Im Dienste der Ärmsten
24.10.2008 | 13:47 Uhr 2008-10-24T13:47:00+0200Nangina e.V., der Verein aus Witten, unterstützt Entwicklungsprojekte in Afrika und Südamerika. Vor Ort hat der Verein Vertrauensleute, mit denen er Kontakt hat. So wie Pater Mario Porto, der zurzeit in Witten zu Gast ist und von den Verhältnissen in Kenia berichtet.
Pater Mario Porto sitzt im Wohnzimmer von Friedhelm Ribberger in Rüdinghausen, dem Vorsitzenden von Nangina e.V., dem Verein, der seit über 20 Jahren Entwicklungsprojekte unterstützt. Vor dem Pater steht ein Laptop. Der 68-Jährige zeigt immer wieder mit beiden Händen auf den Bildschirm.
Dort sind Bilder aus Kariobangi, einem Slum in der Nähe der kenianischen Hauptstadt Nairobi, zu sehen. Sie zeigen bei Unruhen niedergebrannte Häuser, eine Schule, die erst kürzlich durch ein Hochwasser einfach weggeschwemmt wurde. Bretterbuden, die als Wohnung dienen. Und sie zeigen Menschen. Frauen, die Nähen lernen. Kinder in Schuluniformen, die während der Pause mit Händen aus Schalen ihr Essen einnehmen. In großer Enge. „Man muss sich das einmal vorstellen. Dort leben etwa 80 000 Menschen auf einem Quadratkilometer”, erzählt Friedhelm Ribberger. Auf zehn Quadratmetern würden oft fünf Menschen wohnen, essen und schlafen. Ribberger weiß, wovon er spricht. Im vergangenen Herbst war er selbst mit ein paar Vereinsmitgliedern in Kariobangi. Der Verein, so betont er, beschäftige sich aber nicht nur mit der Hilfe für Entwicklungsländer, „sondern wir machen auch Jugendarbeit in Deutschland”. Kinder und Jugendliche von Nangina erzählen bundesweit in Gottesdiensten mit ihren selbst geschriebenen Sprechgesängen über die Lebenssituation der Menschen in Afrika und Lateinamerika und sammeln Spenden. Die Liebe zur Jugend verbindet beide. „Wir wollen diese Schule wieder aufbauen”, sagt Pater Mario Porto, der in Italien in der Nähe von Verona geboren wurde und den Comboni-Missionaren angehört. Seit 35 Jahren hilft er in Kenia, seit 15 Jahren in Kariobangi. Er ist Gemeindevorsteher von 60 000 Menschen. Schulen liegen ihm am Herzen. Viele Kinder könnten sich die staatlichen Schulen nicht leisten, obwohl sie nicht viel kosten. Die Bildung ist aber nur eines von vielen Problemen. Aids ist weiterhin ein großes Problem. Es gibt 3,5 Millionen Infizierte. Gemeinsam mit einem Schwesternprojekt wird über Aids aufgeklärt, „dass Sex nicht das Wichtigste ist”. Aids-Waisen erhalten Schulunterricht. Von ihnen gibt es in Kenia etwa 1,5 Millionen. In Pater Marios Gemeinde gibt es für sie eine Schule. „Sie zu betreiben kostet 20 000 Euro im Jahr”, sagt er. Im vergangenen Jahr kam die Hälfte des Geldes von Nangina. Zudem organisiert Pater Mario, dass jedes Kind zumindest einmal am Tag eine warme Mahlzeit erhält. In einer Haushaltsschule lernen junge Frauen zum Beispiel Nähen. Es wird ein Apotheken-Projekt unterstützt. Hier kosten Medikamente ein Viertel dessen, was in üblichen Apotheken gezahlt werden muss. Und, und, und. Alle drei Jahre kommt Pater Mario in seine europäische Heimat. Den jetzigen Besuch verbindet der 68-Jährige mit einer privaten Mission. Sein Vater feiert Ende Oktober seinen 99. Geburtstag. Am 7. November geht der Flieger wieder in Richtung Kenia.
Seit mehr als 20 Jahren gibt es den Nangina e.V., dessen Vorstand und Mitglieder alle ehrenamtlich arbeiten.
Zurzeit werden 15 Entwicklungsprojekte in Afrika und Südamerika unterstützt. Vor Ort gibt es jeweils Vertrauensleute wie Pater Mario, zu denen der Verein Kontakt hat. Durch Spenden kommen im Jahr etwa 200 000 Euro zusammen, mit denen Nangina die weltweiten Projekte unterstützt. Mehr über den Verein und seine Projekte gibt es unter www.nangina.de.
„Hier, noch das”, sagt Pater Mario zum Abschied und klickt ein Bild im Laptop an. Es zeigt eine junge Mutter mit vier kleinen Kindern – fröhliche Kinder mit lachenden Augen. Und Pater Mario, der auch Suaheli spricht, freut sich sichtlich über dieses Lachen.
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