hitze hatte aber auch gute Seiten – wer konnte, genoss sie in vollen Zügen bei leichtem Wind, entweder zuhause im Garten, auf dem Hohenstein, im schattigen Herrenholz oder eben an der Ruhr und am Stausee. Letzteren hatten sich Sonja und Hendric ausgesucht. Sie saßen unten am Wasser ganz nah bei der Autobahnbrücke. Sie wären auch in die Fluten gestiegen, hätten die Enten nicht so viele Spuren hinterlassen. Auf ihrer Decke ließen es sich die beiden gut gehen – mit kalten Getränken, Himbeeren und Pfirsichen in der Kühltasche. Hier, im Schatten, konnte man es aushalten – ganz anders als eine halbe Stunde zuvor, als ihre Temperaturanzeige im Auto gegen 16 Uhr 40 Grad am Crengeldanz anzeigte.

Es war so heiß, dass viele Menschen die sonnigen Uferabschnitte ganz mieden. Auch die heiße Innenstadt war nur mäßig besucht. Nur die Fontänen am Berliner Platz waren gefragter denn je. Fröhlich hüpften die Kinder durch das sprudelnde Wasser. Von Flüssigkeit konnte man an diesem Tag gar nicht genug bekommen. Wasser, Früchte wie Melone und Apfelschorle waren die beliebtesten Durstlöscher in Gastronomien wie Extrablatt, Heveney oder Schleusenwärterhaus. Ab Sonnenuntergang durfte es dann auch mal ein kaltes Radler sein. Prost auf den bisher heißesten Tag des Jahres, vielleicht des Jahrzehnts. So schnell kommt er wohl nicht wieder.