Im früheren Wittener Tiefbauamt wird jetzt gewohnt

Repräsentative Fassade: früheres Tiefbauamt, Ecke Mannesmannstraße/Ardeystraße. Der Amtsleiter hatte das Eckzimmer im 1. Obergeschoss.
Repräsentative Fassade: früheres Tiefbauamt, Ecke Mannesmannstraße/Ardeystraße. Der Amtsleiter hatte das Eckzimmer im 1. Obergeschoss.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Neue Barrierefreiheit wird nicht nur von Senioren geschätzt, sondern auch von jungen Leuten und Berufstätigen. Zwei Drittel der Wohnungen sind weg.

Witten..  Was sollte aus dem ehemaligen Tiefbauamt nicht schon alles werden: Ärztehaus, Therapiezentrum, Altenheim . . . Nachdem die städtischen Bauverwaltung Ende 2008 zum Wickmanngelände umgezogen war, brodelte um den denkmalgeschützten Altbau die Gerüchteküche. Und über Jahre tat nichts. Bis Klaus (56) und Barbara (52) Breitenbach zugriffen. Jetzt ist es ein Haus der vielen Möglichkeiten.

Endlos hohe Räume, lange und breite Flure, hoher Sanierungsbedarf an Dach, Fenstern und Heizung, dazu die Auflagen des Denkmalschutzes drinnen und draußen – das alles konnte Klaus Breitenbach nicht schrecken. „Mein Mann liebt alte Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen“, sagt seine Ehefrau. „Und: Er weiß, wie es geht!“

Breitenbach ist Stuckateurmeister. Den Familienbetrieb in Bommern mit 25 Mann führen sie gemeinsam seit vielen Jahren. Sanierung und Umbau meisterten die eigenen Leute 2014 zur Hälfte selbst, andere Arbeiten wurden vergeben. Seitdem strahlt die Sandsteinfassade wieder hell. Drinnen blendet fast ein wenig das Weiß von modernen und großzügig geschnittenen Wohnungen (36 bis 100 qm), alle mit Balkon auf der Rückseite, also zur Wittener Werkstadt hin, mit gemeinsamer Waschküche auf jeder Etage. Dank neuem Aufzug, in den auch ein Bett passen würde, sind sie auch alle barrierefrei.

„Haben Sie den ,Tanzsaal’ schon gesehen?“, fragt Hausmeister Harald Behrends – und meint die mehr als geräumigen Bäder, in die man auch mit einem Rollstuhl bequem in die Dusche hineinfahren könnte.

„Barrierefreies Wohnen“ lautete von Anfang an das Ziel der Breitenbachs. Doch wer darunter ausschließlich Seniorenwohnungen versteht, wird überrascht. Mit Ingrid Trebbe, vor Urzeiten mal Verkäuferin bei Kesper in Rüdinghausen, zählt die älteste Mieterin zwar 86 Jahre. Die beiden Jüngsten aber studieren an der Uni Witten, sind also knapp zwanzig. Dazwischen gibt es mit Paaren, die im Berufsleben stehen, auch das „Mittelalter“.

Seit Jahresbeginn läuft die Vermietung. Zwei Drittel der 18 Wohnungen sind schon bezogen. Über „das gemischte Publikum“ freut sich Eigentümerin Barbara Breitenbach, die nicht nur die Fliesen aussuchte. „Ich versuche Wärme und Herz ins Haus zu bringen“, sagt sie, „das soll kein normales Mietshaus sein.“

Deshalb gibt einen Gemeinschaftsgarten mit Wasserspiel, eine große Gemeinschaftsterrasse, auf der man den Grill anwerfen kann. Den 60 qm großen Eingangsbereich und die Treppenabsätze darüber hat Barbara Breitenbach mit Sitzecken, Kommode, Nähmaschinen-Oldie und anderen Blickfängen ausgestattet. „Gemütlichkeit“ soll das Treppenhaus ausstrahlen. „Das ist doch viel zu schade, um nur rauf und runter zu laufen.“

Arbeiter Samariter eröffnen Beratungsstelle

Der letzte „Zugezogene“ ist der ASB. Der Arbeiter Samariter Bund hat jetzt eine Beratungsstelle im ehemaligen Tiefbauamt, Mannesmannstraße 2, eröffnet.

Hauptsitz des Kreisverbands Witten bleibt weiterhin die Geschäftsstelle an der Westfalenstraße 43. Dort berät der ASB auch weiterhin über sein umfassendes Angebot. Die neue Nebenstelle an der Mannesmannstraße 2 dient nach den Worten von ASB-Geschäftsführerin Kirsten Schäfer (54) einem doppelten Zweck: „Wir möchten die Menschen vor Ort als Kunden gewinnen und unsere Präsenz in Witten erhöhen“.

Astrid Meyer (61) vertritt den ASB in der neuen Beratungsstelle, die jeden Dienstag von 9 bis 12 Uhr besetzt ist. Sie hat 40 Jahre als OP-Schwester gearbeitet, für den ASB ist sie seit zehn Jahren ehrenamtlich tätig. Astrid Meyer ist auch dessen Seniorensicherheitsexpertin – erklärt beim Kaffee und Kuchen im Altenheim, wie man sich vor Taschendieben schützen kann.

Zur Service-Palette des ASB gehören schon lange Fahrdienst und Hausnotruf. Ausbauen möchten die Arbeiter Samariter vor allem ihre sozialen Dienste. „Wir besuchen Menschen, die noch zu Hause sind und keinen haben, der sich kümmert. Wir lesen ihnen was vor, bereiten Mahlzeiten zu, gehen mit ihnen einkaufen, fahren sie zum Arzt – je nachdem, was gebraucht wird“, erläutert Astrid Meyer. Auch Gesellschaftsspiele, Spazieren gehen, Betten beziehen, Bügeln, Fensterputzen und Botengänge gehören zu den möglichen Betreuungsleistungen und hauswirtschaftlichen Hilfen. Zum Jahresbeginn nahmen fünf Klienten solche Hilfen im Alltag des ASB in Anspruch, jetzt sind es schon 35. Der ASB setzt dabei ein Team von ehrenamtlichen Helfern ein, der Klient schließt mit ihm einen Betreuungsvertrag. Unter bestimmten Voraussetzungen können Kosten von einer Kasse oder von Ämtern übernommen werden.